Nie war er gefährlicher: Frankfurts Stefan Ilsanker (M.) erzielt beim 3:0-Sieg in Bremen die 2:0-Führung. FOTO: AFP
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Nie war er gefährlicher: Frankfurts Stefan Ilsanker (M.) erzielt beim 3:0-Sieg in Bremen die 2:0-Führung. FOTO: AFP

Reifer Auftritt

  • vonred Redaktion
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Es ist ein ziemlich seltsames Schauspiel, das da im Nachgang eines Fußball-Bundesliga-Spiels im Notbetrieb zur Aufführung kommt. Kaum war die erfolgreiche Nachholpartie von Eintracht Frankfurt bei Werder Bremen (3:0) abgepfiffen, legte sich eine gespenstische Stille über den verwaisten Spielort am Flussufer. Wie ein herannahender Nebelschleier in einer kalten Novembernacht.

Gute Laune hatte Eintracht-Trainer Adi Hütter dennoch. "Ich finde, dass wir in der zweiten Halbzeit eine sehr abgeklärte Leistung gezeigt haben und absolut als verdienter Sieger vom Platz gehen", stellte er in der virtuellen Fragerunde fest. Nur gut, dass der Kollege Florian Kohfeldt später dran war, der behauptete, dass Frankfurt "auf keinen Fall drei Tore besser war". Womöglich hätten sich die beiden auf einer gemeinsamen Pressekonferenz gleich das nächste Verbalgefecht geliefert. Am Spielfeldrand hatte sich ja fortwährend die Anspannung entladen, gerade die Werder-Bank verhielt sich nach Hütters Dafürhalten nicht korrekt. Aber als Sieger konnte er doch locker drüber hinwegsehen.

Lieber erklärte der 50-Jährige, wie er es geschafft hatte, die zerfahrene Partie noch auf seine Seite zu ziehen. "Ein paar Sachen" habe er zur Pause korrigiert, dann habe man "sehr geduldig und sehr abgeklärt" gespielt. In allen relevanten Statistiken lagen die Teams fast gleichauf, aber unter dem Strich gewann nicht nur die reifere, robustere, sondern auch die taktisch bessere Mannschaft.

Trapp als Kritiker

Ein kritischer Geist wie Kevin Trapp wollte sich nach der Mini-Serie in der Corona-Krise keine Scheuklappen anlegen. Der Keeper fand die erste Halbzeit "teilweise grausam, weil wir nicht das gemacht haben, was wir können". Der 29-Jährige: "Wir sind nur getrabt, wir sind nicht gelaufen, kamen nicht aggressiv in die Zweikämpfe, waren immer zu spät, haben den Bremern den Raum gelassen, den wir eigentlich zumachen wollten." Insofern kam die Steigerung aus seiner Sicht fast zwangsläufig zustande. Zudem beschäftigt die Eintracht mit Filip Kostic und André Silva zwei Individualisten, die mit einer Klasseaktion alles veränderten - ihre Koproduktion zum 1:0 war der Brustlöser nach einer Stunde. "In der Pause haben wir uns zusammengerauft und waren in der zweiten Hälfte die bessere und giftigere Mannschaft", sagte Mittelfeldarbeiter Dominik Kohr.

Schon auf dem nächtlichen Rückflug im Learjet nach Mannheim legte sich die Gewissheit: Zehn Punkte Vorsprung auf den Vorletzten wird diese Mannschaft nicht mehr verspielen. Kaum jemand im Umfeld zweifelt mehr am Klassenerhalt. Im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 (Samstag, 15.30 Uhr) kann das Abstiegsgespenst endgültig vertrieben werden. Makoto Hasebe hat sogar mutig angekündigt, dann nach oben schauen zu wollen. Zwei Auswärtssiege im Norden - Wolfsburg und Bremen - haben eben das Selbstvertrauen gesteigert und die Stimmungslage aufgehellt.

Es war der entscheidende Schachzug, sich vor dem Heimspiel gegen Freiburg (3:3) an die Taktik zu erinnern, die bis weit in die Hinrunde zu vielen ansehnlichen Auftritten führte: mit der Systemumstellung auf Dreierkette und einem spielintelligenten Mittelmann Hasebe. Noch immer kann der 36-Jährige das Herz und Hirn des Teams geben.

Grätschen und Tore

"Unser Weg stimmt auf alle Fälle. Nach dem Restart haben wir uns mittlerweile stabilisiert, sind wieder gut in Schuss, überzeugen läuferisch und kämpferisch und sind unangenehm zu bespielen", sagte Hütter. Dass sein Landsmann Stefan Ilsanker seine ersten beiden Bundesliga-Treffer zum 2:0 und 3:0 beisteuerte, machte den Abend aus Hütters Sicht perfekt. Die Trainerwünsche bei Transfers haben in den Gremien nicht alle im Nachhinein gut gefunden, nun hat einer seiner Musterschüler und Lieblingsspieler gezeigt, dass er nicht nur zielsichere Grätschen, sondern auch wichtige Tore erzielen kann, die Frankfurt weit nach vorne gebracht haben. FRANK HELLMANN

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