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Sebastian Vettel in Indien

Heppenheim bereit für Party

Schumacher rät Vettel zu Ferrari-Wechsel

Neu-Delhi - Sebastian Vettel hat seinen vierten WM-Titel so gut wie in der Tasche. Jetzt rät ihm Rekordweltmeister Michael Schumacher zu einem Wechsel von Red Bull zu Ferrari.

Sebastian Vettel war bei seinem ersten Auftritt in Indien bester Laune. Der Formel-1-Dominator saß entspannt auf seinem Stuhl vor den Reportern, er scherzte, riss Sprüche und lächelte immer wieder sein spitzbübisches Lächeln. Vettel ruht vor dem Grand Prix in Indien (Sonntag, 10.30 Uhr/RTL und Sky) in sich selbst, immerhin kann er sich vor den Toren Neu-Delhis erneut zum Weltmeister krönen. Vettel versuchte trotz aller Gelassenheit den Eindruck zu vermitteln, als habe er seinen vierten Titel in Serie schon in der Tasche - es gelang ihm nicht wirklich.

Sogar Auskunft über den Stand seiner Party-Planung für den Fall der Fälle gab Vettel. Es würden sicher „keine Schlager“ zu hören sein, sagte der 26-Jährige: „Aber irgendwann ist die Musik eh egal. ` Zu trinken gäbe es nach dem Rennen auch ausreichend, versicherte er: `Red Bull lässt sich ja mit einigen Getränken gut mischen.“ Und überhaupt: „Alle sind eingeladen.“

Vettel reicht im 16. von 19 Saisonrennen bereits ein fünfter Platz, um seinen einzigen verbliebenen Verfolger Fernando Alonso (Ferrari) auf Distanz zu halten. Selbst wenn Vettel in Indien nicht in die Punkte fährt, müsste Alonso schon mindestens Zweiter werden, um die Entscheidung noch einmal aufzuschieben. Doch damit rechnet niemand, schließlich gilt Vettel als Indien-Experte. Bisher hat der Hesse die beiden einzigen Rennen auf dem Buddh International Circuit gewonnen und dabei alle Runden angeführt.

Mit seinem vierten WM-Titel würde Vettel in einen elitären Kreis aufgenommen. Bisher konnten überhaupt erst drei Fahrer vier oder mehr WM-Titel gewinnen: Rekordweltmeister Michael Schumacher (sieben Titel), Juan Manuel Fangio (fünf) und Alain Prost (vier). Doch an einem Legenden-Status in Vettel nach eigenen Angaben nicht interessiert. „Ich wache morgens nicht auf und denke: “Oh wie klasse'„, sagte der Blondschopf, der sich nicht allzu sehr mit der unmittelbaren Zukunft beschäftigen will: `Es ist wichtig, dass wir den Titel holen - nicht wann.“

Die Fans in seiner Heimatstadt sehen das offenbar ganz anders. Heppenheim verwandelt sich am Sonntag wieder zu „Vettel-Heim“. Der Erste-Sebastian-Vettel-Fanclub hat wieder zum großen Public-Viewing eingeladen, das Bier ist schon kaltgestellt und ein DJ soll - neben Vettels Triumph - für gute Stimmung sorgen. Das Rennen wird auf einer riesigen Leinwand übertragen, Vettel-Fans aus der ganzen Republik sollen ihr Kommen zugesagt haben.

Trotz der großen Triumphe mit Red Bull hat Schumacher seinem Erben Vettel zu einem Wechsel zu Ferrari in der Zukunft geraten. „Wenn man es schafft, mit einem Traditions-Rennstall, einer Marke voller Emotionen Rennen und Meisterschaften zu gewinnen, dann ist das nach wie vor das Nonplusultra“, sagte Schumacher der Bild-Zeitung. Siege mit Ferrari würden zudem Vettels Image aufpolieren, so Schumacher: „Das würde sicher die eine oder andere Situation für ihn verändern.“ Seriensieger Vettel wurde in dieser Saison nach dominanten Rennen schon öfter ausgepfiffen.

