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Lewis Hamilton muss auch in Frankreich Max Verstappen (hinten) den Vortritt lassen. AFP

Ratloser Hamilton

(dpa). Ratlos strich sich der entzauberte Lewis Hamilton durch den frisch geschorenen Backenbart. Noch lange nach dem denkwürdigen Formel-1-Krimi von Le Castellet war der siegverwöhnte Dauer-Weltmeister erstaunt, wie Titelrivale Max Verstappen ihn so hatte düpieren können. »Keine Ahnung, ich muss mir das noch mal anschauen«, kündigte der Mercedes-Superstar eine längere Analyse der Schlappe von Frankreich an.

Zunehmend beunruhigt müssen Hamilton und sein Team feststellen, dass die Attacke von Red Bull immer mehr Fahrt aufnimmt. Und ausgerechnet jetzt stehen gleich zwei Rennen auf dem Red-Bull-Ring in Österreich an.

»Ich freue mich darauf, weil es ein Heimspiel ist«, frohlockte WM-Spitzenreiter Verstappen vor der eiligen Weiterreise zum Doppelpack in Spielberg. »Max Verstappen hat ein weiteres Stück Mercedes-Land erobert«, jubelte die »Kronen Zeitung« schon in Vorfreude auf die Austria-Festspiele. Auf zwölf Punkte ist sein Vorsprung in der Gesamtwertung angewachsen. Erstmals seit Sebastian Vettels letztem Titeljahr 2013 hat Red Bull wieder drei Rennen in Serie gewonnen. In Monaco und Le Castellet durch Verstappen, dazwischen in Baku durch den immer stärkeren Sergio Perez.

Auch in der Teamwertung zieht der Herausforderer dem Titelverteidiger Mercedes davon. Weil Red Bull sein Auto optimiert hat und Motorenbauer Honda vor dem Ausstieg zum Jahresende noch einmal viel investiert, ist das Team nun auf allen Strecken mindestens auf Augenhöhe mit den Silberpfeilen. »Die beiden Teams sind supernah beieinander«, urteilte Verstappen.

So kommt es mehr denn je auf die Strategen an. Und auch da hat Mercedes anscheinend seinen Vorsprung eingebüßt. Wie schon in Monaco, als Hamilton zu früh zum Reifenwechsel beordert wurde und zwei Plätze verlor, lagen seine Taktiker auch diesmal falsch. »Es hat einfach nicht funktioniert«, stellte der Brite fest, nachdem Verstappen dank eines zusätzlichen Boxenstopps mit frischeren Reifen kurz vor Schluss vorbeiziehen konnte. »So was müssen wir vermeiden und den Fehlerteufel irgendwann mal beenden«, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Das darf auch Valtteri Bottas auf sich beziehen. Der Finne konnte in der entscheidenden Phase erneut keine Schützenhilfe für seinen Mercedes-Kollegen leisten, musste Verstappen bei dessen Aufholjagd nach einem Fahrfehler wehrlos passieren lassen und wurde nur Vierter. So macht man keine Werbung für eine Weiterbeschäftigung. Red-Bull-Zweitbesetzung Perez hingegen stürmte noch auf Rang drei und sorgte so für das erste Doppel-Podium des Teams in diesem Jahr. Der Spaß war dem Niederländer an seinem breiten Grinsen anzusehen. »Es ist wirklich aufregend. Die Saison ist noch sehr lang. Das ist gut für die Formel 1«, sagte Verstappen.

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