Rückkehr nach Berlin

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Gina Lückenkemper war mit Silber und Bronze einer der großen Stars der Heim-EM in Berlin im vergangenen August. Am Freitag startet die deutsche Sprint-Hoffnung beim Hallen-ISTAF ins neue Jahr.

Bei der Heim-EM in Berlin war Gina Lückenkemper mit Silber und Bronze einer der Stars, doch Deutschlands Top-Sprinterin kennt auch die Schattenseiten des Sportlerlebens. Unsichere Zukunftsplanungen und großer Erwartungsdruck: Vor ihrem Start ins WM-Jahr beim Hallen-ISTAF in Berlin am Freitag gab die 22-Jährige einen offenen Einblick hinter die Kulissen.

"Natürlich wollten wir vor heimischer Kulisse performen, aber es ist natürlich nicht so einfach, mit solchen Erwartungshaltungen umzugehen. Ich glaube, ich habe noch lange nicht ausgelernt, was solche Dinge betrifft. Da werde ich auch noch ein paar Jahre brauchen", sagte sie: "Mental bin ich schon relativ stark, kann Wettkampf- und Reisestress schon ganz gut wegstecken. Aber nach wie vor habe ich während der Saison mal einen mentalen Breakdown. Da fühle ich mich total ausgelaugt und mir ist einfach nur noch zum Heulen zumute, obwohl es dafür keinen wirklichen Anlass gibt."

Lückenkemper berichtete vom vergangenen Jahr. "Da bin ich mit einer Saisonbestleistung von einem Wettkampf gekommen. Meine Heimreise verlief wie am Schnürchen. Und ich habe aber dann drei Tage Zuhause gesessen und ständig geweint – und ich wusste nicht, warum?" Helfen würden ihr dann Gespräche mit der Familie und nahestehenden Personen. "Mir tut es gut, auch in der Öffentlichkeit darüber zu reden und es nicht totzuschweigen. Früher habe ich das Ganze in mich reingefressen, das hat mich verunsichert", sagte sie. Leistungssport sei, so führte sie aus, eben nicht nur Training und Wettkampf. Dazu gehöre noch mehr – auch Büroarbeit und Studium: "Das geht an die Substanz." 2018 lief sie sich bei der Heim-EM in die Herzen der deutschen Fans, begeisterte nicht nur mit ihrer Leistung, sondern auch mit ihrer offenen Art. Doch vor allem die mentalen Anforderungen an Sportler würden häufig unterschätzt.

Offen ließ sie deshalb, ob sie nach dem Heimspiel in der deutschen Hauptstadt weitere Hallenstarts anpeilt: "Ich möchte mich nicht für eine Hallensaison stressen müssen. Diese Freiheit wollte ich mir nehmen, um mich nicht zu überfordern." Großes Ziel ist ohnehin die WM in Doha/Katar (27. September bis 6. Oktober) – auch wenn die noch weit weg ist. "Erstmal verletzungsfrei bleiben, dann kann man über alles reden."

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