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Sportvorstand Hasan Salihamidzic (l.) und Bayern-Trainer Hansi Flick schauen offenbar nicht nur in verschiedene Richtungen, sondern arbeiten auch nicht Hand in Hand.

Provoziert Flick Bayern-Ende?

  • vonRedaktion
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Kein Blickkontakt, kein Abklatschen, kein Wort. Dass zwischen Bayern-Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic Eiszeit herrscht, war für jeden am Samstagnachmittag in der Allianz Arena zu spüren. Das 1:1 gegen Union Berlin war dementsprechend nur eine Randnotiz. Die unangenehme Atmosphäre, die wegen des eskalierenden Machtkampfs zwischen Flick und Salihamidzic im Verein herrscht, strahlt mittlerweile auch auf die Spieler aus.

Nicht umsonst mahnte Kapitän Manuel Neuer zu mehr Ruhe im Klub: »Für uns ist jetzt wichtig, dass wir uns auf die Mannschaft konzentrieren, auf unseren Fußball. Alles andere, was von außen auf uns einprasselt, das müssen wir weglassen, weil wir einfach positive Stimmung brauchen. Ein bisschen mehr Ruhe drumherum wäre gut für uns.« Vor allem in Hinblick auf das Viertelfinal-Rückspiel gegen Paris Saint Germain am morgigen Dienstag (21 Uhr, Sky) sollte der Fokus im gesamten Verein lediglich aufs Sportliche gelegt werden. So allerdings provoziert Flick sein Ende beim FC Bayern.

Präsidium und Vorstandschaft würden am liebsten weiterhin mit Flick und Salihamidzic zusammenarbeiten. Doch aktuell fällt diese Vorstellung mehr als schwer. Dementsprechend bemüht war auch Präsident Herbert Hainer, den offensichtlichen Streit der sportlichen Führung abzumoderieren. »Wir gehen damit ganz entspannt um, es ist nicht die erste und die letzte Aufregung, die es beim FC Bayern gegeben hat. Es wird auch eine Menge hineininterpretiert«, sagte das Vereinsoberhaupt und fügte an: »Beide müssen kein Liebespaar sein. Sie müssen gut zusammenarbeiten - und das machen sie.« Der Präsident erkannte in den jüngsten Aussagen von Flick (»Wir hatten letztes Jahr eine Mannschaft, die qualitativ besser war als in diesem Jahr«) auch keine Spitze gegen Salihamidzic und dessen Kaderplanung. Zur Erinnerung: Der Bayern-Trainer hätte laut eigener Aussage im vergangene Transfer-Sommer neben Königstransfer Leroy Sané weitere Qualitätsspieler wie Kai Havertz, Timo Werner und Callum Hudson-Odoi als Verstärkung erhalten. Hainer erklärt in diesem Zusammenhang: »Wir müssen da schon bei den Fakten bleiben. Wir haben klar gesagt, dass wir im Sommer den Kader in der Breite vergrößern wollten. Aber wir haben seit einem Jahr Corona und circa 150 Millionen Euro Einbußen beim Umsatz. Natürlich hätten wir gerne einen Kader mit 30 Top-Spielern, aber das können wir nicht bezahlen.« Doch genau das wirft Flick Salihamidzic vor, indem er beklagt, nicht ausreichend in die Kaderplanung involviert gewesen zu sein.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte die Nicht-Verlängerung mit Jerome Boateng. Flick vermittelte öffentlich den Eindruck, auch bei dieser Entscheidung nicht vollumfänglich informiert worden zu sein. Dem widersprach Salihamidzic bereits vor dem Spiel gegen Paris und nun legt auch Hainer nach: »Für alle im Verein und auch Hansi Flick war es klar, dass der Vertrag mit Boateng nicht verlängert wird.« Trotzdem fühlte sich Flick hintergangen. Aktuell scheint nicht nur sein Verhältnis zu Salihamidzic, sondern auch zur restlichen Vereinsführung gestört. Es wirkt so, als sei das ausbleibende Bekenntnis zum FC Bayern eine Retourkutsche für die Boateng-Posse. Auch hier nahm Hainer seinen Trainer gestern indirekt in die Pflicht: »Ich komme aus einem Wirtschaftsunternehmen und habe auch da viele Verträge geschlossen. Und ich bin es gewohnt, dass Verträge auch erfüllt werden.«

Nach dem Rückspiel bei Paris Saint Germain soll Flick dem Vernehmen nach Gespräche mit der Bayern-Führung suchen. Ob es dann Klarheit gibt? Manuel Bonke

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