Nicht-Entscheidung als Entscheidung

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(sid). Keine 24 Stunden nach dem vermeintlichen Rückschlag gingen die Fußball-Bosse schon wieder in die Offensive. Als "klares Signal" für ein baldiges Comeback der Zuschauer wertete Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den Corona-Gipfel, sein Kollege Alexander Wehrle vom 1. FC Köln war ebenfalls "sehr zuversichtlich". Im November, so die einhellige Interpretation, werden die Stadiontore geöffnet.

Dabei hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten bei der Konferenz am Donnerstag überhaupt keinen Stichtag dafür festgelegt. Sie nahmen die Bundesliga und alle weiteren bundesweiten Sportveranstaltungen lediglich vom Beschluss aus, dass bis zum Jahresende Großveranstaltungen untersagt bleiben. Das Glas, wenn man so will, war dennoch halbvoll. Mindestens.

"Meiner Meinung nach sind die Beschlüsse ein Zeichen der Politik, dass man ab Anfang November wieder mit Zuschauern spielen möchte", sagte Watzke der "WAZ". Sollte sich diese Wunschvorstellung tatsächlich erfüllen, könnte es wohl keinen besseren Zeitpunkt geben: Am 7. November treffen nämlich der BVB und Triple-Gewinner Bayern München aufeinander. Welch ein Fest, wenn dann wieder Tausende Fans im Stadion wären, so wie es Union Berlin in einem Testlauf schon am 5. September gegen den 1. FC Nürnberg mit bis zu 5000 Zuschauern machen will. Oder Zehntausende. Oder vielleicht doch nur ein paar hundert?

Auch diese Frage muss vonseiten der Politik beantwortet werden, genauer gesagt laut Beschluss von einer "Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien, die bis Ende Oktober einen Vorschlag zum einheitlichen Umgang mit Zuschauern" ausarbeiten soll. Für Watzke übrigens auch ein Zeichen, "dass man sich sehr ernsthaft mit dieser Frage beschäftigen möchte".

Fakt ist, dass die Entscheidung, die ja eigentlich eine Nicht-Entscheidung ist, viel Spielraum in alle Richtungen lässt. Wenn man es gut mit der Bundesliga meint, könnten sogar Zuschauer zu einem früheren Zeitpunkt zwischen die Zeilen der Politiker interpretiert werden - die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) und den Klubs erarbeiteten Pläne sehen schließlich Kontaktverfolgung und Hygieneregelungen vor.

"Unsere Konzepte sind als tragfähig eingestuft worden. Ich hätte mir gewünscht", sagte Wehrle deshalb, "dass bereits zum Saisonstart Zuschauer zugelassen werden". Volle Ränge am 18. September, das konnte der 45-Jährige sicher nachvollziehen, erachteten die Politiker angesichts der aktuellen Infektionslage allerdings als nicht vertretbar. "Das wäre das falsche Signal", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Der CSU-Chef war es auch, der im Gegensatz zu Merkel für einen expliziten Hoffnungsschimmer im Lager des Profifußballs sorgte. Söder sprach von "schrittweisen Möglichkeiten noch vor Weihnachten", freilich unter der Voraussetzung eines zulässigen Infektionsgeschehens und eines guten Konzepts.

Letzteres würde bereits vorliegen, Söder lobte die DFL und die Vereine dahingehend ausdrücklich für die Konzepte, die zur so wichtigen Kontaktverfolgung unter anderem personalisierte Tickets vorsehen. Wohl auch deshalb nahm die Dachorganisation das Lob erst einmal zufrieden auf, hielt sich am Freitag mit möglicherweise vorschnellen Reaktionen zurück und äußerte: nichts.

Den Druck hatten ohnehin schon andere aufgebaut, die Forderung nach der Rückkehr der Fans stand längst im Raum. Anfang November dann. Allerspätestens.

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