Olympische Geisterspiele?

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(sid). Das drohende Szenario von olympischen Geisterspielen konnte Dirk Schimmelpfennig die gute Laune nicht verderben. »Sicherlich wären Zuschauer in den Sportstätten schöner, als wenn wir Geisterspiele austragen«, sagte der Chef de Mission der deutschen Olympia-Mannschaft im Interview, bevor er am Dienstagnachmittag die Reise nach Tokio antrat: »Es ist den Sportlern aber lieber, nur vor ganz wenigen oder gar keinen Zuschauern anzutreten, als gar nicht.

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Zwei Wochen vor dem Start der ersten Wettbewerbe verdichten sich die Anzeichen, dass die von den Organisatoren ohnehin schon streng limitierten Zuschauerkapazitäten noch einmal herabgesetzt werden - sofern überhaupt noch Fans zugelassen werden. Denn in Tokio soll angesichts steigender Fallzahlen während der Spiele (23. Juli bis 8. August) wieder der Corona-Notstand ausgerufen werden. Über entsprechende Pläne der japanischen Regierung berichteten lokale Medien am Mittwoch übereinstimmend. Die ersten Geisterspiele der Sport-geschichte werden damit immer wahrscheinlicher.

»Es wird in Tokio kein zweites Wembley geben«, sagte DOSB-Vorstandschefin Veronika Rücker: »Die Veranstalter werden die Kapazität der Hallen und Stadien nicht annähernd ausschöpfen. Wir begrüßen es sehr, dass die Gastgeber diese Frage laufend an die aktuelle Pandemie-Situation anpassen. Im Mittelpunkt steht der Schutz unserer Athletinnen und Athleten, denen wir alle den Traum von olympischen Wettkämpfen ermöglichen wollen, und der japanischen Bevölkerung. Hierzu gehört auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Thema Zuschauer.«

Momentan gilt noch ein Limit von 10 000 Zuschauern oder der Hälfte der Kapazität jedes Veranstaltungsortes, unter Vorbehalt. Die Sorgen, dass die Spiele zu einem Superspreader-Event werden könnten, sind allgegenwärtig. Zuschauer aus Übersee sind in Japan bereits ausgeschlossen worden. Die Eröffnungsfeier am 23. Juli soll wegen der angespannten Corona-Lage nur mit einer reduzierten Anzahl an VIPs und Funktionären stattfinden.

»Schutzmaßnahmen und Hygienekonzepte sind das Wichtigste«, sagte Schimmelpfennig: »Eine Regelung mit Zuschauern unter Einhaltung aller zu treffenden Vorsichtsmaßnahmen wäre uns natürlich am liebsten, aber wir wollen auf keinen Fall eine Zuschauerzulassung für den Preis der Gesundheit.«

Trotz der ungeklärten Zuschauerfrage und nach wie vor steigender Inzidenzzahlen in Japan startete Schimmelpfennig am Dienstag mit »großer Vorfreude« in das Tokio-Abenteuer. In der Mannschaft herrsche Euphorie. »Für viele Sportarten sind die Olympischen Spiele eine Art Startschuss. Sie sehen, es geht jetzt wieder los. Das kann ein gutes Signal sein«, sagte der DOSB-Leistungssportchef.

Ähnlich formulierte es Rücker. »Sportdeutschland braucht Hoffnung und Zuversicht«, sagte sie und wies auf den Verlust von rund einer Million Mitgliedschaften in den Vereinen allein 2020 hin. Die Olympischen und Paralympischen Spiele seien ein »starkes Signal mit Strahlkraft weit über Tokio hinaus«: »Wir brauchen die Vorbilder aus dem Team D, damit Kinder und Jugendliche sich für die Sportarten begeistern und den Helden im Verein nacheifern. Hier gibt Olympia einen Motivationsschub.«

434 Sportlerinnen und Sportler umfasst die deutsche Olympiamannschaft. Deutsche Ruderer und Boxer sind bereits vor Ort. Besorgt um die Sicherheit und Gesundheit der Athleten ist Schimmelpfennig nicht. »Wir wissen, dass eine große Herausforderung auf uns wartet und es im Vergleich zu den Olympischen Spielen zuvor eine Herkulesaufgabe wird mit all den Einschränkungen und Corona-Maßnahmen, die man in Japan ergreift. Aber all das ist notwendig, um die Athleten und die Betreuer vor Ort in Tokio zu schützen«, sagte er. Das deutsche Team sei weitestgehend durchgeimpft, die Impfquote liege »deutlich« über 90 Prozent.

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