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Ohne weitere Worte

Vor der WM schwer gefoult, in einem belanglosen Länderspiel. (...) Er wurde in Rio als Abwesender gefeiert - was ihn zugleich gerührt, aber auch zu einem sehr verlassenen Mann gemacht haben muss: ein Beinahe-Weltmeister auf der einsamen Insel, gestrandet in den eigenen vier Wänden. Seitdem gibt es in der Fußballöffentlichkeit den Impuls, Reus zu trösten und zu einem Weltmeister der Herzen küren zu wollen. (Peter Kümmel im Zeit-Magazin)

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"Zu seinem Alltag gehört es, ständig darüber nachzudenken, zu welcher Uhrzeit er was am besten macht, um unbeobachtet zu bleiben." (...) - Hut und Sonnenbrille aufsetzen bringen da auch nichts, mit 2,13 Metern kann man sich nicht verstecken. - "Hut und Sonnenbrille sind nur für 1,80 Meter große Fußballer eine Option. Da sagen die Leute: War das gerade Marco Reus oder sah der nur so aus? Bei Nowitzki ist es so, dass er für die meisten, selbst wenn sie ihn nicht erkennen, immer noch der größte Mensch ist, den sie jemals gesehen haben." (Thomas Pletzinger, Autor des Buches "The Great Nowitzki", im taz-Interview)

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Wären Sie als Spieler der heutigen Generation ein anderer? - "Weder Günter Netzer noch ich wären unter den heutigen Bedingungen die geworden, die wir sind. (...) Ich wäre mit zehn zum FC Bayern gekommen, wäre einer dieser Spieler, die mit zwölf schon ein, zwei Berater um sich haben. Und vermutlich wäre ich heute tätowiert." (Paul Breitner im Welt-Interview)

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Zu Ihrem legendären Tor im Pokalfinale 1973 sagten Sie, dieser Treffer sei mit Fernsteuerung oder Glück zu erklären. Glauben Sie an Zufall, Schicksal, Gott? - "Gott wollte ich in solche Banalitäten nicht involvieren." (Günter Netzer im Kicker-Interview)

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18. Das Spiel bisher wie ein Badezimmermülleimer: Viel Tempo drin, ansonsten wenig Leckeres. (aus dem Liveticker BVB - Bayer des Fußballmagazins 11Freunde)

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Viele behaupten, Fußball sei kein Sport, sondern Entertainment. Die Klubchefs sprechen nur noch von "Emotions". Die rechnen natürlich ganz schnell nach. So ein Trikot kostet 2 Euro in der Produktion, wird aber für 80 Euro an zehn Millionen kleine Kinder verkauft. Es geht um die Emotion - und zwar total standardisiert. Man weiß ja auch nicht mehr, wer eigentlich wo spielt. Die Spieler müssen sich über Frisuren definieren - und über Tattoos und Jubelposen. (Thomas Schütte in der Neuen Zürcher Zeitung)

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"Alles, was nach den Schauen nicht in den Verkauf geht, wird verbrannt, weil die Marken nicht wollen, dass ihr Ausschuss in Secondhandläden landet. Sie verbrennen die Kleider, die Stoffe, das Fell, das Leder. Und sie lassen sich die zerstörten Mengen notariell beglaubigen, damit sie das von der Steuer absetzen können." (Jean Touitou, Gründer des Modelabels A.P.C., im Interview des SZ-Magazins)

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Als Sie bei der EM 2018 Staffel-Bronze holten, bezeichnete das ZDF das Quartett auf Twitter als "Flotten Vierer". Was halten Sie davon? - "Das sind Sachen, die ich weglächele. (...) Ich verstehe nicht, warum manche Leute alles immer als Angriff oder Beleidigung wahrnehmen. (...) Es kommt immer sofort: Hätte man einen Mann das auch gefragt? Da denke ich immer: Mein Gott. Ein bisschen Lachen schadet niemandem." (Gina Lückenkemper im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

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Deutschland und die E-Scooter. Das ist, als werfe sich in ein voll besetztes Schwimmbecken eine Horde Pubertierender hinein, die nicht im Ansatz daran denken, auf andere Rücksicht zu nehmen. Und der Bademeister? Lässt sie nicht nur gewähren, sondern feuert sie noch an. In diesem Fall heißt er Andreas Scheuer. (ein Autorenteam im Spiegel)

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Weinen Sie vor Ihren Kindern? - "Nein, nein, nein. (...) Ich erlebe ja auf dem Schulhof, dass andere Väter schon heulen, wenn sie den Schulhof überhaupt finden. Das ist wie das Umarmen. Deutschland verliert, glaube ich, täglich zwanzig Prozent seines Bruttosozialprodukts durch Umarmen. Ich staune, wer alles wen wie lange umarmt." (Harald Schmidt, Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, in einem ansonsten angemessen ernsthaften FAS-Interview) (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

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