Manuel Baum kann es nicht fassen - folgt am Sonntag in Augsburg das 27. Spiel ohne Sieg für die Schalker? FOTO: DPA
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Manuel Baum kann es nicht fassen - folgt am Sonntag in Augsburg das 27. Spiel ohne Sieg für die Schalker? FOTO: DPA

Ist Schalke noch zu retten?

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(sid). Vor der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte hat Manuel Baum alle Kontakte eingefroren. "Weil der Job hier grad so wichtig ist", sagte der Trainer des Krisenklubs Schalke 04 vor der Reise nach Augsburg. Es sei am besten, riet er auch seinen Spielern, "wenn man eine Autogrammkarte zu Hause hinstellt und sagt: Bis Weihnachten schaut euch dieses Bild an!" Bis dahin solle man "gedanklich und physisch alles für den Verein geben".

Seine Familie daheim in Bayern hat Baum seit seinem Amtsantritt Ende September erst dreimal besucht. Zeit für nostalgische Gedanken hat er rund um das wegweisende Spiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) bei seinem Ex-Klub FC Augsburg ebenso wenig wie für nette Gespräche mit alten Weggefährten. "Ich verbinde mit Augsburg sehr viele schöne Momente, aber die liegen in der Vergangenheit", betonte Baum.

Die Gegenwart ist alles andere als schön: Schalke steckt so tief im Abstiegskampf wie seit Ende der 80er nicht mehr. Die Horrorserie von mittlerweile 26 Spielen ohne Sieg nähert sich dem Rekord von Tasmania Berlin (31), und im Verein brodelt es an allen Ecken und Enden.

Eine Reminiszenz an seine Augsburger Zeit erlaubte sich der 41-Jährige aber doch. "Gemeinsam - dieses Wort zieht sich durch den ganzen Verein", sagte er ein wenig schwärmerisch. Bei seinem neuen Arbeitgeber ist es eher ein Fremdwort, wie zuletzt die harsche Kritik vieler Fans an Marketingvorstand Alexander Jobst und die Reaktion der Vereinsführung ("Eine Grenze überschritten") belegten.

Auch die zusammengekaufte Mannschaft tut sich mit dem Begriff schwer, wie die Suspendierungen der "Ego-Shooter" Amine Harit und Nabil Bentaleb vor zwei Wochen bewiesen. Harit ist mittlerweile begnadigt und soll mit seinen fußballerischen Fähigkeiten möglichst sofort helfen, damit endlich der erste Bundesligasieg seit dem 17. Januar gelingt. Er habe eine "zweite Chance" verdient, meinte Baum, überging dabei aber geflissentlich, dass der egozentrische Marokkaner in dreieinhalb Jahren in Gelsenkirchen schon mehrere zweite Chancen erhalten hat.

Die schnelle Begnadigung nach der "Denkpause" sei keine Rolle rückwärts, sondern "total konsequent", meinte der frühere Lehrer, die "erzieherische Maßnahme" habe gewirkt. Neben Harit plant Baum auch mit der Rückkehr von Torhüter Ralf Fährmann und Abwehrchef Salif Sane, die wegen Knieverletzungen gefehlt hatten.

Der extreme personelle Engpass der letzten Wochen endet gerade rechtzeitig. Denn vor Weihnachten entscheidet sich, ob Schalke noch eine Trendwende schaffen kann. Sollte auch in Augsburg sowie in den folgenden Heimspielen gegen die direkten Konkurrenten SC Freiburg und Arminia Bielefeld immer noch kein Sieg gelingen, droht ein Weihnachtsfest ohne jegliche Hoffnung. Egal, ob mit oder ohne Autogrammkarten.

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