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Zufrieden sieht anders aus: Trainer Daniel Thioune sieht seinen HSV aber nicht in der Krise.

Schwächeln zur Unzeit

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(dpa/lno). Niederlagen kommen immer zur Unzeit, diese aber ganz besonders. Die 2:3 (0:2)-Pleite des Hamburger SV in der 2. Fußball-Bundesliga beim Tabellenletzten Würzburger Kickers nimmt dem Aufstiegsfavoriten die breite Brust, mit der er in das unberechenbare Prestige-Duell mit dem Stadtrivalen FC St. Pauli am 1. März gehen wollte. Was folgt, ist nicht minder heftig:

Die Aufgaben gegen die Mitfavoriten Holstein Kiel (8. März) und VfL Bochum (12. März) spitzen das Rennen um den direkten Aufstieg in die Bundesliga zu.

Warum der Hamburger SV sich beim Schlusslicht in Unterfranken bräsig präsentiert hatte, konnte auch Trainer Daniel Thioune nicht erklären. Der Coach versuchte vielmehr, die Wogen zu glätten. »Die Ergebnisse sind nicht gut. Aber von der Krise sind wir sehr, sehr weit entfernt. Da darf man auch mal den aktuellen Stand der Tabelle nehmen. Ich glaube, die Krise würde vielen Mannschaften in der Liga gefallen, die wir haben«, sagte Thioune.

Die Blamage von Würzburg erregt breite Aufmerksamkeit, weil der Top-Favorit gegen den größten Außenseiter, der Spitzenreiter gegen den abgeschlagenen Letzten antrat und damit die Fallhöhe besonders beeindruckend war. Die Leistung der Hamburger entsprach in keiner Weise ihrem Tabellenplatz. »Daraus schließe ich nichts für die nächsten Wochen«, meinte Thioune.

Bei einer Mannschaft, die in den beiden Vorjahren zweimal den möglichen Aufstieg verspielte und als bundesweit verhöhnter Vierter über die Ziellinie schlich, reagieren Beobachter sensibel. Zumal auch die Vereinsverantwortlichen damals predigten: Alles wird gut. Letztlich wurden sie von ihren Beschwichtigungen eingeholt.

Fakt ist: Der Trend weist nach unten. Der HSV hat seit drei Spielen nicht gewonnen, holte in fünf Spielen nur einen Sieg und magere sechs Punkte. In der Hinrunde hatte das Team die gleichen Gegner besiegt und 15 Zähler eingefahren. In der Rückrunde nur Neunter mit ebenso vielen Punkten, wie sie die Abstiegskandidaten Würzburg und Eintracht Braunschweig holten. Der wiedererstarkte Stadtrivale FC St. Pauli fuhr seit Rückrundenbeginn zwölf und damit doppelt so viele Zähler wie der HSV ein. Thioune gibt sich davon unbeeindruckt: »Statistiken interessieren mich nicht.«

Der 46 Jahre alte Fußballlehrer ist kein Freund von Schwarz-Weiß-Malerei. »Wir waren kurz davor, die größte Serie zu starten, die man je gestartet hat«, verteidigte er sein Team. Mit einem Sieg in Würzburg hätte der HSV seinen Zweitliga-Vereinsrekord auf zwölf Spiele ohne Niederlage ausgebaut. Jetzt, wunderte sich der Trainer, soll er plötzlich in der Ergebniskrise stecken. »Meine Mannschaft hat mir in den letzten Wochen sehr viel Freude bereitet«, erwiderte er und schloss sich der Einschätzung seines Kapitäns nicht an. Tim Leibold hatte bekannt: »Wir haben die Einstellung vermissen lassen.«

Hamburgs Sportvorstand Jonas Boldt hatte wenige Tage zuvor die besonderen Anforderungen im Fußball-Unterhaus hervorgehoben. »In dieser Liga musst du konstant sein. Kons-tant punkten. Und gern auch mal eine Serie hinlegen«, sagte er und schlussfolgerte: »Das Verteidigen ist in einer Liga, die sehr von Fehlern lebt, ein ganz wichtiger Kern und fast immer die Basis für Erfolg. Das schaffen wir in dieser Saison besser als in der letzten.« Das Gastspiel am Sonntag in Würzburg war jedoch das Gegenbeispiel.

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