Blick zurück: Hartwig Gauder durchläuft bei der EM 1996 in Stuttgart das Ziel des 50-km-Wettbewerbes und wird Europameister. ARCHIVFOTO: DPA
+
Blick zurück: Hartwig Gauder durchläuft bei der EM 1996 in Stuttgart das Ziel des 50-km-Wettbewerbes und wird Europameister. ARCHIVFOTO: DPA

Olympiasieger mit den drei Herzen

  • vonSID
    schließen

(sid). Der letzte große Wunsch des Hartwig Gauder blieb unerfüllt. "Mit dem eigenen Herzen habe ich 42 Jahre gelebt, das will ich auch mit dem transplantierten Organ erreichen und 84 werden", sagte die Geher-Legende einmal. Doch nun hat sein Spenderherz aufgehört zu schlagen. Gauder, der Olympiasieger, der Weltmeister, der Europameister, erlag am Mittwoch im Alter von 65 Jahren einem Herzinfarkt. Wegen seiner Krankheitsgeschichte wurde er oft als "Olympiasieger mit den drei Herzen" bezeichnet.

Am 30. Januar 1997 wurde Gauder ein Spenderherz transplantiert, die Ärzte gaben dem Thüringer damals "nur fünf bis sechs Jahre", wie er selber sagte. Doch Gauder war ein Kämpfer. Wer die Wahnsinns-Strecke über 50 km geht, gibt nicht so schnell auf. Gauder biss sich trotz aller Widrigkeiten zurück ins Leben. Er wurde Diplom-Architekt, arbeitete in Jena am Universitätsklinikum und später in Thüringen im Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit. Bis zuletzt beging er den 30. Januar im stillen "Gedenken, an die Person, die mir das alles durch ein besonderes Geschenk ermöglicht hat." Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), würdigte Gauder als "eine herausragende Persönlichkeit des Sports". Gauder, der in Vaihingen/Baden-Württemberg geboren wurde und als Kleinkind mit den Eltern - sie hatten in Thüringen ein Haus geerbt - in die DDR übersiedelte, hatte seine ganz große sportliche Zeit in den 80er Jahren. In Moskau holte er 1980 Olympia-Gold, 1986 in Stuttgart wurde er Europameister, ein Jahr später in Rom Weltmeister, außerdem gewann er noch drei weitere Medaillen bei internationalen Meisterschaften.

Doch seinen größten Sieg feierte Gauder, als die Geher-Karriere bereits beendet war. 1995 sackte Gauders Herzleistung nach einer Bakterieninfektion auf 16 Prozent ab, wenig später musste er auf die Transplantations-Warteliste gesetzt werden. Zehn Monate lebte er mit einem künstlichen Herzen, ehe er vor 23 Jahren ein neues Organ bekam. 2014 führte eine Abstoßungsreaktion zu Problemen und desolaten Werten. Nachdem diese Probleme überwunden waren, konnte Gauder wieder zweimal pro Woche Sport machen. Zudem zeigte er, was mit einem neuen Herz möglich ist: Schon 1998 lief er den New-York-Marathon, 2003 bestieg er den heiligen Berg Fuji in Japan. Nur sein letzter Wunsch blieb unerfüllt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare