Luca Waldschmidt

Ein Typ vom Schlage eines Fahrradkuriers

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Es ist jetzt ein Jahr her, dass Luca Waldschmidt es schaffte, sich in einem Länderspiel an vier Stellen zu verletzen. Von oben nach unten: Mittelgesichtsfraktur, Außenbandriss im Knie, Muskelfaserriss in der Wade, Anriss von Innen- und Syndesmoseband im Sprunggelenk. Er war gegen Belarus eingewechselt worden, er wollte sich empfehlen für die EM 2020 - der (Über-)Eifer mündete in einen Crash mit Torhüter Alexander Gutor. So endete für Waldschmidt das Jahr 2019, in dem er sich als bester Torschütze der U21-Europameisterschaft für die A-Nationalmannschaft positioniert hatte.

Es ist längst alles ausgeheilt - und Luca Waldschmidt (24) wieder im Rennen um einen der Plätze im nächsten Turnierkader. Wobei: Er ist da eher einer, den man übersieht. Der nach der WM 2018 angestrebte Umbruch hat als Offensivoptionen vor allem Timo Werner, Leroy Sané und Serge Gnabry in die erste Reihe befördert, sie stehen für schnelle Raumgewinne, für enorme Wendigkeit. Niklas Süle, der sie für gewöhnlich aus den hinteren Reihen beobachtet, nannte sie bereits vor zwei Jahren "unsere Mopeds". Luca Waldschmidt, der nicht bei einem der Großclubs wie die drei anderen, sondern nach Stationen bei der TSG Wieseck (Jugend) und Eintracht Frankfurt (Jugend und Senioren) in Freiburg spielte und in der Stadt des alternativen Lebensstils Abonnent einer wöchentlichen Gemüsekiste war, wird im Vergleich zu den motorisierten Kollegen als der Fahrradkurier wahrgenommen. Er steht nicht immer für die direkten Wege. "Mit ihm kann man kombinieren", sagt Jo-achim Löw, "er bewegt sich gut in den Zwischenräumen". Waldschmidts Bonus: "Er hat auch eine klasse Technik im Abschluss."

Waldschmidt ist zu Benfica Lissabon gewechselt, da spielt er zwar nicht Champions League wie die Moped-Gang mit FC Bayern (Sané, Gnabry) und FC Chelsea (Werner), aber Europa League. Löw: "Luca hat in Lissabon schnell Fuß gefasst, ist Stammspieler mit vier Toren in der Liga. Ich bin mit ihm seit September zufrieden."

Waldschmidt freut sich beim DFB-Team "über jede Spielzeit. Ich bin da, wenn man mich braucht". Er erzielte das Tor gegen Tschechien. Dabei kollidierte er mit Torwart Pavlenka. Stürmerrisiko. Diesmal blieb alles heil. Günter Klein

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