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Spaßvogel Thomas Müller (2. v. r.) verbreitet im Kreis der Nationalspieler mit (v. l.) Serge Gnabry, Mats Hummels und Torwart Manuel Neuer auf dem Trainingsplatz gute Laune.

Radio Müller sendet wieder

  • VonRedaktion
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Müller rennt. Müller redet. Müller rauft. Kaum ein Grashalm des Platzes im Trainingscamp in Tirol, den der Irrwisch in den grell-orangen Fußballschuhen nicht in den ersten drei Tagen schon geknickt hätte. Thomas Müller (31), 100 Länderspiele, ist zurück im Kreis der Nationalmannschaft. Man kann es sehen und man kann es hören.

Der scheinbar alterslose Thomas Müller fühlt sich wohl als Anführer. Macht kluge Sachen, wenn er den Ball hat, und er hat ihn oft, weil er gesucht und gefunden wird. Lässt kurz abtropfen, geht steil und fordert den Pass, läuft an wie verrückt. Und versteht es, andere mitzureißen. Ein Bündel an Energie, die zu viel ist für einen dürren Schlaks wie Müller. Also wird sie weitergereicht und pumpt die Mannschaft auf. Das ist der Plan.

Es geht um seine Fähigkeit, ein Spiel zu lesen, es geht um sein Können am Ball, es geht um seine Ausstrahlung und seinen Wagemut. Es geht um das Gesamtpaket. Der Oberbayer beherrscht die blumige Sprache wie kaum ein anderer in der Branche, seine Worte sind dabei selten inhaltsleer, »Ich habe Erfahrung mit im Gepäck und will ein Katalysator sein, um den Motor der Kollegen zu zünden«, betont er am Sonntag bei seinem ersten Medientermin in Seefeld.

Aber es ist ihm auch wichtig, klarzustellen: »Der Bundestrainer hat mich nicht als Lautsprecher zurückgeholt.« Er trachte keinesfalls danach, »künstlich dominant aufzutreten. Ich versuche, meine Mitspieler anzustacheln, und sie sollen mich anstacheln. Ich will auf dem Platz auch mal angeschrien werden. Es darf schon mal verbal scheppern.« Er ist bereit, dabei mehr zu geben als zu nehmen. Nach zweieinhalb Jahren ohne Berufung, nach einem Abschied, der ihm wehtat, sieht Müller auch das Gute in der unfreiwilligen Schaffenspause beim DFB: »Länderspiele frei zu haben, mal aus der Mühle rauszukommen, ist für Körper, Geist und Familie nicht so schlecht.« Mats Hummels (32) ist es ähnlich ergangen. Löws unfreiwilliger Masterplan könnte aufgehen. Das wäre dann der Treppenwitz eines Irrtums.

Damals, im Frühjahr 2019, fühlten Müller und Hummels sich vom Bundestrainer aussortiert wie ein faules Stück Obst. Danach fing er bald wieder an, sehr gut Fußball zu spielen, Hummels zog nach. So gut schließlich, dass Löw - ernüchtert auch von den Darbietungen der potenziellen Nachfolger - ein Einsehen hatte. Ignoranz wäre kein guter Ratgeber gewesen. Deshalb darf Radio Müller wieder aus dem Lager des Deutschen Fußball-Bundes senden. Und deshalb darf auch Hummels, einer seiner besten Kumpels aus gemeinsamen Münchner Tagen, mit den Ton angeben. Beide sehen dieser Tage in den Alpen keinesfalls so aus, als trügen sie dem Bundestrainer die zurückgenommene Degradierung noch nach. Müller sagte gestern: »Die Entscheidung war aus sportlicher Sicht nachvollziehbar. Ich habe verstanden, was der Trainer meinte.« Was ihm halt nicht gepasst hätte: »Die Art und Weise, wie es abgelaufen ist.«

Rückkehrer müssen ein Vakuum füllen

Der Bundestrainer behauptet tapfer: »Unser Verhältnis war nach der Ausbootung nie gestört.« Man kann das glauben oder nicht, fest steht jedenfalls: Löw braucht Müller und Hummels jetzt besonders, um ein Vakuum zu füllen. Manager Oliver Bierhoff, beim Rauswurf der Langgedienten eng an des Bundestrainers Seite, formuliert es klipp und klar: »Sie sollen als absolute Führungsfiguren voranmarschieren, den Rhythmus des Spiels vorgeben.«

Ziemlich viel Last auf zwei Männern, die vorher gewogen und für zu leicht befunden wurden. Doch Löw und Bierhoff wissen: Müller und Hummels sind gestandene Kerle, die Druck aushalten. Wahr ist aber auch: Bei der WM 2018 gingen auch sie mit unter, Müller noch mehr als Hummels. In der Nations League wurde es danach nicht besser. Löw fand, er sei zum Handeln gezwungen. Ein Cut mit klarer Kante. Er hat sich dabei selbst geschnitten. Die Dynamik, die bei Bundestrainer und Mannschaft danach noch weiter verloren ging wie bei einer Schwindsucht, wollen sie nun gemeinsam wieder wecken.

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