Pokal-Rückblende: Am 3. März feiert Saarbrückens Schlussmann Daniel Batz durch ein 7:6 im Elfmeterschießen über Fortuna Düsseldorf den sensationellen Einzug ins DFB-Pokalhalbfinale. Heute will der Regionalligist gegen Bundesligist Bayer Leverkusen nachlegen und das Ticket nach Berlin buchen. FOTO: DPA
+
Pokal-Rückblende: Am 3. März feiert Saarbrückens Schlussmann Daniel Batz durch ein 7:6 im Elfmeterschießen über Fortuna Düsseldorf den sensationellen Einzug ins DFB-Pokalhalbfinale. Heute will der Regionalligist gegen Bundesligist Bayer Leverkusen nachlegen und das Ticket nach Berlin buchen. FOTO: DPA

Von null auf 100

  • vonSID
    schließen

Fußball-Viertligist 1. FC Saarbrücken will sein Pokal-Märchen gegen Bayer Leverkusen fortsetzen. Ein Finaleinzug der Saarländer wäre die wohl größte Sensation in der Geschichte des deutschen Fußballs.

Es waren bereits vier Siege für die Ewigkeit, doch nun wittert der 1. FC Saarbrücken im DFB-Pokal das größte Wunder in der Geschichte des deutschen Fußballs. Ein Viertligist im Finale und das unter diesen Umständen, dass wäre wie die "Wiedergeburt Jesu Christi", sagte FCS-Trainer Lukas Kwasniok. Angesichts der fehlenden Spielpraxis, wenig Training und eines leeren Stadions erscheint ein Erfolg im Halbfinale am Dienstag (20.45 Uhr/Sky und ARD) gegen Champions-League-Anwärter Bayer Leverkusen utopisch.

"Wenn man ehrlich ist, haben wir keine Chance", sagte Mittelfeldspieler Tobias Jänicke vom Ligakonkurrenten des FC Gießen: "Aber das ist ein Halbfinale. Wenn man da steht, dann will man natürlich auch ins Finale und die verschwindend geringe Chance nutzen." Auch Kwasniok gibt sich kämpferisch. "Die Chance ist bei einem Prozent. In 99 von 100 Spielen werden wir nicht als Sieger vom Platz gehen. Aber der 9. Juni kann ein ganz besonderer Tag werden. Wir wollen ihn zu einem Feiertag machen im Saarland", sagte der Coach dem Saarländischen Rundfunk.

Für dieses Vorhaben hat der gebürtige Pole seit Wochen an einem "Schlachtplan" gefeilt. "Der wird in die Richtung gehen, dass wir einfach voller Überzeugung unser eigenes Tor verteidigen. Wir wollen eine Schlacht liefern und dem Gegner den Willen rauben, gegen uns ein Tor zu erzielen", sagte der ehemalige Jenaer: "Wir müssen mit allem, was wir haben, verteidigen und dann hoffen, dass wir vorne einen reinstolpern."

Sorgen bereitet ihm nach dem vorzeitigen Abbruch der Regionalliga Südwest allerdings die fehlende Wettkampfpraxis, das letzte Pflichtspiel ist für den ersten Viertligisten im Halbfinale des DFB-Pokals am Dienstag bereits 94 Tage her. "Die Wettkampfhärte können wir nicht simulieren", gibt Kwasniok zu: "Ich hoffe, dass wir die ersten 15, 20 Minuten schadfrei überstehen und uns dann nach und nach in dieses Spiel reinbeißen."

Als kleiner Vorteil bleibt allerdings trotz der fehlenden Fans, die auf dem histori-schen Siegeszug gegen Jahn Regensburg, den 1. FC Köln, den Karlsruher SC und Fortuna Düsseldorf noch ein "Faustpfand" (Jänicke) waren, aber die Dorfplatzatmosphäre in Völklingen. "Vielleicht ist es sogar noch ein bisschen schlimmer, wenn gar keine Zuschauer da sind. Wir müssen es zu unserem Vorteil nutzen, dass das keine Arena ist, wie sie die Leverkusener kennen", sagte Viertelfinal-Torschütze Jänicke.

Für Bayer dürfte es drei Tage nach dem Spitzenspiel in der Bundesliga gegen Bayern München (2:4) tatsächlich die größte Herausforderung werden, sich in diesem Ambiente gegen einen scheinbar klar unterlegenen Gegner zu motivieren. Doch Bayer-Trainer Peter Bosz, dem Topstar Kai Havertz weiter mit muskulären Problemen fehlt, duldet bei aller Überlegenheit keine Nachlässigkeiten.

"Pokalfinale!", antwortete der Niederländer kurz und knapp auf die Frage nach der Motivation für seine Spieler: "Dass man mit einem Spiel ins Endspiel kommen kann, das muss etwas Besonderes sein. Das muss reichen."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare