imago1002645694h_180521_4c
+
Seine Zeit beim DFB ist abgelaufen: Präsident Fritz Keller ist am Montag zurückgetreten.

Rücktritt und Rundumschlag

  • VonSID
    schließen

Fritz Keller ist am Montag offiziell als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Das änderte nichts an der Krise des Verbandes. Wer Kellers Nachfolge antreten wird, ist völlig offen.

Am Ende stand ein Satz, den der gescheiterte Präsident bei seinem Blick zurück im Zorn zuvor selbst widerlegt hatte. »Es war mir eine Ehre, dem Fußball nach besten Kräften zu dienen«, schloss Fritz Keller seinen schriftlichen Abschied vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Dass es dem 64-Jährigen wirklich eine Ehre war, darf nach dem vor Frust triefenden Rundumschlag Kellers gegen seine Widersacher am Tag seines Rücktritts stark bezweifelt werden.

Keller, der mit seinem Abgang die Konsequenz aus dem von ihm verursachten Nazi-Eklat zog, prangerte am Montag mit über 800 Wörtern eine »desolate Führungssituation« an. »Mein Fehlverhalten erfolgte in einem für den DFB beschämenden Umfeld«, schrieb Keller: »Mein Rücktritt wird die Probleme innerhalb des DFB und des Fußballsports allerdings nicht lösen.« Der Ex-Boss forderte deshalb eine »personelle Erneuerung der Spitze« - und bezog sich damit auf seine internen Gegner.

»Der DFB muss sich verändern. Er muss seine Glaubwürdigkeit, das Vertrauen in seine Integrität und Leistungsstärke zurückgewinnen«, betonte Keller. Laut Keller hatte das Ganze »mit ordnungsgemäßer Verbandsführung nichts zu tun«. Er sei »in jeder Phase« der Umsetzung seiner Grundsätze »innerhalb des DFB auf Widerstände und Mauern« gestoßen.

Nach dem Aus für Keller sollen die beiden ersten Vizepräsidenten Rainer Koch (Amateure) und Peter Peters (Profis) den krisengeplagten Verband bis zu einem vorgezogenen Bundestag zu Beginn 2022 interimsmäßig führen. Wer neuer DFB-Boss werden soll, ist offen. Von der neuen Führung verlangt Keller »die Aufklärung aller möglichen Unregelmäßigkeiten und Verfehlungen« durch »externe« Spezialisten. Kellers Amtszeit war geprägt von einem anhaltenden Machtkampf in der heillos zerstrittenen Führung. Dazukamen Ermittlungen der Justiz gegen Verbandsfunktionäre und die Probleme als Folge der Corona-Pandemie. Am Ende war Keller nicht mehr tragbar, weil er seinen Stellvertreter Koch in einer Sitzung mit dem berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hatte. Aus diesem Grund musste sich Keller als erster DFB-Präsident vor dem verbandsinternen Sportgericht verantworten. Ein Urteil wird für die kommenden Tage erwartet.

Neben Keller soll auch Generalsekretär Friedrich Curtius den DFB verlassen. Schatzmeister Stephan Osnabrügge will nur noch bis zum Bundestag im Amt bleiben. Auch Koch wird dann sein Amt zur Verfügung stellen, der umstrittene Funktionär will aber wohl im Präsidium bleiben. Für Keller steht es außer Frage, dass Curtius, Osnabrügge und Koch gehen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare