Politiker und Sportler loben Anti-Doping-Gesetz

(sid) Politiker und Sportler loben Deutschlands Anstrengungen im Anti-Doping-Kampf – doch die Sorge vor möglichen Nachteilen für deutsche Athleten wird angesichts der unzähligen internationalen Skandale immer größer.

Von SID

"Wenn man national das macht, was man für richtig hält, muss man sich auch schleunigst darüber Gedanken machen, was das international heißt. Damit wir die Chancen unserer Sportler nicht dauerhaft verschlechtern", sagte Bundesjustizminister Heiko Maas am Montag in Berlin. Deshalb forderte Maas knapp ein Jahr nach Verabschiedung des deutschen Anti-Doping-Gesetzes mehr internationale Anstrengungen gegen Betrüger. "Ich würde mir wünschen, dass es in ein paar Jahren eine UN-Resolution zur Bekämpfung von Korruption und Doping im Sport gibt. Und, dass alle Mitgliedsstaaten sich verpflichten, dies umzusetzen", sagte der SPD-Politiker. Die Einführung des Anti-Doping-Gesetzes sei "lange überfällig" gewesen, das Problem Doping "weiterhin gro?. "Wie nötig der Einsatz gegen Betrug ist, haben wieder einmal die Spiele in Rio gezeigt", sagte Maas. Die seit Anfang 2016 geltenden neuen gesetzlichen Regelungen in Deutschland stellen erstmals das Selbstdoping unter Strafe. Auch der Besitz von Dopingmitteln ist unabhängig von der Menge verboten. Überführten Athleten drohen Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren, Hintermänner müssen in besonders schweren Fällen sogar mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Bisher gab es aber noch keinen Präzedenzfall, bei dem es zu einem Urteil gekommen ist. "Rio ein Schlag ins Gesicht" Der Peking-Olympiasieger und zweimalige Ironman-Sieger Jan Frodeno begrüßte das neue Gesetz – auch weil die Sportverbände angesichts der anhaltenden Dopingskandale zu wenig getan hätten. "Man muss leider feststellen, dass die Verbände gerade in den letzten Monaten eindrucksvoll gezeigt haben, wie wenig sie diese Dopingdiskussion interessiert. Rio war für mich ehrlicherweise ein Schlag ins Gesicht", sagte Frodeno: "Ich habe mit einem weinenden Auge gesehen, wie sich die Schuld und die Zuständigkeit einander zugeschoben wurden. Da bin ich sehr dankbar, dass sich die Politik einschaltet. Das ist ein Zeichen, uns zu positionieren." DOSB-Präsident Alfons Hörmann wehrte sich sowohl gegen Frodenos Kritik ("Wir haben immer gesagt, so wie das russische Team eingelaufen und angetreten ist, war das nicht in Ordnung"), als auch die Vorwürfe, der organisierte Sport habe sich gegen das Gesetz zu lange gesträubt. "Die Frage, ob unsere Bedenken am Ende zurecht vorhanden waren oder nicht, da müssen wir abwarten. Nicht im Sinne von: Wir reiben uns die Hände. Keiner profitiert mehr davon, wenn es gut funktioniert, als wir." Mit gemischten Gefühlen beurteilt Hörmann die derzeitigen Forderungen nach einer völligen Unabhängigkeit der Welt-Anti-Doping-Agentur vom organisierten Sport. "›Sport raus‹ aus der WADA ist auf den ersten Blick sehr charmant. ›Sport raus‹ kann ja durchaus eine berechtigte Forderung sein, man muss aber dann die Frage stellen: Können auch Sport und Politik raus", sagte Hörmann, "weil die Politik noch viel weniger für einen internationalen Anti-Doping-Kampf getan hat. Dann ist die Frage, wer bleibt übrig?"

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