Vettel von A bis Z: Seine Lieblingsband, sein Markenzeichen und mehr

Vettel von A bis Z: Seine Lieblingsband, sein Markenzeichen und mehr

A wie Adrian Newey, Red-Bull-Technikguru und Konstrukteur der Weltmeisterautos © Getty
B wie Beatles, Sebastians Lieblingsgruppe © Getty
C wie Christian Horner, als Teamchef bei Red Bull Vettels Vorgesetzter © Getty
D wie Deutschland, Vettels Heimat, in der er aber bislang noch kein Formel-1-Rennen gewonnen hat © Getty
E wie Ehrgeiz, eine von Vettels herausragenden Eigenschaften: Er kann nicht verlieren, egal, wobei © Getty
F wie Fußball, womit Vettel schon als Kind aufgehört hat, weil er nicht gut genug war © Getty
G wie Geld, nicht so wichtig für Vettel, weshalb er lieber seine Ruhe genießt als noch mehr Werbeverträge abzuschließen © Getty
H wie Haare, blond und bares Geld wert - durch einen Werbevertrag mit einem Shampoo-Hersteller © Getty
I wie Indianapolis, der Ort von Vettels erstem Formel-1-Rennen, in dem er 2007 gleich als Achter einen WM-Punkt holte © Getty
J wie Jubelschreie, Vettels Ausbrüche am Boxenfunk nach gewonnenen Rennen sind fast schon legendär © Getty
K wie Kinky Kylie, Kosename für Vettels Rennauto © Getty
L wie Lächeln, mit dem der Weltmeister viele - vor allem weibliche - Fans fasziniert © Getty
M wie Monza, Ort von Vettels Durchbruch. Dort fuhr er 2008 im Toro Rosso als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte auf die Pole Position und gewann ein Rennen © Getty
N wie Norbert, Vettels Vater, der die Karriere seines Sohnes von Beginn an unterstützt hat © Getty
O wie Otto Waalkes, der in der Bild-Zeitung ein Gedicht widmete © Getty
P wie Perfektion, ein Status, den Vettel immer anstrebt © Getty
Q wie Qualifikation, Vettels Domäne, in 12. von 15 Rennen fuhr Vettel in diesem Jahr auf die Pole Position © Getty
R wie Red Bull, Vettels Förderer schon seit Kartzeiten © Getty
S wie Suzuka, die Strecke, auf der er in drei Jahren zwei Rennen und einen WM-Titel gewann © Getty
T wie Tommi Parmakoski, Vettels finnischer Fitnesstrainer und Physiotherapeut, mit dem er übers Jahr gesehen die meiste Zeit verbringt © Getty
U wie unermüdlich, Vettel ist abends meist der Letzte im Fahrerlager, diskutiert lange mit seinen Ingenieuren © Getty
V wie Vettel-Finger, sein Markenzeichen, und als blaue Schaumstoffversion Standardausrüstung eines echten Vettel-Fans © Getty
W wie Wille, mit dem Vettel im vorigen Jahr in letzter Minute doch noch seinen ersten Titel geholt hatte © Getty
X wie x-beliebig, genau das, was Vettel nicht ist © Getty
Y wie youngest, englisch, steht für Vettels Rekorde, die er als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte holte © Getty
Z wie Ziel, für Vettel immer gleich: beim nächsten Rennen das Optimum herausholen © Getty

Red Bull haftet das Image der Neureichen an, die sich ihre Erfolge erkaufen. Viele Experten sind zudem der Meinung, dass Vettels Siege einen Makel haben: Nicht er sei so ein guter Pilot, sein Wagen sei einfach unschlagbar. Nur wenn Vettel mit einem anderen Team ähnliche Erfolge feiern würde, könne er diese Zweifel ausräumen, so eine weit verbreitete Meinung im Fahrerlager.

Doch für das Vettel-Lager ist die Frage nach der absoluten Klasse des Überfliegers längst beantwortet. Dass er nur mit Red Bull gewinnen könne, sei „kompletter Schwachsinn“, sagte Peter Mücke, einst Vettels Förderer und Teamchef, dem SID: „Sebastian holt einfach alles aus dem Auto raus, das ist das perfekte Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. So einfach ist das nicht. Sonst würde sein Teamkollege (Mark Webber, d. Red.) ja auch ab und zu mal ein Rennen gewinnen.“ Auch für RTL-Experte besitzt Vettel bereits Legendenstatus. Mit bseinem vierten Titel gehöre er „in den Olymp der Motorsportgeschichte“, sagte Danner der TV Movie. Vettel habe die gleiche Stufe wie Schumacher erreicht: „Weil er ähnlich dominant, ähnlich souverän fährt - auch wenn er ein ganz anderer Typ ist“, sagte Danner: „Aber was die Erfolge angeht, liegen sie auf Augenhöhe.“

sid

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