_1SPOHSPORT201-B_154443_4c
+
Frankfurts Trainer Adi Hütter sieht seine Elf derzeit auf einem guten Weg.

Nur nicht schludern

  • vonRedaktion
    schließen

Kein Bundesliga-Team ist derzeit so gut in Form wie Eintracht Frankfurt. Trainer Adi Hütter genießt die Situation und hofft auf weitere Punkte in Richtung Königsklasse. Offensiv hat er die Qual der Wahl. Andererseits warnt er auch.

Dieser Tage ist der just 51 Jahre alt gewordene Frankfurter Trainer Adi Hütter gefragt worden, ob er sich nicht langsam so fühlt wie ein Coach des FC Bayern, dessen Hauptaufgabe es ja zu sein scheint, die Mannschaft bei Laune zu halten: bestens kicken können sie ohnehin. Der Mann hat da nur gegrinst, natürlich nicht, die momentane Erfolgsstory der Frankfurter Eintracht mit den sieben Siegen in acht Spielen sei das Produkt harter und konsequenter Arbeit auf dem Trainingsplatz. Und wenn »wir auch nur einen Prozentpunkt nachlassen«, fürchtet der Fußballlehrer, werde man die Spiele nicht mehr so erfolgreich gestalten können.

Genau darauf legt Adi Hütter jetzt sein Augenmerk: dass keiner schludert, nachlässig wird oder meinen könnte, es laufe von selbst. Glücklicherweise gebe es im aktuellen Team aber keinen, der so denkt. Hütter ist voll des Lobes über Mentalität und Arbeits-ethos seines 22 Mann starken Kaders, alle seien vollauf fokussiert. »Die Jungs haben einen super Charakter«, selbst wenn sie in den Spielen einen Schlag abbekommen hätten oder leicht angeschlagen seien, stünden sie anderntags auf dem Trainingsplatz.

Prima findet er das, denn die einzige Gefahr, die der Coach bei dem aktuellen Flow sieht, ist die, dass man womöglich »etwas schleifen lassen« könnte. »Wir müssen im Training hundertprozentig zur Sache gehen«, dann könnte die Serie fortgesetzt werden. Falls er Nachlässigkeiten entdecke, werde er einschreiten.

Als »Phänomen« bezeichnet er auch die Tatsache, dass weiterhin kaum Verletzungen zu beklagen seien, alle Mann seien fit, auch Aymen Barkok, zuletzt leicht lädiert. Deswegen gibt es auch keinen Anlass, am Sonntag zum Heimspiel gegen den 1. FC Köln (Sky/15.30 Uhr) personell Veränderungen vorzunehmen. Das bedeutet, dass Luka Jovic oder auch Sebastian Rode erneut mit einem Platz auf der Ersatzbank rechnen müssen. Eines will der Österreicher nach wie vor auf keinen Fall tun: »Die Euphorie bremsen.«

Auch Lob der Gegner dürfe die Mannschaft nicht dazu verführen, nachzulassen oder hochnäsig zu werden. In Köln äußert sich etwa deren Trainer Markus Gisdol regelrecht begeistert über Eintracht Frankfurt. »Der Klub hat einen beeindruckenden Weg hinter sich, 2016 waren sie noch in der Relegation und haben sich seitdem Jahr für Jahr weiterentwickelt. Man schwärmt oft von ihrem Offensivspiel, aber das hat seinen Ursprung in der starken Zweikampfführung«, sagte Gisdol: »Körperlich ist es eine der stabilsten Mannschaften der Liga, das ist der Schlüssel zu ihrem Spiel.«

Natürlich kennt auch Adi Hütter derlei Lobpreisungen. »Wir kriegen viele Komplimente. Das ist schön, auf der einen Seite. Aber das wurde uns nicht geschenkt.« Er macht auch kein Hehl daraus, dass er derlei Artigkeiten für berechtigt hält. »Wir sind eine sehr, sehr gute Mannschaft«, hat er erst kürzlich nach dem Auswärtssieg in Hoffenheim gesagt. »Es ist derzeit nicht leicht, uns zu schlagen«.

Da ist es Adi Hütter »komplett egal«, dass es Eintracht Frankfurt in dieser Saison noch nie gelungen ist, zu Hause zu null zu spielen, ohnehin hat Torhüter Kevin Trapp, dessen Marktwert übrigens um eine Million Euro (von acht auf sieben Millionen Euro) gesunken ist, während der von André Silva (von 28 auf 37 Millionen) oder von Amin Younes (von fünf auf 7,5 Millionen) deutlich gestiegen ist, erst zweimal in dieser Runde eine weiße Weste behalten - bei den beiden 2:0-Siegen gegen Augsburg und Mainz. Das sei, sagte Hütter, »ein Jammern auf sehr, sehr hohem Niveau«. Wenn er es sich aussuchen dürfte, würde »ich nie unsere Offensivpower dagegen tauschen, dass wir immer zu null spielen«, sagte der 51-Jährige. Hauptsache, man gewinne. »Dass wir manchmal Räume anbieten, ist unserem offensiven Spielstil geschuldet«, findet Hütter, der weiterhin mit seinem Team für Spektakel sorgen will.

Und gegen den 1. FC Köln haben die Hessen noch eine Rechnung offen: Im letzten Heimspiel setzte es gegen die Rheinländer eine 2:4-Niederlage, nach eigener 2:0-Führung, eine »der bittersten Niederlagen in meiner Frankfurter Zeit«, erinnert sich der Österreicher. Das soll korrigiert werden. Und als nachträgliches Geburtstagsgeschenk sind Siege ohnehin das, was sich Trainer am meisten wünschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare