Risse und Schrammen

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Es war Januar, zwar ein bisschen kalt, aber nicht mal sonderlich für einen Wintertag, es war Januar also, Sonntag, der 26., als Axel Hellmann am Riederwald ohne übertriebenes Pathos neue Rekordergebnisse für Eintracht Frankfurt in Aussicht stellte. Die ausgegliederte Fußball-AG, führte das Vorstandsmitglied aus, werde auf einen niemals zuvor dagewesenen Umsatz von 280 bis 300 Millionen zusteuern. Wachstum nach oben offen. "Das ist eine irre Entwicklung", sagte der 48-Jährige. Der hessische Bundesligist führe damit das Feld hinter der Spitzengruppe an. Nicht schlecht für einen Verein, der vor gut dreieinhalb Jahren noch quasi darum bettelte, in das Unterhaus zwangsversetzt zu werden.

Das waren Worte, die Axel Hellmann so heute nicht mehr formulieren würde und auch nicht mehr könnte. Denn in Zeiten der Krise, da ja nichts mehr so ist, wie es einmal war, schnurrt nicht nur das Leben an sich auf Normalmaß herunter, sondern erst recht die Wirtschaft, sie bricht sogar ein. Und damit auch die Umsätze der Fußball-Bundesligisten.

Das ständige Höher-Schneller-Weiter-Prinzip wird sich in der kommenden Saison ganz sicher nicht durchhalten können, zu groß sind die Einbußen, die die Klubs zu verkraften haben werden, da geht es um mehr als 700 Millionen Euro. Für einige Klubs, auch Erstligisten, ist das existenzbedrohend. Für Eintracht Frankfurt nicht. Denn der Verein gehört von den Kennzahlen her klar in die Top Ten der Liga. Natürlich wird diese Krise auch die Eintracht in erheblichem Maße treffen, aber sie wird sie überstehen - zwar mit Rissen und Schrammen im Fundament, aber ohne Einsturzgefahr.

Eigenkapital noch nicht angetastet

In den letzten Jahren ist sehr profitabel gearbeitet worden, der Verein hat sich ein dickes Polster zugelegt, der es ihm ermöglicht, auch eine Talsohle zu durchschreiten. Die zurückliegenden Spielzeiten waren allesamt Erfolgsgeschichten, die sich finanziell positiv bemerkbar machen. Zudem ist die sogenannte Büffelherde (Sebastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic) für mehr als 100 Millionen verkauft worden, und auch wenn in nicht unerheblichem Maße reinvestiert wurde, so blieb dennoch etwas hängen. Nie zuvor hat die Eintracht mehr umgesetzt und eingenommen. Das Eigenkapital beträgt 35 Millionen Euro. Und ist bisher nicht angetastet worden.

Millionenschwere Investitionen wie die in den Profi-Campus oder den Stadionausbau sind zudem keine kurzfristigen Projekte, sondern auf lange Sicht angelegt. Das wird dem Verein zugutekommen. Und: Die Eintracht pflegt einen engen und vertrauensvollen Kontakt zu ihren potenten Sponsoren. Das ist gerade in Krisenzeiten das höchste Gut überhaupt. Ingo Durstewitz

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