Keine Menschenseele vor dem Signal Iduna Park von Borussia Dortmund. Es mehren sich die Zeichen, dass in der Bundesliga in diesem Jahr der Ball nicht mehr rollt. FOTO: DPA
+
Keine Menschenseele vor dem Signal Iduna Park von Borussia Dortmund. Es mehren sich die Zeichen, dass in der Bundesliga in diesem Jahr der Ball nicht mehr rollt. FOTO: DPA

WE KICK CORONA

Ein sehr düsteres Bild

  • vonSID
    schließen

Wann wird wieder Fußball gespielt? Nicht mehr in diesem Jahr, glaubt ein renommierter Virologe. Kein Fußball bis 2021? Klubs und Fans fürchten das Horrorszenario.

Schon im April? Vielleicht im Juni? Oder tatsächlich erst 2021? Noch immer hoffen Fußball-Klubs und -Fans auf ein baldiges Ende der Bundesliga-Pause, doch die ersten Experten zeichnen längst ein düsteres Bild. Sogar eine Rückkehr zum Spielbetrieb "erst nächstes Jahr" sei gut möglich, sagte nun der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg im NDR.

Offiziell ist die Bundesliga bis mindestens zum 2. April ausgesetzt, doch diese Frist dürfte noch mehrfach verlängert werden. Immerhin: Die Verschiebung der EM um ein Jahr schafft Platz im Sommer, die englische Premier League hat ihre Pause bereits bis zum 30. April ausgedehnt. Und doch könnten alle Bemühungen angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie am Ende nicht reichen.

Virologe Schmidt-Chanasit hält es schon jetzt für unrealistisch, die Saison zu Ende führen zu können. "Man muss sich davon verabschieden. Selbst wenn es uns nicht so schlimm treffen sollte, heißt das noch lange nicht, dass der Fußball wieder anfangen darf. Denn das würde wieder zu einer deutlichen Verschärfung der Situation führen", sagte der Mediziner: "Wir sprechen hier über einen Zeitraum, der frühestens nächstes Jahr erreicht werden kann."

Für viele Klubs ein Horrorszenario, müssen doch trotz fehlender Einnahmen unter anderem die Spieler bezahlt werden. Sportmarketing-Experte Karsten Petry fürchtet Insolvenzen und Konkurse. "Wenn es dabei bleibt, dass alle vertraglichen Pflichten erfüllt werden müssen, dann werden einige Vereine das Ende der Saison - wann auch immer das dann ist - nicht überleben", sagte der Geschäftsführer der Agentur Octagon Deutschland.

Fast alle Klubs klammern sich derzeit an Geisterspiele als letzte Hoffnung. "Etwa 80 Leute" wären dann nur noch im Stadion, hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund zuletzt vorgerechnet, das wäre "vertretbar". Sogar bei den Fans wächst die Akzeptanz der so ungeliebten Lösung.

Doch Schmidt-Chanasit sieht auch das anders. "Auch Geisterspiele würden dazu verleiten, dass die Leute zusammen gucken wollen", sagt er. Bei der Rückkehr zur gesellschaftlichen Normalität müssten Spaßveranstaltungen "ganz zum Schluss kommen - gerade die, wo ein Potenzial besteht, dass sich die Leute treffen wollen". Und: Auch weitere Corona-Fälle bei Profis würden Spiele erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen.

Spannend wird der Blick nach China, wo sich die Lage zumindest etwas entspannt hat. Eigentlich wollte die Chinese Super League im April mit rund neunwöchiger Verspätung starten. Am Mittwoch wurde jedoch beim Zweitligisten Meizhou Hakka ein Corona-Fall bekannt - nun droht eine erneute Verschiebung.

Sollte im Sommer doch gespielt werden, müssen zudem kreative Lösungen her. Die neueste Idee sieht ein Bundesliga-Finale im EM-Format vor, mit festen Austragungsorten in allen Regionen des Landes und mehreren Partien pro Tag. Auch Playoffs etwa um die Meisterschaft oder den Klassenerhalt sind eine mögliche Alternative.

Das alles könnte aber schon bald Makulatur werden, ebenso wie der für den 21. August geplante Beginn der Saison 2020/2021. Denn wenn irgendwann "die Schrauben wieder gelockert" werden, so Schmidt-Chanasit, stünde die Rückkehr des Fußballs weit unten auf dem Zettel: "Da gibt es viele Sachen, die früher zu entscheiden sind." FOTO: IMAGO

Die Fußball-Nationalspieler Leon Goretzka und Joshua Kimmich haben mit einer Eigenbeteiligung von einer Million Euro eine Internet-Plattform zur Bewältigung der CoronaKrise ins Leben gerufen. Mit der Initiative "We kick Corona" soll karitativen, sozialen oder medizinischen Einrichtungen geholfen werden, die aufgrund der Pandemie auf sofortige Hilfe angewiesen sind. "Corona schlagen wir nur im Team", sagte Goretzka, jetzt sei Solidarität im Kleinen wie im Großen notwendig, ergänzte Kimmich. "Als Profi-Fußballer führen wir ein gesundes und privilegiertes Leben. Daher sehen wir uns in dieser schwierigen Zeit verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen. Geben und gegenseitig helfen ist das Gebot der Stunde", schreiben die beiden auf der Website www.WeKickCorona.com. Aus dem Millionen-topf, den Goretzka und Kimmich bereitgestellt haben, können Einrichtungen Soforthilfe beantragen. Gleichzeitig rufen beide auf, sich mit Spenden zu beteiligen, "um noch mehr Einrichtungen unterstützen zu können". (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare