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Noch einmal Glück gehabt

Der Einsatz stimmt. Das Ergebnis stimmt. Allerdings ist Eintracht Frankfurt beim Schlusslicht Greuther Fürth vieles schuldig geblieben. Und Besserung ist so schnell nicht in Sicht.

Es ist schon erstaunlich, welch große Gefühle so ein schmuckloser 2:1-Erfolg beim Tabellenschlusslicht hervorrufen kann. Da werden plötzlich gestandene Männer, 31 Jahre alt, Nationalspieler, WM-Teilnehmer, zu kleinen Burschen, die sich ihrer inneren Wallung nicht mehr erwehren können und es einfach fließen lassen. So wie Kevin Trapp, der Torhüter der Glücksjäger aus Frankfurt, der nach dem Abpfiff dieses turbulenten und wilden Bundesligaspiels am Ronhof zu Fürth mit feuchten Augen vom Platz stiefelte. Der Schlussmann hat gar nicht erst versucht, die Tränen zu unterdrücken, weshalb auch, ist ja nichts dabei, und doch zeigt es, wie viel auf dem Spiel steht und wie viel Druck auf dem Kessel ist.

Auf Eintracht-Trainer Oliver Glasner, ein ruhiger Vertreter seines Fachs, der aber während des Spiels auch zum Vulkan werden kann, haben Trapps Tränen der Erlösung Eindruck gemacht. »Wenn man sich die Emotionen von Kevin ansieht, dann merkt man, wie viel es den Jungs bedeutet, was Eintracht Frankfurt den Jungs bedeutet«, sagte der Österreicher ein wenig pathetisch: »Deswegen geben sie auch alles. Sonst wäre das alles nicht möglich.«

Glasner meint diesen ganz normalen Eintracht-Wahnsinn, diese Widerstandsfähigkeit und wehrhafte Einstellung, die es der Mannschaft ermöglicht, auf den letzten Metern und in den letzten Sekunden noch etwas zu vollbringen, was kaum noch jemand für möglich halten würde - außer man weiß halt um diese spezielle Qualität der Truppe, eben nie aufzustecken und immer noch mal zurückschlagen zu können. Der Coach selbst fasst die letzten acht Tage mit sieben Punkten aus drei Pflichtspielen im Zeitraffer zusammen: »Ausgleich gegen Leipzig in der 94. Minute, Siegtreffer in Piräus in der 92. Minute, Siegtreffer in Fürth in der 94. Minute. Das wäre nicht möglich, wenn nicht jeder mit Herz und Seele dabei wäre.« Da hat er wohl recht, der Fußballfachmann aus Salzburg.

In Fürth war es der zuvor eher unsichtbare Rafael Borré, der eine Flanke von - natürlich - Filip Kostic zum 2:1-Siegtreffer in die Maschen schob. Mit dem letzten Angriff und nachdem die Eintracht nur zwei Minuten zuvor einen absoluten »Genickschlag« (Glasner) kassierte, weil Cedric Itten in der zweiten Minute der Nachspielzeit die Frankfurter Führung durch Sebastian Rode ausgleichen konnte. »99 von 100 Mannschaften kommen nicht mehr zurück«, sagte Glasner. Glasner, einmal in Fahrt, legte mit einem Trommelfeuer der Lobpreisungen nach: »Ich bin mächtig stolz, die Mannschaft ist zu 100 Prozent intakt, wir glauben immer an uns.«

Das alles ist zutreffend, die Chemie stimmt, der Charakter ebenso, der Behauptungswille ist ausgeprägt. Dieses Ensemble sollte man wirklich erst abschreiben, wenn der letzten Pfiff ertönt ist. Und doch gibt es ein paar Punkte, über die die Verantwortlichen nicht einfach hinweggehen können. Denn die spielerische Armut ist gravierend. Im ersten Abschnitt schafften es die Frankfurter kaum einmal, die Kugel über mehr als zwei Stationen zu passen. Selbst die Letzten aus Fürth, die Ausgeburt der Harmlosigkeit, schafften es, die Eintracht in Verlegenheit zu bringen und eine für ihre Verhältnisse sensationelle Ballbesitzquote von 63 Prozent zu erschaffen.

»Wir wollen in vielen Bereichen besser werden, aber momentan ist das aufgrund des dichten Spielplans nicht möglich«, räumte der 47-jährige Glasner ein. Jetzt etwa seien wieder 13 Nationalspieler auf Reisen, anschließend stehen acht Spiele in vier Wochen an. »Es sind bis zum Winter nur ganz, ganz kleine Schritte, die wir machen können«, befindet Glasner. »Momentan leben wir nur von der Mentalität der Jungs.«

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