Abschlusstraining im Windsor Park Stadion mit (v. r.) Toni Kroos, Joshua Kimmich, Lukas Klostermann und Niklas Süle.
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Abschlusstraining im Windsor Park Stadion mit (v. r.) Toni Kroos, Joshua Kimmich, Lukas Klostermann und Niklas Süle.

Schwerer Rucksack für Belfast

  • vonDPA
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Die demonstrativ zur Schau gestellte gute Stimmung ist bei der Nationalelf nach der Holland-Pleite verflogen. In Belfast will Löw sein junges Team schnell wieder in die EM-Spur bringen. Die Debatte um einen Ex- Weltmeister stört. Hinzu kommen gleich zwei Ausfälle.

Mit den Händen in den Taschen seiner Jacke schlenderte Joachim Löw im Nieselregen über den Rasen des Windsor Parks. Die Kapuze hatte der Bundestrainer tief in das Gesicht gezogen. Die ungemütlichen Stunden setzten sich für den 59-Jährigen auch beim Abschlusstraining am Sonntag für das plötzlich so bedeutsame EM-Qualifikationsspiel in Nordirland fort. Die große Wochenend-Aufregung um die Holland-Pleite hatte Löw zuvor im vollbesetzten Presseraum gerne ausblenden wollen.

"Das Spiel ist enorm wichtig. Wenn du ein paar Tage vorher verloren hast, dann weiß man, dass man mit aller Macht drei Punkte anstreben muss", sagte Löw. "Nordirland ist Tabellenführer. Unsere Aufgabe ist es, alles dranzusetzen, das Spiel zu gewinnen", verdeutlichte er vor der Partie am Montag (20.45 Uhr/RTL).

Auch Joshua Kimmich - bei der abendlichen Pressekonferenz für den erkrankten Ilkay Gündogan eingesprungen - ließ keinen Zweifel aufkommen, dass der desolate Eindruck vom 2:4 gegen die Niederlande gleich in Belfast wieder korrigiert werden soll. "Wir müssen ein komplett anderes Gesicht zeigen", sagte der Bayern-Profi. "Wir müssen eine Reaktion zeigen - und das werden wir auch", versprach Kimmich.

Mit schweren Rucksäcken waren die Nationalspieler nach der Landung in ihr Teamhotel marschiert. Löw kam sprichwörtlich mit ganz viel Ballast in Belfast an. Plötzliche EM-Sorgen, neue Taktikzweifel und dann auch noch die nach dem Abwehrchaos gegen Holland wieder aufgeflammte Debatte um den aussortierten Mats Hummels hatten die in der Hamburg-Woche noch so kultivierte gute Laune vertrieben.

Im ungemütlichen Windsor Park will Löw mit seinem nach dem Gündogan-Ausfall auf 16 Feldspieler geschrumpften Kader die nach dem herben 2:4-Dämpfer gegen die Niederlande schlagartig wieder aufgekommene Kritik an seinem Erneuerungskurs schnell verstummen lassen. Wie fragil sein Reformprozess mit der jungen Mannschaft weiterhin ist, hatte Löw durch die Oranje-Pleite deutlich zu spüren bekommen. Das gute Sommergefühl nach zuvor drei Siegen in drei Spielen war nach nur einem Negativerlebnis ganz schnell verflogen.

Den Fokus lenkte der 59-Jährige daher ganz bewusst weg von den Aufregerthemen um diskutable Einwechslungen und den von vielen reflexartig als Problemlöser genannten Ex-Weltmeister Hummels. "Dazu ist alles gesagt", war laut "Bild" Löws klare Antwort. Für Löw zählt nur die Vorbereitung auf Nordirland. "Dass wir Rückschläge erleiden, war von unserer Seite einkalkuliert. Trotzdem liegen wir im Soll", sagte der DFB-Chefcoach.

Die Besonderheit des Nordirland-Duells im plötzlich ungewollt wieder spannenden Kampf um ein EM-Ticket haben auch die Nationalspieler erkannt. "Jetzt ist natürlich ein bisschen Druck da. Jetzt haben wir wieder ein großes Spiel. Wir müssen die Köpfe oben behalten, weiter positiv bleiben und in Belfast einen Neuen raushauen", forderte BVB-Kapitän Marco Reus. Sein neuer Club-Kollege Julian Brandt brachte es auf die einfache Formel: "Das wird Insel-Fußball."

Obwohl Löw den britischen Old-School-Stil nicht mag, wird er sein Team natürlich speziell darauf vorbereiten. Mit einer deutlich offensiver ausgerichteten Taktik als dem Abwarte-Fußball gegen Holland sollen drei fest eingeplante Punkte geholt werden. Gündogan hätte in Löws Überlegungen eine zentrale Rolle gespielt. Doch am Sonntag reiste der Man-City-Profi erkrankt von Belfast gleich weiter heim nach Manchester. Für Gündogan könnten nun als noch offensivere Variante Julian Brandt oder Kai Havertz in die Startelf rutschen.

Emre Can wäre dagegen eine Option für mehr "Aggressionspotenzial", das Löw gegen die "Körperlichkeit" der Nordiren einfordert. Außer Gündogan fehlt auch der Dortmunder Nico Schulz wegen seiner Fußverletzung. Marcel Halstenberg (RB Leipzig) und Jonas Hector (1. FC Köln) sind die Alternativen als Linksverteidiger.

Die Dreier-Abwehrreihe wird Löw auf eine Viererkette umstellen, dann wohl ohne Eigentorschütze Jonathan Tah, den trotz der tröstenden Worte vieler Kollegen großen Verlierer des Holland-Spiels. Den Freispruch bekam der Leverkusener von Löw selbst. "Qualitätsmängel haben wir keine", erklärte der Bundestrainer.

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