Chancenlos im Ferrari: Sebastian Vettel. FOTO: DPA
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Chancenlos im Ferrari: Sebastian Vettel. FOTO: DPA

Nichts hält Hamilton auf

  • vonSID
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Mit Vollgas Richtung Titel - und wenn es im Mercedes-Dreirad ist. Zum siebten Mal gewann Lewis Hamilton sein Heimspiel in Silverstone, es war wohl der spektakulärste und kurioseste seiner bisher 87 Grand-Prix-Siege.

Erst rutschte Lewis Hamilton das Herz in die Hose, dann blieb es fast stehen, doch am Ende war alles wie immer: Als sich am Mercedes des Formel-1-Weltmeisters eine halbe Runde vor dem Ziel des britischen Grand Prix in Silverstone der linke Vorderreifen in seine Einzelteile auflöste, setzte die Siegmaschine im Cockpit des "Dreirads" alles auf eine Karte: "In Kurve 15 habe ich gemerkt, jetzt rutscht der Reifen von der Felge, jetzt wird es echt hart. Da habe ich einfach Vollgas gegeben."

Es reichte, Hamiltons Vorsprung war so groß, dass Verfolger Max Verstappen im Red Bull ihn nicht mehr vor der Ziellinie abfangen konnte. Kopfschüttelnd stand der Weltmeister im Parc ferme vor seinem Auto, das Corpus Delicti hatten die Mercedes-Mechaniker in Windeseile mit einer pinkfarbenen Plane vor den neugierigen Blicken der Konkurrenz versteckt.

Die verliert im WM-Rennen immer mehr an Boden. Dass Hamilton am Ende der Saison zu Rekord-Weltmeister Michael Schumacher aufschließt, scheint bereits jetzt in Stein gemeißelt. In der WM-Wertung trennen ihn nach seinem dritten Saisonsieg im vierten Rennen bereits 30 Punkte von Verfolger Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Dessen Ausrutscher zwei Runden vor dem Ziel ebenfalls nach einem Reifenschaden verhinderte einen weiteren Mercedes-Doppelsieg. So erbte Ferrari-Pilot Charles Leclerc den dritten Platz.

Weit weg vom Geschehen an der Spitze schleppte Sebastian Vettel den zweiten Ferrari als Zehnter ins Ziel, aus seinem Frust machte der viermalige Weltmeister danach keinen Hehl. "Es ist grundlegend was faul, entweder bei mir oder im Auto", sagte Vettel bei RTL: "Es ist nicht die schönste Zeit, es war eher ein Retten als ein Attackieren." Er fühle sich "überhaupt nicht wohl, das ganze Wochenende war der Wurm drin".

Ein solcher Wurm verhinderte auch das mit Spannung erwartete Comeback von Nico Hülkenberg im Racing Point. Der Emmericher erlebte das Rennen als Zuschauer, nachdem er am Donnerstag als Ersatz für den positiv auf Corona getesteten Mexikaner Sergio Perez eingeflogen worden war. "Vor mir liegt das härteste Rennen meiner Karriere", hatte er voller Vorfreude gesagt: "Es wird eine Herausforderung, auf die ich mich freue."

Die Freude war von kurzer Dauer, ein Defekt an der Antriebseinheit stoppte Hülkenberg schon auf dem Weg in die Startaufstellung. Der Computer hatte eine Fehlermeldung gesendet, alle Versuche der Mechaniker, diesen Fehler rechtzeitig zu finden und zu beseitigen, scheiterten.

"Ganz genau kann ich nicht sagen, was los war", erklärte Hülkenberg am RTL-Mikrofon: "Der Motor war nicht zu starten. Das ist bitter. Ein krasser Krimi, in dem ich mich befinde. Es ging nix, da war nix zu reparieren." Ob er es nächste Woche an gleicher Stelle erneut versuchen darf, entscheidet sich laut Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer "spätestens am Donnerstag".

Lewis Hamilton bemühte sich derweil auch einige Zeit nach Ende des Rennens noch um eine Erklärung für das, was ihm da eigentlich genau passiert war. "Bis zur letzten Runde war alles easy. Ich bin quasi dahingesegelt", erzählte er. Als er dann gehört habe, "dass sich der Reifen bei Valtteri verabschiedet hat, habe ich etwas langsamer gemacht, aber plötzlich ging auch bei mir die Luft raus." Sein Herz sei fast stillgestanden: "Deswegen war ich wohl so cool."

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