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Das Gesicht dieser Frauen-WM ist bislang die Amerikanerin Megan Rapinoe, die beim 2:1 im Viertelfinale gegen Frankreich beide Treffer für ihr Team erzielt.

Rapinoe lässt Taten sprechen

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(sid). Während ihr Torjubel noch einen Social-Media-Hype auslöste, setzte Megan Rapinoe bereits das nächste Ausrufezeichen bei ihrem Kampf abseits des Platzes. "Du kannst kein Turnier ohne Homosexuelle gewinnen", sagte Rapinoe, nachdem sie die WM-Party der Französinnen mit ihrer Gala am Freitag im Viertelfinale jäh beendet hatte: "Es wird nicht passieren und ist noch niemals zuvor passiert." Mit ihrem Statement für mehr Toleranz für Homosexuelle legte sie in der öffentlichen Schlammschlacht mit US-Präsident Donald Trump nochmals nach - zuvor hatte sie bereits auf dem Platz Taten sprechen lassen.

Und wie! Mit einem Doppelpack beim 2:1 (1:0) gegen die Gastgeber führte sie Titelverteidiger USA beinahe im Alleingang ins Halbfinale gegen England. Ihre Tore feierte sie ganz stoisch und erhaben mit ausgebreiteten Armen. Schon im Achtelfinale hatte Rapinoe die beiden amerikanischen Treffer gegen Spanien (2:1) erzielt. Vier Tore nacheinander waren noch keiner US-Fußballerin bei einer WM gelungen. Damit ist Rapinoe auf dem besten Weg zur Spielerin des Turniers. Hollywood-Star Zac Efron kündigte vor lauter Begeisterung über "Pinoe" in Anspielung auf deren ausgefallene Frisur gar an: "Ich färbe mir die Haare lila." Doch nicht überall in den USA sorgt die Angreiferin für derartige Jubelstürme - vor allem nicht im Oval Office.

Donald Trump jedenfalls kümmerte Rapinoes neuerliche Glanzleistung offenbar herzlich wenig. Stattdessen biederte er sich per Staatsbesuch einmal mehr bei Nordkoreas Diktator Kim Jong Un an und lobte in seinem allmorgendlichen Twitter-Rundumschlag die US-Wirtschaft über den grünen Klee. Rapinoe schenkte er hingegen trotz der neuerlichen Stichelei keine Beachtung mehr - das hatte er ja auch zuvor schon zur Genüge getan. Rapinoe hatte erklärt, im Falle des WM-Triumphs "garantiert nicht in das f***ing Weiße Haus zu kommen". Der Präsident reagierte gewohnt dünnhäutig. "Sie sollte nicht respektlos gegenüber unserem Land, dem Weißen Haus oder unserer Flagge sein, zumal so viel für sie und ihre Mannschaft getan worden ist", twitterte der 73-Jährige. Rapinoe solle "erst mal GEWINNEN, dann REDEN", und ihre Arbeit erledigen: "Bisher habe ich sie oder die Mannschaft nicht eingeladen - jetzt tue ich es, ob Sieg oder Niederlage." Auch wenn der erneute Titel nur noch zwei Siege entfernt ist - der Einladung folgen wird der regierungskritische Star sicher nicht.

Im zweiten Halbfinale am Mittwoch stehen sich Deutschland-Bezwinger Schweden und die Niederlande gegenüber, die am Samstag mit 2:0 gegen Italien gewannen. Die Tore für den Europameister im Stade du Hainaut in Valenciennes erzielten die ehemalige Bayern-Stürmerin Vivianne Miedema (70.) und Stefanie van der Gragt (80.) jeweils per Kopf.

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