Schiedsrichter ist keine Luft mehr

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(dpa/sid). Der Videobeweis war das Gesprächsthema der Saison. Vor allem die Auslegung der Handspiel-Regel in der Fußball-Bundesliga sorgte bis zum letzten Spieltag für Unmut und stand heftig in der Kritik. Das International Football Association Board (IFAB) hat deshalb zum 1. Juni Regeländerungen beschlossen, die den Interpretationsspielraum für Schiedsrichter bei Handspielen verkleinern sollen. Die wichtigsten Änderungen, die aber heute im Champions-League-Finale noch nicht angewendet werden:

Hände weg!"Größere Klarheit ist nötig", schreibt das IFAB. Eine perfekte Zusammenfassung der Diskussion über den Videobeweis in der Bundesliga. Also: 1. Künftig darf kein Tor mehr mit der Hand/dem Arm erzielt werden, auch nicht unabsichtlich (gilt nur für die Offensive). Selbiges gilt für die Vorbereitung eines Tores oder einer Torchance: Es ist unabhängig von der Absicht abzupfeifen. 2. Die unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche wird in den Regeltext aufgenommen, bleibt aber im Ermessen des Schiedsrichters. Hält ein Spieler die Arme über Schulterhöhe, geht er ein "Risiko" ein und wird entsprechend bestraft - selbst bei einer Grätsche. 3. Wird der Ball unmittelbar vorher abgefälscht (auch vom betreffenden Spieler selbst), so dass keine ausreichende Reaktionszeit gegeben ist, ist ein Handspiel nicht zu bestrafen, es sei denn: siehe 1. oder 2. Nicht bestraft wird ein Spieler dafür, dass er sich im Fallen auf dem Boden abstützt.

Ruhe in der Mauer:Das Ende der Ellenbogengesellschaft: keine Rangeleien mehr, kein Auf-die-Füße-treten. Denn stellt die verteidigende Mannschaft eine Mauer aus drei oder mehr Spielern, muss fortan jeder Gegenspieler mindestens einen Meter Abstand halten. Bei Freistößen im eigenen Strafraum (oder Abstößen) ist der Ball nach Berührung sofort im Spiel, er muss nicht den Strafraum verlassen.

Ende einer Legende:"Der Schiedsrichter ist Luft" war einer der schönsten Sätze des Fußballs. Er gilt nicht mehr. Lenkt ein Referee den Ball derart ab, dass der Ballbesitz wechselt, ein "vielversprechender Angriff beginnt" oder gar der Ball im Tor liegt, wird mit Schiedsrichterball fortgesetzt.

Neuer Abstand:Schiedsrichter müssen neben 9,15 Metern jetzt auch vier Meter "in den Füßen haben". Denn der Schiedsrichterball in seiner altbekannten Form entfällt. Es erhält die Mannschaft den Ball, die ihn zuletzt berührt hatte (nicht innerhalb des Strafraums, dort erhält der Torhüter den Ball). Gegenspieler haben vier Meter Abstand zu halten.

Keine Wartezeit:Freistöße dürfen auch dann schnell ausgeführt werden, wenn der Schiedsrichter noch eine Gelbe oder Rote Karte zeigen will. Die Bestrafung kann er bei der nächsten Spielunterbrechung nachholen, um somit eine mögliche Torchance nicht zu verhindern.

Rot für den Masseur:Künftig werden auch Teamoffiziellen Karten gezeigt. Gelb als Verwarnung, Rot zum Beispiel, wenn ein Trainer den Innenraum verlassen muss. Interessant: Ist der Übeltäter nicht ausfindig zu machen, wird stattdessen jener "Senior official" bestraft, der sich in der Coaching-Zone aufhält. Ergo: der Trainer. Er hat für Ruhe unter seinen Untergebenen zu sorgen.

Runter! Sofort!Wer kennt das nicht? In der 94. Minute versteckt sich der Mittelfeldspieler bei 2:1-Führung an der gegnerischen Eckfahne, denn er weiß, dass er ausgewechselt werden soll. Es folgt ein gemächlicher Trab zur Mittellinie. Künftig gilt: Spieler haben das Feld an der nächstgelegenen Auslinie - das kann die Torlinie oder Seitenauslinie sein - zu verlassen. Die Folge: weniger Zeitspiel, zügigere Fortsetzung.

Einfüßiger Torwart:Der Torhüter muss beim Strafstoß künftig nur noch mit einem Fuß auf Höhe der Torlinie stehen, nicht mehr mit beiden Füßen.

Freie Auswahl:Bislang durfte der Gewinner des Münzwurfs die Seite auswählen, von der seine Mannschaft spielen wollte. Nun darf der Gewinner zwischen Seitenwahl und Anstoß wählen.

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