1. Gießener Allgemeine
  2. Sport
  3. Sport-Mix

Runde für Runde gegen den Rost

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

imago1010679553h_190322_4c
Alles neu: Nico Hülkenberg steuert am Auftakt-Wochenende in Bahrain den Aston Martin von Sebastian Vettel über die Strecke. © Imago Sportfotodienst GmbH

Eigentlich ist Nico Hülkenberg seit gut zwei Jahren raus aus der Formel 1, in Bahrain gibt er aber schon wieder ein Kurz-Comeback - sein bislang wohl schwierigstes.

Nico Hülkenberg hatte nicht viel Zeit. Eine Nacht im Flugzeug, ein Vormittag in der Garage, das erste Training stand kurz bevor - und dann sollte er sich auch noch hinsetzen und über all das sprechen? »Es wird eine Weile dauern, bis ich den Rost abgeschüttelt habe, ich war ja ein paar Tage raus«, sagte Hülkenberg am Freitag grinsend, »aber wieder in einem der schnellsten Autos der Welt zu sitzen - darauf freue ich mich.«

Der Mann für alle Fälle ist zurück in der Formel 1, mal wieder, zum Saisonauftakt in Bahrain (Sonntag, 16 Uhr MEZ/Sky) ersetzt er Sebastian Vettel. Dessen positiver CoronaTest hatte das Aston-Martin-Team am Donnerstag aufgeschreckt, schon morgens klingelte man also den Ersatzpiloten »aus dem Bett«, wie Hülkenberg erzählte.

Er hat ja schließlich Erfahrungen als Last-Minute-Retter in Corona-Zeiten, mittlerweile kursiert in der Formel 1 sogar schon ein Wort dafür: Hulkenback. 2020, als das Team noch Racing Point hieß, war er bereits dreimal eingesprungen, zuletzt damals im Oktober am Nürburgring. Wie viel Zeit er seitdem in einem Rennwagen verbracht habe, wurde er am Freitag noch gefragt. »Zero«, sagte Hülkenberg, gar keine. Seit dem kalten Wochenende in der Eifel vor fast anderthalb Jahren sei er »nur im Simulator« gefahren. Das allerdings ist nicht der einzige Grund, warum Hülkenbergs viertes Kurz-Comeback sein wohl schwierigstes ist.

Im Jahr 2020 »kannte ich die Autos, aber dieses Mal ist es ein komplett weißes Blatt Papier«, sagte er, denn schließlich greift gerade die größte Regelnovelle der Formel 1 seit Jahrzehnten: Die Autos sind völlig neu, die Aerodynamik funktioniert anders, die Reifen sind größer, der ganze Bolide schwerer: »Ich muss es fühlen, ich muss schnell lernen, aber einfach wird das nicht.«

Noch auf der Reise nach Bahrain habe er mit Vettel telefoniert, sagte Hülkenberg, der Ex-Weltmeister habe ihm »noch ein bisschen was über das Auto gesagt«. Erarbeiten muss er es sich nun aber selbst. Nur insgesamt drei Stunden im freien Training stehen zur Verfügung. Das komplexe Auto im Qualifying dann an die Grenzen zu bringen, ist mit dieser Vorbereitung kaum möglich - und bei Aston Martin hat man die Zeitenjagd fast schon abgeschrieben. »Auf dieser Strecke kann man gut überholen«, sagte Aston Martins Performance-Direktor Tom McCullough, »es wird also von Beginn an darum gehen, ihn in die Lage zu versetzen, mit unserem Auto ein Rennen zu fahren.« Hülkenbergs Ansatz? »Ich werde es einfach Runde für Runde angehen.«

Als amtierender Weltmeister setzte Max Verstappen unterdessen die erste verbale Spitze vor dem Kräftemessen mit Lewis Hamilton. »Sie werden ganz hinten sein. Ihren Kommentaren nach haben sie ein schreckliches Auto, denke ich. Und das schon seit 2017«, bemerkte der Red-Bull-Champion mit beißender Ironie. Hamilton entgegnete: Um Siege würden die Silberpfeile erst mal nicht mitfahren. Das sei auch kein Bluff und kein Psychospiel. Aber er wird kämpfen. Der im Final-Thriller von Abu Dhabi entthronte siebenmalige Weltmeister ist bereit für den nächsten Zweikampf um die WM-Krone. »Ich werde ein aggressiverer Fahrer in diesem Jahr sein, ihr werdet sehen«, versicherte Hamilton mit einem vielsagenden Lächeln im Gesicht.

Auch interessant

Kommentare