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Protz in Peking

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(sid). Am Anfang war ein »Wow«, das geben beide zu. Natalie Geisenberger und Felix Loch standen vor dieser riesigen neuen Eisrinne in den Bergen von Yanqing, und sie waren beeindruckt von den Dimensionen. Die Rodler absolvieren dort am Wochenende - keine drei Monate vor den Winterspielen - ihren Weltcup-Auftakt. Und in die anfängliche Ehrfurcht haben sich andere Gefühle gemischt.

Was für den anstehenden Olympiawinter in und um Peking aus dem Nichts erschaffen worden sei, »das sehe ich schon kritisch«, sagt Loch. »Übertrieben und überdimensional« sei es, »das ist Protz, um der Welt zu zeigen, was sie können.« Auf fast zwei Kilometern schlängelt sich das Yanqing Sliding Center den Berg herunter, die Form soll an einen chinesischen Drachen erinnern, »es schaut schön aus«, sagt Loch. Am Samstag rodeln hier die Männer ihren ersten Weltcup aus. Am Sonntag sind die Frauen dran, auch Geisenberger sieht die Vorteile dieser hochmodernen Bahn. »Die Lichtverhältnisse sind immer gigantisch, auch unterschiedliche Witterungsverhältnisse fallen als Faktor komplett weg, beides macht den Wettbewerb fairer«, sagt sie. Das alles sei schön und gut - das Problem allerdings ein völlig anderes. »Und es geht dabei nicht nur um die Rodelbahn, sondern um alle Sportstätten hier«, sagt Loch: »Es passt einfach nicht mehr in die Welt, die sich ja gerade über Nachhaltigkeit Gedanken macht.«

»Alles immer wieder komplett neu zu bauen, das geht einfach nicht«, sagt Loch: »Warum gehen wir nicht nach Lillehammer und bringen dort die Olympiastätten wieder auf Vordermann.« Die »Riesenhallen, die Säulen, der ganze Beton« in Peking müssen nicht sein, findet Geisenberger: »Das klingt jetzt alles so negativ. Es ist schon wow. Aber ist es das Wow, das der Sport braucht?«

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