Im deutschen Fußball sind am Wochenende beim DFB-Pokal in vielen Stadien wieder Zuschauer erlaubt - allerdings stark begrenzt. FOTO: DPA
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Im deutschen Fußball sind am Wochenende beim DFB-Pokal in vielen Stadien wieder Zuschauer erlaubt - allerdings stark begrenzt. FOTO: DPA

Pokal als Flickenteppich

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(sid). In Leverkusen werden es immerhin 300 Zuschauer sein, in Rostock dürfen sogar 7500 Fans für Stimmung sorgen, in Wolfsburg und ganz Bayern hingegen bleiben die Tribünen leer: Wenn am Wochenende die erste Runde des DFB-Pokals steigt, dürfen sich viele Klubs auf die Rückkehr der Fans in die Stadien freuen - doch längst nicht alle, der Flickenteppich weist gewaltige Löcher auf.

Denn nirgends tritt der Corona-Föderalismus so offen zutage wie am kommenden Pokal-Wochenende, die Situation ist in jedem Bundesland, in jedem Stadion anders. Und während beispielsweise in den Ost-Bundesländern schon wieder Tausende Besucher in die Arenen strömen werden, bleibt es in Bayern gemäß Landesverordnung bis 18. September bei den ungeliebten Geisterspielen. Und das schmeckt freilich nicht jedem.

"Aus unserer Sicht ist das extrem unbefriedigend", sagte Greuther Fürths Geschäftsführer Holger Schwiewagner dem Online-Portal nordbayern.de. Kurioserweise hätte Fürths Partie beim Fünftligisten RSV Meinerzhagen, wo sie vor dem Heimrechttausch des Amateurklubs ausgetragen werden sollte, vor Zuschauern stattfinden können, in Nordrhein-Westfalen sind Fans nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Deshalb werden etwa die Bundesligisten Bayer Leverkusen (gegen Eintracht Norderstedt) und Borussia Mönchengladbach (gegen den FC Oberneuland) immerhin jeweils 300 Besucher begrüßen dürfen.

Im Vergleich zum Osten, wo das Infektionsgeschehen deutlich geringer ist, sind das aber Peanuts. Der 1. FC Magdeburg darf sein Heimspiel gegen den Zweitligisten Darmstadt 98 am Sonntag vor 5000 Fans bestreiten. Und sogar 7500 Zuschauer sind im Rostocker Ostseestadion erlaubt, wenn Hansa am selben Tag Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart empfängt.

Dieser nationale Flickenteppich gefällt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) überhaupt nicht. "Ich denke, für Akzeptanz insgesamt wäre ein einheitliches Vorgehen besser", sagte er, auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch plädierte für einheitliche Regeln. "Im Moment kommt es mir doch sehr vor, dass man in jedem Bundesland immer weiter sein will als der andere", sagte er bei Bayern 2: "Das versteht kein Fan."

Der Pokal ist dabei nur ein erster Vorgeschmack, denn auch zum Ligastart am 18. September droht ein ähnliches Durcheinander. So dürfen etwa bei Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig schon wieder 8500 Fans ins Stadion.

Auf ähnliche Zahlen hatte der MSV Duisburg für das Pokal-Highlight gegen Vizemeister Borussia Dortmund gehofft. Das Konzept für 8000 Zuschauer wurde aber abgelehnt, nur 300 Fans werden es am Montag sein. Und die darf der MSV noch nicht einmal auswählen, denn die Tickets seien "bereits vertraglich an die DFB-Zentralvermarktung und Sponsoring-Vereinbarungen gebunden", hieß es in einer Klubmitteilung.

Der DFB-Pokal wird damit auch zum Anschmecker auf die Probleme, die begrenzte Kontingente hervorrufen. Denn während Mainz 05 für seine 1000 Tickets gegen den Regionalligisten TSV Havelse Dauerkarteninhabern ein Vorkaufsrecht einräumt, sorgte bei Drittligist Waldhof Mannheim eine Lösung mit VIP-Tickets für reichlich Kritik.

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