Preuß als einzige Konstante

(sid). Benedikt Doll spürte den Atem von Johannes Thingnes Bö im Nacken, er wehrte sich gegen den heranstürmenden norwegischen Dominator nach Kräften. Allerdings kämpfte Doll diesmal nicht um den Weltcupsieg oder einen Platz auf dem Podium. Für den Schlussläufer der deutschen Mixed-Staffel ging es einen Tag nach der Erlösung der Franziska Preuß nur noch darum, eine historische Schmach zu verhindern.

»Ich hätte in meiner Karriere nicht gedacht, dass ich mal darum kämpfen muss, nicht überrundet zu werden. Es war absolut ein gebrauchtes Rennen«, sagte Doll frustriert im ZDF. Zwar blieb dem deutschen Team diese Blamage erspart, doch ohne die geschonte Preuß war das Biathlon-Quartett des Deutschen Skiverbandes (DSV) in Nove Mesto meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt.

Nach 4x6 km landeten Vanessa Hinz, Denise Herrmann, Arnd Peiffer und Doll auf einem indiskutablen neunten Platz. Vor allem Hinz und Herrmann zeigten eine desolate Leistung, das Fehlen von Preuß konnte das deutsche Team nicht auffangen. Wie auch? Seit Wochen ist die 27-Jährige die konstanteste Läuferin des DSV, nur die Plätze auf dem Podium waren stets besetzt. Bis Samstag.

»Endlich hat es sich ausgezahlt«, schrieb sie nach ihrem dritten Platz in der Verfolgung bei Instagram. So oft war sie so nah dran am Podest. Gleich achtmal in Folge lief sie zuvor unter die Top Ten - doch für den Sprung aufs Stockerl war es seit Mitte Januar immer der berühmte eine Fehler zu viel gewesen.

»Ich bin wahnsinnig erleichtert, dass diese Hürde mit diesem blöden Podest endlich überwunden ist«, sagte Preuß nach dem erneuten Sieg der Norwegerin Tiril Eckhoff, die sich damit vorzeitig den Gesamtweltcup sicherte. Sie sei »sehr, sehr glücklich«, sagte Preuß, dass jeder ihre »harte Arbeit auf der Ergebnisliste sehen kann«.

Gerade die Abgebrühtheit auf der Schlussrunde wird immer mehr zu ihrem Markenzeichen. Als »Killer« bezeichnete sie ihr Lebensgefährte, der frühere Weltklasse-Biathlet Simon Schempp, nachdem sie sich wie in der WM-Staffel im Duell Frau gegen Frau behauptet hatte. Abgebrüht waren ihre Teamkolleginnen in der Staffel nicht - weder am Schießstand noch in der Loipe.

»Es war von vorne bis hinten schlecht«, haderte Hinz im ZDF. Auf Platz 21 und mit einem Rückstand von knapp zwei Minuten übergab sie an Herrmann. Die machte es auch nicht besser, leistete sich stehend gar eine Strafrunde. Am Ende lag das DSV-Quartett nach einer Strafrunde und 14 Nachladern eine Welt von 3:38,0 Minuten hinter den überragenden Norwegern, zwischenzeitlich fehlten nur noch rund 200 Meter zur Überrundung.

Darüber, so Peiffer enttäuscht, habe er sich »in einer Staffel noch nie Gedanken machen müssen«. Mit Doll betrieb er zumindest Schadensbegrenzung, nachdem die Herren in Sprint und Verfolgung maßlos enttäuscht hatten. Sie wollen ab Freitag beim Weltcupfinale im schwedischen Östersund nochmal eine Wende schaffen.

Franziska Preuß freut sich über ihren lang ersehnten Podestplatz, nachdem sie als Dritte das Ziel in Nove Mesto erreicht hat.

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