+

Der Tag der Schande

  • vonSID
    schließen

Kaum eine Liga im US-Sport hat sich seit dem Frühjahr 2020 so für einen Wandel in der Gesellschaft eingesetzt und Rassismus verurteilt wie die NBA. Vor allem die Basketballer reagierten nun geschockt auf den Sturm auf das Kapitol und waren besonders sauer über die Umstände.

Sportler in den USA haben entsetzt auf den Sturm von Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump auf das Kapitol in Washington reagiert und eine offensichtliche Ungleichbehandlung angeprangert. Im Gegensatz zur Absicherung der Regierungsgebäude im Sommer wegen der Demonstrationen unter dem Motto "Black lives Matter" habe er weder die Armee noch die Nationalgarde gesehen, sagte der Trainer der Philadelphia 76ers, Doc Rivers, vor dem Spiel gegen die Washington Wizards. "Das ist in vielerlei Hinsicht ein Beweis für ein privilegiertes Leben", sagte Rivers am Mittwoch (Ortszeit).

"Können Sie sich heute vorstellen, was passiert wäre, wenn das alles Schwarze gewesen wären, die das Kapitol gestürmt hätten?", fragte Rivers. "Keine Polizeihunde, die gegen Menschen eingesetzt wurden, keine Schlagstöcke, die Menschen treffen. Leute, die friedlich aus dem Kapitol eskortiert werden. Also zeigt das, dass man eine Menge auch friedlich auflösen kann."

Der Trainer der Orlando Magic, Steve Clifford, sagte: "Unser Land wird in der ganzen Welt ausgelacht. Angefangen damit, wie wir mit der Pandemie umgegangen sind, bis zu dem jetzt (...) es ist ein trauriger Tag für jeden."

Die Basketball-Profis der Boston Celtics um Nationalspieler Daniel Theis und von Vizemeister Miami Heat knieten beim Abspielen der Nationalhymne vor der Partie. Zuvor hatten die Teams ein gemeinsames Statement abgegeben, in dem sie nicht nur auf die chaotischen Ereignisse in Washington reagierten, sondern auch auf die Entscheidung der Staatsanwälte in Wisconsin am Dienstag, den weißen Polizisten nicht anzuklagen, der dem Schwarzen Jacob Blake in Kenosha im August mehrfach in den Rücken geschossen hatte. Der Familienvater überlebte, ist seitdem aber gelähmt.

"Wir spielen die heutige Partie mit einem schweren Herzen nach der gestrigen Entscheidung in Kenosha und im Wissen, dass die Demonstranten im US-Kapitol unterschiedlich von der politischen Führung behandelt werden, je nach dem welcher Seite sie angehören", hieß es in dem Statement.

"Der drastische Unterschied zwischen der Art und Weise wie Demonstranten im vergangenen Frühling und Sommer behandelt wurden und der Unterstützung, die Demonstranten bei der offensichtlich illegalen Kapitol-Stürmung erhielten, zeigt, wie viel mehr Arbeit vor uns liegt." Zuvor waren beide Mannschaften bis zwanzig Minuten vor dem Spielbeginn erst gar nicht zum Aufwärmen auf dem Court erschienen.

Die Spieler der Milwaukee Bucks und der Detroit Pistons gingen nach dem Sprungball auf ein Knie und wiederholten die Geste nach dem Wechsel des Ballbesitzes ein zweites Mal. Die Phoenix Suns und die Toronto Raptors hakten sich bei der Hymne in einem Kreis unter, vor dem Duell der Golden State Warriors mit den Los Angeles Clippers gingen die Teams ebenfalls auf ein Knie.

US-Fußballerin Megan Rapinoe und die Turnerin Simone Biles teilten mehrere Tweets, die das Verhalten der Sicherheitskräfte im Vergleich zu deren Umgang mit den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt kritisierten. Der Quarterback der Seattle Seahawks, Russell Wilson, appellierte, die USA "müssten als Nation zusammenkommen".

Der Angriff auf das Kapitol war erfolgt, nachdem der noch amtierende US-Präsident Donald Trump bei einem Auftritt vor seinen Anhängern dazu ermutigt hatte, zum Parlamentssitz zu marschieren - allerdings friedlich. Dort sollte der Kongress die Ergebnisse der Präsidentenwahl zertifizieren, bei der Trump dem Demokraten Joe Biden unterlegen war. "Der Mann, der Präsident war, hat dazu angestachelt. Der Mann ist ein Verbrecher", sagte Basketballstar Kyle Lowry.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare