_1SPOHSPORT12-B_121636_4c
+
Stimmt die Ablöse, kann Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic vorzeitig wechseln.

Poker um Ablöse für Bobic eröffnet

Der Ball liegt in der Hälfte von Hertha BSC. Wenn der Berliner Fußball- Bundesligist Fredi Bobic als Sportchef verpflichten will, muss er ein paar Millionen Euro an den Ligarivalen Eintracht Frankfurt überweisen.

Im Grunde fehlte nur noch die Kontonummer. Alle anderen Infos hat die Chefetage von Eintracht Frankfurt in die Hauptstadt übermittelt. Wenn Fußball-Bundesligist Hertha BSC seinen Wunsch-Manager Fredi Bobic unbedingt vom Ligarivalen loseisen möchte, müssen die Berliner eine Stange Geld locker machen. Angeblich geht es um fünf Millionen Euro, die der Big City Club für den Eintracht-Sportvorstand überweisen soll.

Die Botschaft des Frankfurter Aufsichtsrats in Richtung Berlin war jedenfalls eindeutig. Sollte ein Klub »unmittelbar oder über Fredi Bobic mittelbar sein Interesse an einer vorzeitigen Anstellung von ihm bekunden«, ließ die Eintracht wissen, dann werde Aufsichtsratsboss Philip Holzer »im Interesse der Eintracht Verhandlungen über die Bedingungen einer vorzeitigen Auflösung des Vorstandsvertrages von Fredi Bobic« führen.

Die Zusätze, wonach Bobic »ohne jede Kündigungs- oder Ausstiegsmöglichkeit noch bis 30. Juni 2023« unter Vertrag stehe, der abwanderungswillige Sportchef dies bestätigt habe und »sich vertragskonform verhalten« werde, dürften nicht mehr als die üblichen Floskeln zu Beginn des Pokers um die Ablöse sein. Schließlich hat sich die Eintracht längst auf Nachfolger-Suche begeben.

Nun muss die Hertha entscheiden, ob sie den Ball aufnimmt. Angesichts der großen Pläne der Hauptstädter und eines angepeilten Investitionsvolumens in Höhe von 374 Millionen durch den Geldgeber Lars Windhorst erscheinen die fünf Millionen fast als die vielzitierten Peanuts. Erst am Mittwoch hatte der seit 100 Tagen im Amt befindliche Geschäftsführer Carsten Schmidt in einem Interview mit dem Magazin »Horizont« gänzlich unbescheiden klar gemacht, wohin die Reise gehen soll. Trotz der nach wie vor akuten Abstiegsgefahr ist die internationale Spitze das Ziel des Viertletzten.

»Wir haben einen Traditionsverein mit der Bereitschaft zur Veränderung und mit einer Finanzausstattung, die Hertha BSC bisher so nicht gekannt hat«, sagte Schmidt: »Wir wollen die größte Aufholjagd, die der deutsche und vielleicht der internationale Fußball je erlebt hat, einleiten und zum Erfolg führen. Wer jetzt den Weg mit uns gemeinsam geht und auf Hertha BSC setzt, der wird Teil dieser Erfolgsgeschichte.«

Da der frühere Hertha-Profi Bobic ganz offensichtlich Teil dieser Geschichte werden möchte, könnte es durch den Beschluss der Frankfurter sogar ganz schnell gehen. Wenn Hertha eine Ablöse zahlt, könnte der 49 Jahre alte Bobic sogar sofort anstatt wie angedacht im Sommer die Eintracht verlassen. Diese Lösung würde auch einen möglichen Interessenkonflikt verhindern. Schließlich kommen in Frankfurt bereits Fragen auf, ob Bobic noch für die Eintracht oder bereits für die Hertha plant.

Ein rascher Wechsel in die Hauptstadt würde auch in Schmidts Konzept passen. »Wir werden bis zum Ende der Saison die Strategie für die nächsten fünf Jahre erarbeiten«, äußerte der 57 Jahre alte Ex-Chef von Sky: »Unsere Ambition ist, dass dieser Klub die Stadt deutschlandweit, aber in Zukunft auch international repräsentiert, bestenfalls als Regel, nicht als Ausnahme.«

Derzeit ist der triste Alltag vom Kampf um den Klassenerhalt geprägt. »Daran arbeiten wir tagtäglich«, sagte Sportdirektor Arne Friedrich, auf dessen Arbeit eine Bobic-Verpflichtung direkte Auswirkungen hätte. Mit den Spekulationen will sich der Ex-Nationalspieler öffentlich nicht befassen. »Es ist nicht meine Aufgabe, über solche Themen nachzudenken«, sagte Friedrich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare