Auf dem Weg zum Rekord?

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Dreimal hat Marcus Ehning bereits den Weltcup gewonnen. Viermal hat es noch kein Springreiter geschafft – der Deutsche könnte am Wochenende in Omaha der Erste werden, dem das gelingt.

Die Rückschläge haben ihre Spuren hinterlassen. Auch das schmerzhafte Olympia-Aus in Rio. "Ich habe es mir abgewöhnt, mir Ziele zu setzen", sagt Marcus Ehning vor dem Weltcup-Finale in Omaha, wo er einen Rekord aufstellen kann. Er ist am Wochenende im US-Bundesstaat Nebraska der einzige Springreiter, der zum vierten Mal den Weltcup gewinnen kann. "Das zeigt nur, wie alt ich schon bin", witzelt der 42 Jahre alte Profi aus Borken.

Seit dem Olympiasieg mit der deutschen Mannschaft vor siebzehn Jahren in Sydney reitet Ehning in der Weltspitze mit. Neben weiteren Goldmedaillen bei WM und EM sowie den drei Weltcup-Siegen ist seine Karriere aber auch von einigen Tiefschlägen geprägt. Etwa von den spektakulären Patzern mit Küchengirl bei der WM 2006 in Aachen und ein Jahr später bei der EM.

Mit insgesamt fünf Verweigerungen in Mannheim ging die "Küche" genannte Stute in die Geschichte des Pferdesports ein – und der Reiter auch: Ohne eine einzige Runde zu beenden, gewann Ehning bei der Heim-EM die Silbermedaille mit dem Team.

Besonders bitter war die Enttäuschung von Rio. Nur drei Stunden vor dem ersten Ritt kam für Ehning das Olympia-Aus. Sein Hengst Cornado war nicht fit. "Wenn ich es reiterlich vergeigt hätte, wäre es schlimmer gewesen", sagt der Reiter im Rückblick. Bereits 2004 hatte er in Athen wegen einer Verletzung von For Pleasure auf einen Olympia-Start verzichten müssen.

Ehning versucht inzwischen, die Dinge zu nehmen, wie sie kommen, und den eigenen Ehrgeiz nicht mit zu hohen Erwartungen zu belasten. Das habe etwas mit "Lebensweisheit und Lebenserfahrung" zu tun, erklärt der erfolgreiche Profi.

Über den möglichen Weltcup-Rekord denke er "nicht wirklich nach", versichert er. Die drei bisherigen Siege bei der inoffiziellen Hallen-WM (2003, 2006, 2010) empfindet er vielmehr als "beruhigend, weil es zeigt, dass ich schon ein paar Sachen gewonnen habe".

Neben Ehning haben nur Rodrigo Pessoa und Meredith Michaels-Beerbaum ebenfalls drei Weltcup-Siege in ihrer Erfolgsstatistik. Doch beide verpassten die Qualifikation für die Veranstaltung in der Mitte der USA, die früher als Wilder Westen galt. Ehning hingegen hat es wieder geschafft. Er reitet zum 17. Mal in Folge das Final-Tunier, bei dem am Donnerstag alle Starter bei null beginnen.

"Es ist ihm viel zuzutrauen", sagt Bundestrainer Otto Becker vor der ersten von drei Teilprüfungen im CenturyLink Center. Der 14 Jahre alte Wallach Pret a tout sei in Form und Ehning ein "überragender Reiter". In der Pferdesport-Szene gilt der 42-Jährige als einer der elegantesten Reiter, als Stilist im Sattel.

Das schmerzhafte Olympia-Aus habe Ehning "nach außen gut weggesteckt", sagt der Bundestrainer. Becker glaubt: "Das wirft ihn nicht um." Andererseits weiß der Coach, der als Reiter gemeinsam mit Ehning Olympiasieger wurde, aus seiner langjähriger Erfahrung: "Er macht viel mit sich alleine aus."

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