Fußball-Bundesliga

In Rückrunde weiter ungeschlagen Düsseldorf distanziert Stuttgart Bremen krönt »emotionale Woche« mit 4:0-Sieg

Der Gastauftritt von Eintracht Frankfurt bei RB Leipzig mündete in einem kaum anzusehenden Fußballspiel. Mit dem torlosen Remis können die Hessen nach dem zuletzt harten Programm aber leben. Die Eintracht blickt nun auf den Donnerstag und Donezk.

Wenn Bullen und Büffel sich in der Bundesliga bekämpfen, bleibt der Fußball ein wenig auf der Strecke. Zumindest glich das Heimspiel von RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt mit der »Drei-Mann-Büffelherde« Ante Rebic, Sebastian Haller und Luka Jovic fast einem Tennisspiel: Der Ball flog ständig hin und her. Vor allem die Frankfurter übertrieben es mit dem Pokalfinal-Motto ihres Ex-Spielers Kevin-Prince Boateng (»Bruder, schlag den Ball lang!«).

»Es war die ganze Zeit nur Stress, nur Druck, nur Pressing oder Unterbrechungen wegen eines Fouls«, sagte Frankfurts Defensivspieler Danny da Costa nach dem hart erkämpften 0:0 im Duell um die Champions-League-Plätze. Torhüter Kevin Trapp gab zu, dass die vielen langen Bälle zum Frankfurter Matchplan gehörten: »Wir haben das von Anfang an so gewollt. Es ist kein schönes Spiel, aber es hätte effektiv sein können. Es war ein Mittel, ob es das beste war, weiß ich nicht.«

Eintracht-Trainer Adi Hütter, der bei Red Bull Salzburg mit RB-Coach Ralf Rangnick zusammengearbeitet hatte, verteidigte seine Marschroute. »Wir wollten die erste Pressinglinie überspielen, man muss auch immer die Stärke des Gegners sehen«, sagte der Österreicher: »Man kann auch glauben, dass man Leipzig ausspielen kann. Aber dann muss man sich die Ergebnisse anschauen.«

Mit dem Remis konnten die Gäste aus Hessen sehr gut leben, weil Leipzig in der zweiten Halbzeit mehr um Spielkontrolle bemüht war und so zu zahlreichen Chancen kam. Doch Willi Orbans Hackenschuss wurde von Gelson Fernandes von der Linie gekratzt (61.), Timo Werners Kopfball verfehlte nur knapp das Tor (61.), und Marcel Sabitzers Fernschuss landete am Pfosten (67.).

Wegen der vielen Chancen in der zweiten Halbzeit fühlte sich das Ergebnis für Rangnick »mau« an, mit der Leistung und vor allem mit der körperlichen Präsenz seiner Spieler drei Tage nach dem Pokal-Achtelfinalsieg gegen den VfL Wolfsburg (1:0) war der RB-Trainer aber »sehr zufrieden«.

Körperlichkeit war auch gefragt, denn die Frankfurter warfen sich in jeden Zweikampf – auch auf Kosten der eigenen Torgefahr. Das gefürchtete Sturm-Trio Rebic, Haller und Jovic, das 32 der 40 Frankfurter Saisontreffer erzielte, kam diesmal kaum zur Entfaltung.

»Es ging extrem darum, den zweiten Ball zu sichern«, sagte da Costa: »Das sah phasenweise auf beiden Seiten nicht nach einem geregelten Spielaufbau aus.« Auch Hütter gab zu, dass er spielerisch überhaupt nicht zufrieden sei, aber: »Wir haben 0:0 gespielt, deswegen haben wir sicher auch vieles richtig gemacht.«

Die Eintracht bleibt in diesem Jahr trotz starker Gegner ungeschlagen und tankte vor den schweren Spielen in der Zwischenrunde der Europa League bei Schachtjor Donezk (Donnerstag) und in der Liga gegen Borussia Mönchengladbach (Sonntag) Selbstvertrauen. Danach kommen für die Eintracht in der Bundesliga auch wieder Gegner, die zumindest vom Papier her leichter zu schlagen sind. In dieser Phase holten die Hessen in der Hinserie aus sieben Partien 19 Punkte – das ist die Messlatte.

Der VfB Stuttgart und sein Trainer Markus Weinzierl rutschen in der Fußball-Bundesliga immer tiefer in die Krise. Der Tabellen-16. verlor zum Abschluss des 21. Spieltages am Sonntagabend nach einer schwachen Vorstellung 0:3 (0:1) bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und wartet nun bereits seit sechs Spielen auf einen Sieg.

