Martin Hinteregger (l.) trifft mit seiner Eintracht heute auf Ex-Klub Augsburg. FOTO: DPA
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Martin Hinteregger (l.) trifft mit seiner Eintracht heute auf Ex-Klub Augsburg. FOTO: DPA

Pokal-Schwung mitnehmen

  • vonred Redaktion
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Eintracht Frankfurt empfängt heute Abend Angstgegner FC Augsburg. Gegen tief stehende Gegner hat sich der heimische Fußball-Bundesligist zuletzt schwer getan - Stefan Ilsanker steht vor seiner Heimpremiere.

Bayern München? Abgefiedelt, fünf zu eins gar. RB Leipzig? Zur Strecke gebracht, einmal in der Liga, einmal im Pokal. Bayer Leverkusen? Abgefertigt. TSG Hoffenheim? Zweimal bezwungen, zu Hause und in der Fremde. Borussia Dortmund? Okay, der BVB konnte aus Frankfurt zumindest einen Punkt entführen, 2:2 Ende September. Alle anderen Topteams gingen leer aus. 16 von 25 Punkten hat die Eintracht gegen Mannschaften aus den Top Sieben geholt, die Bilanz gegen die Großkopferten kann sich also sehen lassen.

Kein Wunder, dass ein paar Spaßvögel vor der heutigen Partie gegen den Mittelständler FC Augsburg (20.30 Uhr) die an der Betonwand im Kellergeschoss hängende Bundesligatabelle ein wenig manipuliert haben und den auf Rang zehn parkenden FCA mit einem Handgriff schwuppdiwupp auf Platz zwei hievten.

Die Eintracht tut sich gegen Mannschaften, die aktiv sind und ein Spiel gestalten wollen, leichter als gegen Kontrahenten, die massiert sind, die Räume verdichten und auf Konter lauern. "Gegen defensiv kompakte Gegner muss man Lösungen finden. Das ist das Schwierige", befindet der Österreicher, der am Dienstag seinen 50. Geburtstag feiert, sich aber "im Kopf jung fühlt".

Die Entwicklung eines Spiels, das Auseinandernehmen eines sperrigen Widersachers, ja, das fällt seinem Ensemble, wie so vielen anderen auch, sehr schwer. Selbst Hütter hat seiner Mannschaft nach den ungestümen und ineffizienten Auftritten vor Weihnachten eine andere Herangehensweise eingepflanzt, man habe das gesamte Spiel "weiter nach hinten gebracht", weshalb der Gegner nicht so leicht zu Chancen oder Treffern kommt. "Wir haben jetzt fast nie ein Tor aus dem Spiel heraus bekommen", sagte Hütter. Von diesem Weg wird die Eintracht gewiss nicht abweichen, auch gegen die Augsburger nicht, die der Fußballlehrer als "gute Mannschaft" schätzt, "die sich nicht verstecken wird."

Die bayerischen Schwaben gehören nicht zu den Lieblingsgegnern der Eintracht, ganz im Gegenteil. In den letzten 14 Aufeinandertreffen konnten die Hessen das Feld nur zweimal als Sieger verlassen, auch die letzten beiden Begegnungen gingen verloren, das Heimspiel im Frühjahr 2019 (1:3) gilt bis heute als Knackpunkt, der den verkorksten Endspurt einleitete - in der Folge wurde die Teilnahme an der Champions League verspielt und die an der Europa League beinahe. Weshalb das so ist, vermag Hütter nicht einzuschätzen.

Beim Eintracht-Trainer ist deutlich zu spüren, dass er die Fuggerstädter dieses Mal nur zu gerne in die Schranken weisen würde. "Wir haben die Möglichkeit, mit drei Punkten an ihnen vorbeizuziehen, wir spielen zu Hause und haben eine gute Mannschaft beisammen. Ich wäre mit einem schmutzigen Sieg zufrieden."

Grundsätzlich ist der Trainer mit dem Verlauf der bisherigen Rückserie sehr einverstanden, auch wenn seine Formation nicht immer überzeugen konnte und in Düsseldorf etwa eine der schwächsten Saisonleistungen abgeliefert hat. "Aber wir sind ungeschlagen in 2020, haben drei von vier Spielen gewonnen - das ist Fakt." Beim Vorhaben, den gefürchteten Rivalen in die Knie zu zwingen, kann Mittelstürmer Bas Dost noch nicht mithelfen, er leidet noch an den Folgen eines Virus. Bezeichnend auch, dass das Fehlen des Niederländers plötzlich gar nicht mehr groß thematisiert wurde - eine überzeugende Leistung von André Silva reichte dazu schon aus. Sebastian Rode, gegen Leipzig mit einer Platzwunde ausgewechselt, könnte heute Abend aber zur Verfügung stehen.

Oder aber Stefan Ilsanker rutscht ins Team. Der Neuzugang aus Leipzig, auf den Hütter sehr große Stücke hält, hat sich bei den Eintracht-Fans vor seiner Heimpremiere ja noch mal wortreich entschuldigt, weil er sie vor gut zwei Jahren im Zuge der Montagsdemo samt aufs Feld geworfener Tennisbälle als "Vollidioten" bezeichnet hatte. Für den Coach ist das kein großes Problem. "Er wird immer sein Wort sagen", bekundete Hütter. "So habe ich ihn kennengelernt."

Er habe die Eintracht-Fans nun "zu Recht über den grünen Klee" gelobt, und nach seiner Einwechslung in Düsseldorf sei er trotz vereinzelter Pfiffe auf die Anhänger zugegangen. "Das ist mutig." Das sei ein Wesenszug des Österreichers. "Er ist mit Leib und Seele bei der Eintracht. Wenn er die ersten Zweikämpfe gewinnt, wird er schnell ein Spieler sein, den die Fans ins Herz schließen werden." Für Hütter selbst sind das nur Randaspekte, er schätzt den kantigen Abräumer als "Mentalitätsspieler", der der Mannschaft helfen werde. "Er macht hier eine sehr gute Figur."

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