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Neustart ohne Paciencia

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Zwischen Emotionen und Verantwortung wegen Corona, zwischen Europa und Abstiegszone in der Tabelle: Die Eintracht steht vor dem Neustart in der Bundesliga vor einem Spagat. Stürmer Goncalo Paciencia fehlt nicht nur heute gegen Gladbach.

Normalerweise wäre dieser Samstag ein Fußball-Feiertag in Frankfurt: Bundesliga-Topspiel am Abend, in Borussia Mönchengladbach ein Spitzenteam als Gast und dazu 50 000 Fans auf den Rängen. Doch wegen der Coronavirus-Pandemie sind die Fans an diesem etwas anderen Samstag außen vor und Eintracht Frankfurt froh, dass nach rund neun Wochen Pause überhaupt mal wieder Fußball gespielt werden kann.

"Jetzt müssen wir schauen, dass wir alle mit der neuen Situation umgehen. Ich denke, dass morgen der erste Schritt gemacht wird. Wir haben alle dieselben Probleme", sagte Trainer Adi Hütter bei einer Pressekonferenz am Freitag. Man sei "froh und dankbar", jetzt wieder sportlich loslegen zu können.

Bälle müssen desinfiziert werden, Trainer und Ersatzspieler tragen Masken und jubeln bitte nur mit Abstand: Auch in der fußballbegeisterten Mainmetropole wird an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) vieles nicht mehr so sein, wie es vor der Corona-Pause einmal war. Immerhin, das Gefühl vor leeren Rängen kennen sie bei der Eintracht schon: Einen Tag vor der Liga-Unterbrechung verlor man in der Europa League noch mit 0:3 gegen den FC Basel, eine Saison vorher gelang bei einem Geisterspiel bei Olym- pique Marseille überraschend ein 2:1-Sieg.

Weil die Bundesliga als erste internationale Topliga wieder startet, sieht Hütter die Beteiligten und Aktiven in der Verantwortung. "Ich habe vor einer Woche gesagt, dass es unbewusst den einen oder anderen Fehltritt geben könnte. Aber wir sind gut geschult. Ziel ist, dass wir für mehrere andere Ligen Vorbild sein können", sagte der 50-Jährige. So hat beispielsweise Toni Kroos, bei Real Madrid angestellt, die Stimmungslage in Spanien so beschrieben: "Man hat hier den Eindruck: Wenn die Deutschen das nicht hinkriegen, dann kriegt das keiner hin." Die Latte liegt also recht hoch.

Fehltritte soll es hierzulande wie zuletzt von Herthas Salomon Kalou oder dem neuen Augsburger Trainer Heiko Herrlich im Spielbetrieb möglichst nicht geben. Über die Schilderungen von Herrlich, der in der Quarantäne unerlaubt einkaufen war und davon in einer Presserunde erzählte, habe er "schmunzeln müssen", berichtete Hütter.

Personell werden die Hessen auf Stürmer Goncalo Paciencia (Foto) verzichten müssen. Der Portugiese kämpft mit einer Muskelverletzung und dürfte erst in zwei bis vier Wochen ins Mannschaftstraining zurückkehren. Dafür ist Bas Dost als Alternative wieder mit dabei, entweder er oder André Silva dürfte die Position im Angriff einnehmen. Auch Mittelfeldspieler Sebastian Rode, der sich zuletzt mit Knieproblemen herumgeplagt hatte, sei "eine Option", berichtete der Coach. Hütter erwartet von seinen Spielern, dass sie alle auf den Punkt genau voll da sind. "Jeder muss bereit sein, und wenn es nur zehn Minuten sind", sagte er und meint wohl wirklich jeden Spieler. Womöglich würden sogar Akteure wichtig, die man gar nicht mehr wirklich auf dem Schirm hatte. "Vielleicht bekommt manch einer eine Rolle, die wir so nicht erwartet hätten", sagte der 50-Jährige kryptisch.

Für Mittelfeldroutinier Gelson Fernandes beginnt ab diesem Samstag der Karriere-Endspurt. Der 33 Jahre alte Schweizer hatte in dieser Woche seinen Rücktritt für den Sommer verkündet. Fernandes, der unter anderem für Manchester City, Sporting Lissabon und den SC Freiburg spielte, sieht den idealen Zeitpunkt dafür gekommen. Von Trainer Hütter wurde er in den höchsten Tönen gelobt: "Wir verlieren nicht nur einen tollen Spieler, sondern wir verlieren auch als Mannschaft und Verein einen ganz, ganz tollen Menschen, der einen Weitblick hat." FOTO: DPA

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