Der Franzose Julian Alaphilippe holt sich in Imola den WM-Titel im Straßenrennen. FOTO: AFP
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Der Franzose Julian Alaphilippe holt sich in Imola den WM-Titel im Straßenrennen. FOTO: AFP

Schachmann fehlen Nuancen

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(sid). Maximilian Schachmanns verdrecktes Gesicht stand sinnbildlich für die Strapazen des Tages, als er sich in der Boxengasse im Autodromo in Imola nach fast 260 km geschafft auf einem Geländer abstützte. Bis zum letzten Anstieg hatte der Berliner in einem brutalen WM-Straßenrennen rund um die berühmte Formel-1-Strecke mit der Weltelite um das begehrte Regenbogentrikot gekämpft, am Ende fehlten als Neunter beim Triumph des Franzosen Julian Alaphilippe am Schlussanstieg Nuancen.

"Ich ärgere mich. Mir haben einfach am Ende über den Berg zehn Meter gefehlt. Und bei dem Seitenwind konnte ich es nicht mehr alleine von hinten zufahren", sagte Schachmann, der im Finale mehr auf seine Mitverfolger um Tour-"Vize" Primoz Roglic, Alejandro Valverde, Michael Matthews und Co. gesetzt hatte. "Irgendwie ist dann allen die Luft ausgegangen, und dann sind wir nicht mehr rangekommen."

Trotz seiner verpassten Medaille im Abschlussrennen der Titelkämpfe in Imola, die den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) erstmals seit der Wiedervereinigung ohne WM-Edelmetall nach Hause fahren lässt, war Schachmann nicht unzufrieden. "Die Mannschaft hat einen tollen Job gemacht, ich konnte viel Energie sparen am Anfang. Das ist super gelaufen", lobte der 26-Jährige.

Vor den Augen von IOC-Präsident Thomas Bach gewann wie schon am Freitag im Einzelzeitfahren Wout van Aert (Belgien) Silber, der Schweizer Marc Hirschi holte Bronze. Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar verzockte sich und landete auf Rang 33 - Titelverteidiger Mads Pedersen aus Dänemark war gar nicht erst nach Italien gereist.

Bei leicht kühleren Temperaturen als an den Vortagen blieb der vorhergesagte Regen rund um das Autodromo Enzo e Dino Ferrari aus. Im Hauptfeld konzentrierte sich das deutsche Team, bis auf den am Anfang ausgerissenen Jonas Koch (Schwäbisch Hall), voll auf Kapitän Schachmann. 40 km vor dem Ziel versuchte es dann Pogacar, der wegen eines Defekts zuvor noch das Rad gewechselt hatte: Der jüngste Tour-Sieger seit 116 Jahren stieg am Cima Galisterna, dem zweiten Anstieg jeder Runde, aus dem Sattel, wurde 22 km vor dem Ende jedoch wieder eingeholt. In einer hektischen Schlussphase war Schachmann auf sich alleine gestellt. Am Galisterna fehlten Schachmann dann die entscheidenden Meter und Mitfahrer, als Alaphilippe zu seiner Soloshow aufbrach.

Brennerauers Traum platzt

Am Samstag war bereits Lisa Brennauers (Durach) Traum vom Regenbogentrikot nach einem gescheiterten Ausreißversuch geplatzt, stattdessen krönte sich Olympiasiegerin Anna van der Breggen zur Königin von Imola. 48 Stunden nach dem Triumph im Einzelzeitfahren feierte die Niederländerin im Straßenrennen das seltene WM-Double. Brennauer erreichte das Ziel am Ende auf Platz neun, Nachwuchshoffnung Liane Lippert (Friedrichshafen) erkämpfte sich einen starken fünften Rang.

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