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Quasi von null auf 100

  • vonDPA
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Am Montag beginnen die US Open, hinter den deutschen Stars stehen aber noch so manche Fragezeichen. Angelique Kerber reist ohne Wettkampfpraxis an, Alexander Zverev sucht noch nach Form und Rhythmus.

Alexander Zverev sollte auf jeden Fall gewarnt sein. Ein Gegner jenseits der Top 100, lange von Verletzungen geplagt, die großen Erfolge liegen schon weit zurück - was sich auf dem Papier als einfache Auftakthürde liest, hat dem deutschen Tennis-Star erst vor wenigen Tagen eine böse Überraschung beschert. Und bei den am Montag beginnenden US Open droht sich die Geschichte zu wiederholen.

Anders als Angelique Kerber, die seit sieben Monaten kein Match mehr bestritten hat, geht Zverev mit einer verpatzten Generalprobe im Rücken in das erste Grand-Slam-Turnier nach der Corona-Pause. Dann wartet zum Auftakt zwar nicht Andy Murray, dreimaliger Major-Champion, nach einem langen Leidensweg nur Nummer 134 der Welt und bei den Western & Southern Open dennoch zu stark für den Hamburger. Doch die Parallelen zum Gegner in der ersten Runde der US Open sind nicht zu übersehen.

Der heißt nämlich Kevin Anderson, ist nach einer langwierigen Knieverletzung auf Position 124 abgerutscht und gerade wieder auf dem beschwerlichen Weg zurück. Das Potenzial des 34 Jahre alten Südafrikaners, ehemaliger Wimbledon- und US-Open-Finalist, ist aber unbestritten.

Es ist freilich eine Aufgabe, die Gefahren birgt. Ein Vorteil für Zverev ist, dass er schon bei der Niederlage gegen Murray seine Schwächen deutlich vor Augen geführt bekommen hat. Da wäre der mittlerweile schon fast chronisch schwache zweite Aufschlag, zudem mangelte es seinem Spiel an Variabilität. Beunruhigt ist der Weltranglistensiebte aber nicht: "Es ist normal, dass man nicht gleich sein bestes Tennis spielen kann."

Immerhin kennt Zverev bereits das ungewohnte und seltsame Gefühl, auf der riesigen Anlage in Flushing Meadows ohne Zuschauer zu spielen. Für Kerber wird hingegen alles ganz neu sein - schließlich bestritt sie ihr bislang letztes Match unter Wettkampfbedingungen beim Achtelfinal-Aus bei den Australian Open im Januar, als Corona auf der Tour noch kein Thema war. Schon die erste Runde gegen die Australierin Ajla Tomljanovic wird daher zur kniffligen Standortbestimmung. Deutschlands Frauentennis-Chefin Barbara Rittner sieht auf Kerber sogar eine ganz spezielle Schwierigkeit zukommen. "Sie geht bei den US Open auf den Platz und hat das erste Mal in ihrer Karriere die Situation ohne Zuschauer", sagte sie: "Und dann auch noch an einem speziellen Ort, an dem sie diese extreme Euphorie schon erlebt hat."

Vor vier Jahren hatte Kerber in New York den Titel gewonnen und Position eins der Weltrangliste erklommen. Damals an ihrer Seite: Torben Beltz. Und nach einigen gescheiterten Trainer-Experimenten werden die US Open der erste Auftritt nach der Rückkehr des alten Erfolgscoaches - ein gutes Omen? "Man darf die zwei nicht daran messen, was sie schon erreicht haben", meinte Rittner zwar, ergänzte aber: "Es ist viel wichtiger, dass Angie sich wohlfühlt, und das tut sie mit Torben."

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