Jan-Moritz Lichte
+
Jan-Moritz Lichte

Sehnsucht nach Ruhe

  • vonSID
    schließen

(sid). Auf eine erholsame Nachtruhe legt Jan-Moritz Lichte derzeit nicht allzu viel Wert. "Wir werden die Abläufe nicht großartig ändern, nur weil ich das Gefühl habe, dass ich in dem Hotel schlecht schlafe", sagte der neue Trainer des Krisenklubs FSV Mainz 05 vor seiner ersten Bewährungsprobe als Chefcoach in der Fußball-Bundesliga am Freitag bei Union Berlin (20.30 Uhr/DAZN): "Es geht nur darum, dass die Spieler auf dem Platz alles abrufen."

Um das zu gewährleisten, hatte Lichte bis zum Abflug in die Hauptstadt zwar nur vier Trainingseinheiten zur Verfügung - ein Problem sieht der Nachfolger des am Montag entlassenen Achim Beierlorzer darin aber nicht. "Mein Gefühl ist, dass der Rollentausch sehr schnell vonstatten gegangen ist", äußerte der langjährige Co-Trainer: "Wie ich es sehe, haben die Spieler keine Schwierigkeiten damit, dass ich jetzt die Anweisungen gebe."

Die Probleme der Profis mit Vorgaben hatten allerdings vor dem Amtsantritt Lichtes dafür gesorgt, dass die Rheinhessen ausschließlich negative Schlagzeilen produzierten.

Als Folge der Suspendierung von Stürmer Adam Szalai war der Klub tief im Chaos versunken. Nach einem Trainingsstreik der Spieler und der zweiten Niederlage im zweiten Punktspiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart (1:4) erhielt Beierlorzer seine Papiere. Nun haben sich die Verantwortlichen an die Aufräumarbeiten gemacht.

Klubchef Stefan Hofmann hat dem heftig kritisierten Sportvorstand Rouven Schröder den Rücken gestärkt. Zudem soll der drohende Rechtsstreit mit Szalai, dessen Zukunft weiter offen ist, verhindert werden - Schröder bestätigte am Donnerstag die Kontaktaufnahme mit dem Szalai-Lager. Laut Hofmann war Szalai allerdings einer der größten Kritiker, als den Profis offenbart wurde, dass sie ihre 15-prozentige Gehaltskürzung von April bis Juni nicht zurückerhalten werden.

Die Unzufriedenheit bei den Themen Gehaltsverzicht, Beierlorzer-Arbeit und Szalai-Suspendierung haben nach Angaben Hofmanns in der Summe zum Streik geführt. Die Profis hätten aber mittlerweile erkannt, dass sie "komplett überzogen" haben. Um das zu verdeutlichen, werde es eine gemeinsame Erklärung der Mannschaft geben. Den Fans wäre ein Statement auf dem Platz wohl lieber. Vor allem, nachdem der Klub, der in der laufenden Saison mit einem Umsatz-Minus von 15 Millionen Euro plant, den Abgang von Eigengewächs Ridle Baku zum Ligarivalen VfL Wolfsburg bestätigt hat. "Das wirtschaftliche Gesamtpaket war wichtig für uns", sagte Schröder.

Wie das Gesamtpaket in Berlin mit Blick auf das Spielsystem aussehen wird, wollte Lichte nicht verraten. Dem Coach fehlt aber der gesperrten Abwehrchef Moussa Niakhate. Immerhin konnte Lichte, der vor einem Jahr den damals gesperrten Beierlorzer-Vorgänger Sandro Schwarz an der Seitenlinie vertreten hatte (2:1 beim SC Paderborn), Entwarnung bei den Corona-Fällen geben. Pierre Kunde Malong, Stefan Bell und Edimilson Fernandes gehe es "gesundheitlich" gut. Kunde Malong soll in den Kader rücken. FOTO: DPA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare