Marcus Rashford freut sich über seinem dritten Treffer für Manchester United, die Leipziger um Marcel Halstenberg (l.) und Ibrahima Konaté (2. v. l.) sind nach dem 0:5 bedient. FOTO: AFP
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Marcus Rashford freut sich über seinem dritten Treffer für Manchester United, die Leipziger um Marcel Halstenberg (l.) und Ibrahima Konaté (2. v. l.) sind nach dem 0:5 bedient. FOTO: AFP

Schnell abhaken

  • vonSID
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RB Leipzig hat eine schmerzhafte Champions-League-Lehrstunde aufzuarbeiten. Borussia Dortmund hingegen ist trotz des uninspirierten Ballgeschiebes mehr als froh - vor allem über das Ergebnis.

RB Leipzig erhielt nach der Lehrstunde im "Theater der Träume" freundliche Unterstützung von Pep Guardiola - Borussia Dortmund hakte seinen Sieg im trostlosen Geisterheimspiel schnell und ohne große Emotionen ab. Nur die RB-Profis und ihr Trainer Julian Nagelsmann mussten sich am Donnerstag fragen, was am Vorabend so furchtbar schiefgelaufen war.

Nach dem 0:5 (0:1) bei Manchester United, der höchsten Niederlage der zugegeben kurzen Klubgeschichte, durften die Leipziger am Morgen auf dem Gelände von Manchester City trainieren und in die Analyse einsteigen. Ergebnis: Ungeahnte Schwächen der hochgelobten Offensive und ein unerklärlicher Einbruch der Defensive waren die offensichtlichsten Defizite.

Der bislang so überzeugende Bundesliga-Spitzenreiter ging am Ende völlig unter, die erste Saison-Niederlage fiel deutlich aus. Mason Greenwood (21.), der überragende Marcus Rashford (74./78./90.+2) sowie Anthony Martial (87., Foulelfmeter) verwandelten Leipzigs Reise nach Old Trafford in ein Trauerspiel.

Von einer "Packung" und "Lehrgeld" sprach Trainer Julian Nagelsmann, der am Ende von den ständigen Nachfragen zu seinem auffälligen grau karierten Sakko genervter war als von der Niederlage seiner Mannschaft: "Ich bin Fußballtrainer und kein Model." Natürlich sah auch Nagelsmann genug Ansatz für Kritik. Das Ergebnis fühle sich "nicht gut" an, das Spiel im letzten Drittel sei "einfach nicht gut" gewesen, sagte der 33-Jährige und bemängelte "unsaubere" Aktionen und "viele Ballverluste". Ein Drama sei die Niederlage dennoch nicht gewesen. "Das passiert, es ist schon einigen Mannschaften passiert", sagte Nagelsmann: "Nach dem 0:2 haben wir das Verteidigen eingestellt. Das ist der einzige Vorwurf, den ich der Mannschaft mache."

Beim BVB stand die Defensive, lustloses Ballgeschiebe war das Problem. Umso erleichterter waren die Dortmunder nach dem 2:0 (0:0) gegen den hingebungsvoll mauernden russischen Meister Zenit St. Petersburg: Trainer Lucien Favre lachte in der Geisternacht und schlug mit Marco Reus die Fäuste aneinander, Michael Zorc ließ erleichtert Dampf ab. "Es war Druck auf dem Kessel", sagte der BVB-Sportdirektor: "Das wird nicht in die Fußballgeschichte eingehen, aber die drei Punkte nehmen wir gerne mit. Alles in Ordnung."

Welche Bedeutung dieser erste Champions-League-Erfolg nach dem missratenen Auftakt bei Lazio Rom (1:3) auf mehreren Ebenen hatte, war allen Beteiligten anzumerken - zuvorderst Favre, der an der Seitenlinie in seinem 100. BVB-Pflichtspiel ungewohnt emotional gebrüllt und mit den Armen gerudert hatte. Seine Rufe hallten gespenstisch durch das leere 80 000-Zuschauer-Stadion.

Favre flunkert

"Ich bin immer so. Sie müssen die Augen öffnen", sagte Favre später schelmisch grinsend - und im Wissen, dass dies nicht ganz richtig ist. Die Dortmunder wandeln seit Jahren stets am Rande einer Trainerdiskussion, da war dieser Sieg auch angesichts der finanziellen Bedeutung der Königsklasse in der Pandemie wohltuend: Ein Scheitern wäre in der vergleichsweise einfachen Gruppe F eine teure Blamage. Ohnehin kostet jedes Heimspiel ohne Zuschauer den BVB mehrere Millionen Euro.

Der Vater des späteren Dortmunder Stürmers Stephane Chapuisat hatte 1985 mit dem brutalsten Foul der Schweizer Fußballgeschichte Favres Spielerkarriere beendet. In einem zähen Geduldsspiel hätte der Borussia-Trainer seine Schuhe 35 Jahre danach am liebsten wieder geschnürt. "Wir müssen schneller spielen und intelligenter. Ich war selbst Mittelfeldspieler", sagte Favre: "Ich weiß, wie das ist."

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