Angesichts der miserablen Bilanz von nur drei Siegen, einem Unentschieden und zehn Niederlagen unter Weinzierl richtet sich der Fokus auf den Trainer, der nach dem siebten Spieltag das Amt von Tayfun Korkut übernommen hatte. Der Rückstand des VfB, der auf dem Relegationsrang steht, auf den 15. Augsburg beträgt weiter drei Punkte, der auf den vermeintlichen Konkurrenten im Abstiegskampf aus Düsseldorf bereits zehn.

Für Weinzierls Kollegen Friedhelm Funkel war es in dessen 800. Spiel als aktiver Profi und Trainer ein weiteres Erfolgserlebnis, das Kenan Karaman (34. Minute), Oliver Fink (49.) und der eingewechselte Benito Raman (85.) mit ihren Toren sicherten. Der Stuttgarter Nicolas Gonzalez sah wegen einer Tätlichkeit in der Nachspielzeit die Rote Karte.

Der Unterschied zwischen beiden Teams wurde vor 40 211 Zuschauern schnell deutlich. Düsseldorf trat angesichts der 13 Punkte aus den sechs Spielen zuvor selbstbewusst auf, verteidigte aggressiv und gab den Ton an. Die Gäste, die auf den gesperrten Mario Gomez, auf Timo Baumgartl (leichte Gehirnerschütterung) und Dennis Aogo (Wadenprobleme) verzichten mussten, taten sich schwer und brachten kaum fließende Aktionen zusammen.

Die Flanke von Düsseldorfs Dodi Lukebakios fand den Kopf von Kenan Karaman, der die verdiente Führung erzielte. 10:4 Torschüsse lautete die Bilanz zugunsten der Gastgeber, die durch Oliver Finks Schuss aus 18 Metern ins rechte obere Eck das 2:0 erzielten. Die endgültige Entscheidung besorgte Benito Raman in der 85. Minute.

Zum Ende einer erfolgreichen Woche für Werder Bremen knallten Feuerwerks-Raketen in den Himmel. Den 120. Club-Geburtstag krönten die Hanseaten mit dem 4:0 (3:0) gegen den bemitleidenswerten FC Augsburg – dem höchsten Sieg in dieser Saison bislang. »Das war eine emotionale Woche für den gesamten Verein«, sagte Trainer Florian Kohfeldt und fühlte einfach nur eine »Gänsehaut«. Mit dem furiosen Sieg am Sonntag setzten die Bremer fünf Tage nach dem dramatischen Pokal-Erfolg bei Borussia Dortmund in der Bundesliga noch einmal einen drauf und verkürzten den Abstand auf die angepeilten Europapokalränge auf drei Punkte nach 21 Spielen.

»Wir haben uns genau das auch mal gewünscht. Das war schon eine Befreiung«, sagte Johannes Eggestein, Torschütze zum 2:0 (27. Minute), zur Höhe des Erfolges. Gerade gegen schwächere Teams hatten sich die Bremer zuletzt immer schwer getan und sich vor allem wenig effektiv gezeigt – etwa beim 1:1 am vergangenen Wochenende beim Tabellenletzten 1. FC Nürnberg. Ganz anders der Auftritt am Sonntag. »Die haben in der ersten Halbzeit vier Mal aufs Tor geschossen und drei waren drin«, stöhnte Augsburgs Coach Manuel Baum.

Vor allem den quirligen Milot Rashica bekam sein behäbiges Innenverteidiger-Duo Rani Khedira und Reece Oxford nicht in den Griff. »Nachdem wir die Aufstellung gesehen haben, haben wir die Konter mit Rashica schon als Element für uns gesehen«, sagte Kohfeldt anschließend. Bereits nach fünf Minuten ging das auf. Der schnelle 22 Jahre alte Kosovare lief auf und davon, schlug einen Haken gegen Khedira und vollendete zur frühen Führung. Eine Minute nach Eggesteins 2:0 ließ Rashica dann die West-Ham-Leighabe Oxford ins Leere laufen und schlenzte sehenswert zum dritten Tor ins Netz.

Nur wenige Minuten später musste der Sieggarant dann mit Rückenproblemen vom Feld. Einem Einsatz am Samstag beim direkten Konkurrenten Hertha BSC sollte nichts im Wege stehen. »Hätte er länger spielen können, hätte er wohl noch das ein oder andere Tor gemacht«, mutmaßte der für Rashica eingewechselte Kevin Möhwald. Den Endstand besorgte Möhwald dann selbst (83.) vor 40 138 begeisterten Zuschauern.

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