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Fabio Blanco hinterlässt beim Trainingsauftakt einen guten Eindruck.

Pressing in Reinkultur

  • VonRedaktion
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Von einem lockerer Aufgalopp, einem kleinen Showprogramm als Warm-up hält Oliver Glasner offenbar nicht allzu viel. »Wir legen schnell mit hoher Intensität los«, hatte der neue Eintracht-Trainer während seiner Vorstellung verkündet - und hielt Wort. Zum Auftakt am Donnerstag ließ er die Frankfurter Fußball-Profis gleich zwei Stunden schuften, es war beileibe kein knüppelhartes Training, aber sehr wohl eine ambitionierte Einheit.

»Es war anstrengend, aber nicht zu anstrengend«, sagte Neuzugang Christopher Lenz. »Es ging darum, reinzukommen, sich nach der langen Pause mal wieder durchzubewegen.« Das hat einwandfrei geklappt.

Keine Fans, die wegen Corona noch immer ausgesperrt sind, aber insgesamt 26 Spieler durfte der Fußballlehrer auf dem Übungsplatz im Schatten der Haupttribüne begrüßen, darunter Rückkehrer wie Danny da Costa oder Goncalo Paciencia, alte Haudegen wie Makoto Hasebe oder Filip Kostic oder frische Gesichter wie jenes von Fabio Blanco, diesen 17 Jahre jungen Frechdachs mit der wilden Matte, einer Zwitterfrisur irgendwo zwischen Paul Breitner in den 70ern, Carlos Valderrama und Bob Marley. Das unbekümmerte Talent aus Spanien, so viel vorneweg, macht Lust auf mehr.

Ungefähr genauso alt, aber nicht ganz so begabt, sind die zehn A-Jugend-Spieler, die bei den Profis aushelfen dürfen, weil noch viele Nationalspieler im Sonderurlaub weilen. Alle Jungs und alle Männer wurden gebraucht. Denn Oliver Glasner machte gleich in seiner ersten Trainingseinheit deutlich, auf was er großen Wert legt: Tempo, Druck, Attackieren, Aggressivität. Kurzum: Pressing in Reinkultur. »Und dann jagen...«, rief der 46-Jährige über das Areal, und seine Spieler wetzten los. Draußen stand ein gut gelaunter Sportvorstand Markus Krösche und flankierte im vereinseigenen TV-Sender: »Der Spielstil, den Oliver sehen möchte, ist den Jungs bekannt.« Selten, dass das schon am ersten Tag so deutlich zu erkennen ist.

Auffällig war zudem, dass der Coach die Übungen häufig unterbrach, erklärte, gestikulierte und mit dröhnender Stimme gegen die donnernden Flugzeuge ankämpfte.

Glasner ist offenkundig kein Trainer, der seinen Assistenten das Feld überlässt und wie ein Feldherr die Beobachterrolle einnimmt. Zumindest jetzt zu Beginn nicht. »Ich habe ein paarmal eingegriffen, weil es wichtig ist, gleich am Anfang zu sagen, was man möchte«, betonte der Coach.

Diesen Eindruck hatte auch der ablösefrei von Union Berlin nach Frankfurt umgesiedelte Linksverteidiger Lenz. »Der Trainer wollte uns seine Philosophie und seine Ideen direkt mitgeben«, sagte der 26-Jährige. Glasner wird sein Team nicht mit Inhalten überfrachten und nicht übermäßig hart trainieren lassen, auch wenn der »physische Aspekt« natürlich eine Rolle spiele. »Den wollen wir aber versuchen, ins Fußballtraining zu integrieren.« Stupide Konditionsbolzerei steht eher nicht auf dem Plan, auch wenn so manche sogenannte Schweineeinheit dabei sein wird.

Der Vorbereitungszeit misst der frühere Wolfsburger eine eminent große Bedeutung bei, weshalb er keinen Tag verschenken möchte. »Wir legen jetzt nicht nur die Grundlage für die Herbstsaison, sondern für die gesamte Spielzeit.« Schließlich falle die Winterpause so gut wie weg, »sie wird ja immer kürzer«.

Mit den Ergebnissen der zuvor durchgeführten Fitnesstests ist der Trainer mehr als einverstanden. »Die Werte sind sehr zufriedenstellend. Das passt.« Gute Grundlagen sind die Voraussetzung, um auf das höchste Level kommen zu können, doch entscheidend dafür sei die spezifische Arbeit auf dem Rasen.

»Man kann im Urlaub viel trainieren, aber Fußball lässt sich nicht imitieren. Diese kurzen Bewegungen, Drehungen, Starts und Stopps gibt es fast nur im Fußball.« Daher werden seine Spieler »die nächsten Tage spüren«, wie er sagte. »Wir haben noch ein bisschen was vor in der Woche.« Insgesamt war der 46-Jährige zufrieden mit dem, was seine Mannen angeboten haben. Ingo Durstewitz

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