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Rainer Koch im Fokus

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(sid). Es klingt ungewohnt harmonisch, wenn Rainer Koch in diesen Tagen über den krisengeplagten DFB spricht. »Problemfrei und professionell« arbeite er mit Hans-Joachim Watzke, das alles für »einen ruhig verlaufenden Bundestag«, beteuerte der Co-Interimsboss kurz vor dem Höhepunkt einer wegweisenden Woche. Doch der Schein trügt - während Bernd Neuendorf und Peter Peters um das Spitzenamt kämpfen, steht Koch einmal mehr im Kreuzfeuer der Kritik.

Immer wieder fällt sein Name wenn es um Skandale, Streitigkeiten und Affären im Deutschen Fußball-Bund (DFB) geht. Der umstrittene Spitzenfunktionär gilt als einflussreicher Strippenzieher im Lager der Amateure, als geschickter Lenker im Hintergrund. Und immer wieder werden genau deshalb Konsequenzen gefordert - nicht erst durch die drei Ex-Bosse, die Koch am Montag heftig attackiert hatten.

Für den Imageschaden des DFB, die Machtkämpfe und Schlammschlachten machten Fritz Keller, Reinhard Grindel und Theo Zwanziger das »System Koch« indirekt verantwortlich. Kritiker sehen Koch in zahlreiche dubiose Machenschaften verstrickt, der oft beschworene und von vielen geforderte Neuanfang ist aus ihrer Sicht nur ohne den 63-Jährigen möglich. Die Liste der Vorwürfe ist lang, für Koch spitzt sich die Lage vor der Wahl zu.

Ihm werden etwa Verfehlungen rund um den Umgang mit der Frauen-Bewegung oder die Rücktrittswelle in der Ethikkommission im vergangenen Jahr angelastet. Vor allem aber wegen des ominösen Vertrages mit dem Berater Kurt Diekmann, der nach der jüngsten Razzia offenbar auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt, wird er kritisiert. Koch steht nicht im Fokus der Justiz, seine Rolle ist dennoch ungeklärt.

Während sich Ex-Boss Keller bei der Suche nach Antworten in einen aussichtslosen Machtkampf gegen Koch und Co. verstrickte und nach der Nazi-Entgleisung gegen seinen Vize als dritter Präsident in Folge vorzeitig seinen Hut nehmen musste, blieb Koch. Er machte zum dritten Mal als Interimschef scheinbar unbeschadet weiter.

Der Jurist aus Poing, immer auch Reizfigur, sitzt seit 2007 im DFB-Präsidium und profilierte sich dort meist als Anwalt der Amateure gegen den übermächtigen Profifußball. Die Anschuldigungen aus verschiedenen Richtungen weist der langjährige Vorsitzende des Sportgerichtes seit jeher zurück, die jüngsten Angriffe bezeichnete er etwa als »absurd«.

Und obwohl sich die Landesfürsten am Montag hinter Koch stellten, ist dieser auch im Amateurlager längst nicht mehr unumstritten. Das Schicksal des Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbandes, der auch bei Neuendorfs Nominierung mitgewirkt haben soll, entscheidet sich beim Bundestag an diesem Freitag in Bonn.

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