_1SPOHSPORT12-B_153023_4c
+
Sixpack-Trainer Hansi Flick und sein FC Bayern sind momentan am Anschlag, wie er auch selbst einräumt.

Rekordmeister »am Limit«

  • vonDPA
    schließen

Den historischen Sechsfach-Rekord kann der FC Bayern nicht unbeschwert genießen. Begleitumstände wie Müllers Corona-Fall kosten viel Energie, Gnabry kehrt verletzt aus Katar zurück. Ex-Coach Guardiola erheitert wenigstens kurzzeitig mit einer verrückten Idee.

Erschöpft schlurften die stolzen Sixpack-Bayern ohne Thomas Müller am leeren Flughafen im dunklen München zum Mannschaftsbus. Nach einer Foto-Session im Flieger mit einem Küsschen für die nächste Trophäe durch Weltfußballer Robert Lewandowski sehnten die Münchner Stars nach einem Stück Fußball-Geschichte am Ende einer turbulenten Woche zwei freie Tage herbei. Im Gegensatz zur Anreise mit einer Nacht am Berliner Flughafen glückte wenigstens der Rückflug, den Müller nach seinem positiven Corona-Test erst viel später in einer eigenen Maschine aus Katar antreten konnte.

Die Sorgen um Müller, nach Leon Goretzka und Javi Martínez der nächste Corona-Fall beim Triplesieger, ein verletzter Serge Gnabry und ein bis auf Weiteres aus privaten Gründen fehlender Jérôme Boateng trübten die Freude nach dem Gewinn der Club-WM durch das 1:0 gegen UANL Tigres. »Das Spiel war für uns alle schon am Limit, auch für mich an der Außenlinie«, räumte Trainer Hansi Flick nach Tagen mit »viel Unruhe« ein. Seinen im Jahr 2020 schon in Meisterschaft, Pokal, Königsklasse und zwei Supercups triumphierenden Mentalitäts-Champions um Matchwinner Benjamin Pavard schenkte er bis zum Training am Sonntag ein wenig Erholung.

Sportvorstand Hasan Salihamizdic machte dagegen Überstunden, um die Rückkehr des nachdenklichen Müllers in die Heimat zu organisieren. In Bayern muss der Vizekapitän in häusliche Quarantäne. Er wird die Liga-Spiele gegen Arminia Bielefeld am Montag und fünf Tage später gegen Eintracht Frankfurt verpassen. »Es geht einem einiges durch den Kopf, aber ansonsten, glaube ich, ging es ihm ganz gut«, berichtete Flick.

Schwerer wöge das Fehlen des lautstarken Antreibers zum Start im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Lazio Rom am 23. Februar. Nach einem Muskelfaserriss im linken Oberschenkel muss auch bei Serge Gnabry die Genesung abgewartet werden. Wann Boateng, der entgegen erster Planungen im Mannschaftsflieger heimflog, wieder spielt, ist ebenfalls offen. Der Verteidiger hatte wie Müller das Finale verpasst. »Wir haben das Ding auch für Thomas geholt und für alle anderen, die nicht dabei sein konnten«, sagte Joshua Kimmich.

Der FC Bayern ist nach den Weltpokalsiegen 1976 und 2001 sowie dem Gewinn der Vereins-WM 2013 offiziell zum vierten Mal die beste Mannschaft der Welt. »Das ist auch für den erfolgreichen FC Bayern München mit Sicherheit die beste Saison, die er gespielt hat«, sagte Flick über das Sechs-Titel-Jahr. Diese Bestleistung hob auch Weltfußballer Lewandowski hervor. »Jetzt haben wir das Sixpack, das ist eine große Geschichte, nicht nur für Bayern München, auch für den ganzen Fußball. So wie wir gespielt haben - das bleibt für lange, lange Zeit«, sagte der 32-Jährige.

Sicher ist, dass der Erfolg wegen des Pokal-Aus gegen Zweitligist Kiel in diesem Jahr nicht wiederholbar ist. Pep Guardiola, dem mit dem FC Barcelona um Superstar Lionel Messi im Jahr 2009 das einzige sechsfache Trophäen-Kunststück glückte, regte in seiner Gratulation ein kurioses neues Titelchen an. »Vielleicht kann ich Messi & Co. anrufen und wir spielen um den siebten Titel. Sag mir wann und wo, und wir werden da sein«, scherzte der frühere Bayern-Coach.

Als Baumeister dieses Erfolgs hat Flick, dem die Strapazen der Tage am Persischen Golf deutlich anzumerken waren, keine richtige Verschnaufpause. Der 55-Jährige muss ausloten, wie er die personellen Engpässe überbrückt und wie er die genesenen Goretzka und Martínez schon für das Bielefeld-Spiel in Form bringt. Aufatmen konnte Flick wenigstens, dass die weiteren Corona-Tests in der Mannschaft kurz nach dem positiven Müller-Ergebnis negativ waren.

Deswegen und wegen der strengen Hygienemaßnahmen müssen keine weiteren Fußball-Profis, die als Freiluftsportler von den Gesundheitsämtern häufig anders eingestuft werden als Hallensportler, in Quarantäne. Der Verein betonte, dass er das Vorgehen mit den »zuständigen Behörden« abgestimmt habe. Dass Katar, anders als Südafrika, England oder Brasilien, nicht als Virusvarianten-Gebiet eingestuft wird, erleichterte die Planungen um Müller.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare