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Ex-DFL-Chef Christian Seifert mit Blick in die Zukunft. IMAGO

Seifert verlässt DFL mit gutem Gefühl

(sid). Wenn Christian Seifert am Mittwoch seinen Schreibtisch leer räumt, kommt sicher kein vergilbter Himalaya-Reiseführer unter den alten Stapeln zum Vorschein. »Ich bin nicht der Typ, der alleine durch Nepal wandert«, sagte der scheidende Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beim Ausblick auf sein Leben nach dem letzten Arbeitstag im Machtzentrum der Bundesliga.

Das »Dach der Welt« war für Seifert ohnehin die fünfte Etage der DFL-Zentrale im Frankfurter Westend. Dort liefen alle Fäden des Profifußballs bei ihm zusammen - und deshalb werden am Mittwoch auch gemischte Gefühle in Seifert aufsteigen. »Die Arbeit hat einiges von mir verlangt«, beschrieb er seinen Emotions-Mix aus Wehmut und Erleichterung: »Aber sie hat mir unter dem Strich mehr gegeben als abverlangt.«

Fast 17 Jahre dauerte das Geben und Nehmen, mit dem Seifert die Milliarden-Branche lenkte. »Es war kreativ, inspirierend, erfüllend und manchmal auch ernüchternd«, sagte der 52-Jährige beim Blick zurück auf seine Amtszeit, die selbst größte Kritiker als erfolgreich bezeichnen müssen: »Ab und an bin ich vor Wände gelaufen. Aber meistens konnte ich sie überwinden.«

Nur das Ende hatte sich Seifert anders gewünscht. »Das Drehbuch des Lebens hat dafür gesorgt, dass die Schlusssequenz anders verlaufen ist als gedacht«, gestand der gebürtige Badener mit Blick auf die Corona-Pandemie ein: »Das waren die größten physischen und psychischen Herausforderungen meines beruflichen Lebens.«

Dabei war der Job auch vorher schon stressig genug. Pausenlos musste Seifert (»Eine Work-Life-Balance war nicht zu realisieren«) seine strategischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Ob bei den zahllosen Debatten, Streitigkeiten und Krisen während seiner Regentschaft oder beim turnusmäßigen Poker um die Medienrechte, bei dem der Manager regelmäßig Milliarden für die Vereine herausholte.

»Mein Arbeitgeber waren 36 Klubs, deren Gemeinsamkeit fast nur darin besteht, dass sie das gleiche Spiel spielen«, beschrieb Seifert seine Versuche bei der Quadratur des Kreises: »Jeder Klub hat seine eigene Meinung dazu, wie Profifußball funktionieren soll. Dennoch ist es eigentlich immer gut gelungen, diesen Tanker mit 36 sehr unterschiedlichen Besatzungsmitgliedern durch die Widrigkeiten zu steuern.«

Ob das tatsächlich immer so war, sei dahingestellt. Doch nun ist es laut Seifert ohnehin »Zeit für eine neue DFL« unter der Führung seiner Nachfolgerin Donata Hopfen. Den »neuen Menschen, neuen Energien, neue Ideen und neuen Personen« soll Zeit gegeben werden: »Ich wünsche mir, das die Klubs den Weg mitgehen. Auch wenn es mal holprig sein sollte - es war auch in der Vergangenheit nicht alles golden.«

Dieses Eingeständnis relativiert glücklicherweise die Lobeshymnen seiner Weggefährten, die zum Abschied fast keinen Superlativ ausließen.

»Christian hat sicherlich einen Standard gesetzt, an dem sich der europäische Fußball auf seinem künftigen Weg orientieren kann«, ließ UEFA-Boss Aleksander Ceferin wissen. Bundestrainer Hansi Flick ist der Meinung, dass der »Profifußball und all seine Akteure« bei Seifert »in den besten Händen« waren.

Für Herbert Hainer steht fest, dass Seifert »die DFL in seinen 17 Jahren an der Spitze auf Erfolg getrimmt« hat. Der Präsident von Bayern München ist sicher: »Christian Seifert an der Spitze der DFL war ein Glücksfall für den deutschen Fußball.« Das sieht auch der künftige DFL-Aufsichtsratsboss Hans-Joachim Watzke so: »Er hinterlässt fachlich und menschlich große Fußstapfen.«

Ob das bei Seiferts Nachfolgerin auch so sein wird, ist noch offen. Doch der Ex-Boss verlangt einen Vertrauensvorschuss für Hopfen. »Skepsis ist völlig unangebracht«, sagte Seifert über die frühere Medien-Chefin: »Sie ist sehr gut vernetzt, in digitalen und strategischen Fragen total versiert und eine erfahrene Managerin.«

Was aus dem erfahrenen Manager Seifert beruflich wird, will er noch nicht verraten - aber schon innerhalb des nächsten halben Jahres könne es Neuigkeiten geben. Bis dahin werde er sich innerhalb seiner Familie wohlfühlen und mit ein »paar guten Büchern« zur Ruhe kommen. Vielleicht findet er dabei doch einen Schmöker über Nepal.

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