Die richtige Balance finden

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Die Aufgabe ist gewaltig: Eintracht Frankfurt muss am Donnerstag im Viertelfinale der Europa Leage gegen Benfica Lissabon einen 2:4-Rückstand aufholen. Für Trainer Adi Hütter geht es darum, ein gesundes Maß zwischen Attacke und Absicherung zu finden.

Füße hochlegen und die Sonne genießen, einfach mal nicht an Fußball, nicht an Eintracht Frankfurt und den bevorstehenden Höhepunkt am Donnerstag (21 Uhr/RTL) gegen Benfica Lissabon denken – das oder zumindest so etwas in der Art wird Adi Hütter seinen Spielern gewiss geraten haben, als er ihnen in dieser prickelnden Europapokal-Woche einen freien Dienstag spendierte. Des Trainers Motto: Abschalten für den großen Abend, ausruhen für Höchstleistungen.

Die Beteiligten geben sich vor dem Showdown im Frankfurter Stadion, das mit 48 000 Zuschauern natürlich ausverkauft sein wird, zuversichtlich. Direkt nach Abpfiff des Hinspiels in Portugal hatte Sportvorstand Fredi Bobic ja unumwunden angekündigt, den damals besseren und vor allem mit 4:2 siegreichen Gegner im Rückspiel kräftig weghauen zu wollen. Klar: Die Frankfurter sind am Gründonnerstag nicht chancenlos. Sie haben in dieser Saison oft genug bewiesen, dass sie immer in der Lage sind, über einen Gegner hinwegzutrampeln und Tor auf Tor zu schießen. Doch das wird auch nötig sein. Mindestens zwei Treffer müssen die Hessen fürs Weiterkommen ins Halbfinale erzielen, vermutlich sogar mehr. 2:0, 3:1, 4:2 plus Verlängerung und gegebenenfalls Elfmeterschießen. Und so weiter und so fort. Kein unmögliches, aber ein schwieriges Unterfangen.

Das Hinspielergebnis zwingt die Frankfurter dazu, offensiv zu agieren, sie dürfen aber nicht den Fehler machen, zu offensiv zu agieren. Denn Woche für Woche beweisen die Lissabonner, dass ihre größte Stärke im Umschaltspiel liegt. Gibt man den Portugiesen Räume, pflegen sie diese auch zu nutzen. Zuletzt zu begutachten beim 4:2 gegen die Eintracht, dem 4:2-Ligaerfolg am Sonntag in Setubal oder auch dem 10:0 Anfang Februar in der Liga gegen Nacional. Nicht übel.

Adi Hütter also wird ein gesundes Maß finden müssen für seine Mannschaft zwischen Attacke und Absicherung. Zumal seine Profis zuletzt sieben Gegentreffer in 180 Minuten kassiert und sich defensiv alles andere als kompakt präsentiert haben. Was zur Frage führt, wie Hütter diesmal aufstellen wird. Bringt er wie in der Liga gegen Augsburg von Beginn an drei Stürmer (Luka Jovic, Ante Rebic, Paciencia), weil er unbedingt Tore braucht? Oder stärkt er das Mittelfeld und opfert wie in Lissabon eine Spitze für einen dritten Mittelfeldmann im Zentrum des Spiels? Letztgenannte Variante mutet wahrscheinlicher an.

So ist Mijat Gacinovic ein heißer Kandidat für die Startformation, was eine praktikable Idee sein könnte, wäre der laufstarke Serbe doch einer, der ganz gut zu den flinken Lissabonnern passen würde. Auch hätte Hütter mit einer etwas konservativeren Startformation noch einen Stürmer auf der Bank zum Nachschieben, etwa den zuletzt leicht schwächelnden, aber immer für einen Überraschungsmoment guten Ante Rebic.

Auf diese taktischen Justierungen werden am Donnerstag nicht nur die Menschen, die seit jeher mit der Eintracht sympathisieren, gebannt schauen, der Ausgang der Partie dürfte auch einige Schlipsträger bei der Deutschen Fußball-Liga interessieren. Denn immerhin kann die Eintracht als letzter deutscher Vertreter im Europapokal noch Punkte für die Uefa-Fünfjahreswertung einspielen, die für die Verteilung der Startplätze in der Champions League und Europa League ausschlaggebend ist. Zwar droht der Bundesliga unmittelbar noch nicht der Absturz auf Platz fünf des Rankings, der einen festen Startplatz in der Königsklasse kosten würde. Doch schon in der vergangenen Spielzeit hinkten die deutschen Vereine hinter Spanien, England und Italien her. Die direkten Verfolger aus Frankreich, Russland und Portugal holten gar auf. Zudem fallen aufgrund der Berechnungsmethode des Länder-Koeffizienten, der immer fünf Spielzeiten umfasst, die vergleichsweise guten deutschen Jahre 2014/15 und 15/16 bald weg. Die Eintracht spielt am Donnerstag also nicht nur für sich, sondern für die ganze Liga.

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