Hier wehren Herthas Torwart Rune Jarstein und Jordan Torunarigha (r.) einen Angriff des Frankfurters Andre Silva ab, dennoch kommt der Eintracht-Stürmer am Ende beim 3:1-Heimsieg auf zwei weitere Tore und erhöht sein Trefferkonto auf 14.		FOTO: DPA
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Hier wehren Herthas Torwart Rune Jarstein und Jordan Torunarigha (r.) einen Angriff des Frankfurters Andre Silva ab, dennoch kommt der Eintracht-Stürmer am Ende beim 3:1-Heimsieg auf zwei weitere Tore und erhöht sein Trefferkonto auf 14. FOTO: DPA

Rückstand? Kein Problem!

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Die Eintracht im Stile einer Spitzenmannschaft. Nach einem Rückstand reicht ihr nicht das Remis, der Sieg muss her. Wie am Samstag beim 3:1 der Frankfurter über die Berliner Hertha.

Zuweilen genügt eine kurze Affirmation, ein Wort nur, um eine Frage so zu beantworten, dass keine Fragen mehr offen bleiben. Nach dem 3:1 (0:0)-Erfolg der Eintracht gegen Hertha BSC wollte also ein Reporter den Frankfurter Trainer ein bisschen aus der Reserve locken und kam lächelnd mit einer Suggestivfrage um die Ecke. Das hörte sich ziemlich genau so an: »Herr Hütter, würden Sie unterschreiben, dass dieser Sieg im Stile einer Spitzenmannschaft eingefahren wurde?« Adi Hütter musste nicht lange überlegen und antwortete mit einem ebenso einfachen wie deutlichen: »Ja!« Ende der Durchsage.

Nach ein paar Sekunden Schweigen und leichtem Nachhaken ließ sich der Fußballlehrer zu einer leicht präzisierten Fassung der Kurzform hinreißen: »Aktuell sind wir eine Spitzenmannschaft, mitunter die stärkste Mannschaft«, sagte der 50-Jährige, und es sollte weder anmaßend klingend noch so gemeint sein. Doch wer auf eine Serie von acht Partien ohne Niederlage zurückblickt und davon sechsmal als Sieger das Feld verließ, der muss auch nicht in künstliches Understatement verfallen. »Das ist schon ein Ausrufezeichen.« Eintracht Frankfurt reitet weiter auf der Welle des Erfolges, Grenzen scheinen momentan wirklich nicht gegeben oder sie werden aufgeweicht. Sie hat in den zurückliegenden acht Begegnungen immer mindestens zwei Tore erzielt, mittlerweile schon 38 insgesamt - nur die Bayern sind noch besser (57). Und bisher musste sie erst zweimal geschlagen vom Platz, einmal in München, das andere Mal in Wolfsburg. »Das ist eine Ansage«, findet Torwächter Kevin Trapp.

Der Höhenflug ist kein Zufall. Die Eintracht gewinnt ihre Spiele nicht irgendwie, sondern mit einem klaren Plan und wiederkehrenden Mustern. Die fußballerische Klasse gibt den Ausschlag, die Ballsicherheit, die Schärfe der Pässe, das technische Vermögen und die Kombinationsgabe. Das paart sich mit Mentalität, Kampfeslust und Hartnäckigkeit sowie dem Glauben daran, es zu können und es immer wieder zu versuchen. »Wir strotzen vor Selbstvertrauen«, bekundet der Trainer. Nur so ist diese auf Leichtigkeit und Finesse ausgelegte Spielweise möglich, Zweifel oder Ängste führen zu Verkrampfungen. Doch wo sollten die derzeit herkommen?

Hütter ist nicht mehr gewillt, von diesem Pfad abzuweichen und wieder mehr Arbeiter einzubauen, im Gegenteil: Gegen die Hertha beorderte er den stets offensiv denkenden Aymen Barkok anstelle des defensiv agierenden Almamy Touré für den leicht am Knie verletzten Erik Durm (Ausfallzeit zwei bis drei Wochen) in die Anfangself. Ein klares Zeichen und Ausdruck eines neuen Selbstgefühls. »

Die Begegnung gegen durchaus wehrhafte und unangenehme Berliner verdeutlichte sehr anschaulich die Entwicklung von einem Mittelklasseteam hin zu einer Spitzenmannschaft, sie steht exemplarisch für den erworbenen Status.

Denn die Hertha war keineswegs leicht zu knacken, sie rackerte - mit neuem, altem Trainer an der Seitenlinie - leidenschaftlich, spielte hart und früh auf Zeit, versuchte, der Eintracht die Lust zu nehmen und den Rhythmus auszutreiben. Im zweiten Abschnitt wurden die Herthaner gar mutiger, weshalb das Spiel, wie Hütter analysiert, zeitweise »auf des Messers Schneide stand«. Doch genau da zeigte sich die aktuelle Entwicklung der Eintracht, denn sie verlor nicht den Faden, sondern blieb beharrlich, spielte souverän und unbeirrt weiter, immer in dem Wissen um die eigenen Stärke.

Selbst das 0:1 durch Krzysztof Piatek (66.) warf die Frankfurter nicht aus der Bahn, was auch daran lag, dass Torgarant André Silva nach feiner Flanke von Filip Kostic postwendend den Ausgleich erzielte (67.). »Der Knackpunkt«, findet Hütter, der nachvollziehbarerweise glaubt, dass sein Team dieses Spiel im Herbst noch mit 1:1 beendet hätte.

»Weil wir nicht mehr 100 Prozent daran geglaubt hätten, gewinnen zu können. Jetzt aber haben wir die Ruhe und Souveränität und wissen, dass wir es können.« So kam es denn auch, Martin Hinteregger (84.) und Silva in der Nachspielzeit mit seinem 16. Saisontor, einem eiskalt verwandelten Strafstoß, stellten den sechsten Sieg im siebten Spiel sicher. Kurs Königsklasse.

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