Neymar (r.) legt sich hier im hitzigen Duell mit Marseilles Dimitri Payet an. Dessen Teamkollegen Alvaro Gonzalez beschimpfte der Brasilianer als Rassist. FOTO: AFP
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Neymar (r.) legt sich hier im hitzigen Duell mit Marseilles Dimitri Payet an. Dessen Teamkollegen Alvaro Gonzalez beschimpfte der Brasilianer als Rassist. FOTO: AFP

Neymar sieht Rot

  • vonSID
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(sid). Seine Wut auf den angeblichen "Rassisten" Alvaro Gonzalez raubte Superstar Neymar den Schlaf. "Ich respektiere dich nicht!", giftete der Brasilianer um 3.50 Uhr morgens via Twitter: "Du hast keinen Charakter! Sei ein Mann!" Dann klagte der aufgebrachte Ausnahmekicker das "Arschloch" nochmals in Großbuchstaben an: "RASSIST!" Seine Tirade versah er mit drohend erhobener Faust.

Es war der vorläufige Tiefpunkt einer denkwürdigen Fußball-Schlacht, die schon jetzt die Bezeichnung "Skandalspiel des Jahres" rechtfertigt. Schläge, Tritte, Spuckattacken. Fünf Platzverweise in der Nachspielzeit, darunter Rot für Neymar nach einem Schlag auf Gonzalez’ Hinterkopf. Ein Rassismusvorwurf und andere wüste Beleidigungen. Bei der 0:1-Niederlage von Paris St. Germain in "le Clas- sique" beim Erzrivalen Olympique Marseille zeigte das schöne Spiel sein hässliches Gesicht.

Die Zeitung "Le Parisien" sah einen "Straßenkampf", der Spielbericht im Fachblatt "L’Equipe" ("Die große Keilerei") las sich wie ein Asterix-Comic. Neymar beschwerte sich beim überforderten Schiedsrichter Jerome Brisard schon während der ersten Halbzeit mehrfach vergeblich über Gonzalez ("Rassismus, nein?!"). Dieser rief ihm laut französischem TV beim wilden Schlagabtausch in der Schlussphase zu: "Halt deinen Mund, du dreckiger Affe!"

Neymar war ebenso wütend wie fassungslos, beim Gang in die Kabine schimpfte er verzweifelt: "Er ist ein Rassist!" Und bei Twitter legte er richtig los. Um 0.41 Uhr schrieb der 28-Jährige: "Das Einzige, was ich bedauere, dass ich diesem Arschloch nicht ins Gesicht geschlagen habe." Gonzalez habe ihn "Affensohn einer Hure" genannt. Der Spanier konterte rund eine Stunde später mit einem Foto, das ihn im Kreise mehrerer schwarzer Teamkollegen ("Familie") zeigt. "Es gib keinen Platz für Rassismus", lautete sein Kommentar, dann stichelte er gegen Neymar: "Manchmal muss man lernen zu verlieren."

Fünf Platzverweise in der Nachspielzeit

PSG-Coach Thomas Tuchel verurteilte nach der Partie Rassismus, sagte aber auch, dass er "nichts gehört" habe, auch der Unparteiische nicht. OM-Trainer Andre Villas-Boas meinte nur, er traue dem "erfahrenen" Gonzalez Rassismus nicht zu - und verwies auf die Spuckattacke von Angel Di Maria auf den 30-Jährigen.

Die wilden Szenen in der Nachspielzeit, in der auch Layvin Kurzawa (PSG) und Jordan Amavi (OM) Rot sowie Leandro Paredes (PSG) und Dario Benedetto (OM) Gelb-Rot sahen, hätten ihm "nicht gefallen", ergänzte Tuchel. Er selbst bewahrte trotz des mit jetzt zwei Niederlagen schwächsten Saisonstarts seit 1984 die Fassung. "Wenn wir so weitermachen, werden die Ergebnisse kommen", behauptete Tuchel. Ohne die gesperrten Stars werde Paris in den nächsten Wochen "leiden" müssen, prophezeite er aber auch.

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