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Sebastian Vettel im Wandel: Rechts ein Bild von 2006, als er im Training zum GP der Türkei debütierte. Links in Foto von der gestrigen Pressekonferenz in Istanbul.

Neue Interessen

Istanbul markiert für Sebastian Vettel einen Startpunkt. Vor 15 Jahren gab er sein Trainingsdebüt in der Formel 1. Nach vier WM-Titeln hat sich die Agenda des Hessen verändert.

Etwas schüchtern lächelte Sebastian Vettel in einer fernen Formel-1-Zeit in die Kameras. Ende August 2006 drehte der Abiturient aus Heppenheim in Istanbul an einem Freitag seine ersten Trainingsrunden in der Königsklasse des Motorsports. Inmitten von Stars wie Michael Schumacher und Fernando Alonso zeigte der damals 19-Jährige auf dem türkischen Asphalt aber keine Zurückhaltung: Vettel legte bei seinem Debüt gleich die Tagesbestzeit hin.

»Es war toll«, schwärmte er damals. Dass Vettel auch noch zur Kasse gebeten wurde, weil er zu schnell durch die Boxengasse rauschte, ist eine amüsante Fußnote in dieser glorreichen Formel-1-Vita. »Das wird teuer«, bemerkte er damals schmunzelnd.

15 Jahre später kommt Vettel an einem Donnerstag dick bepackt an der Seite seines Physiotherapeuten Antti Kontsas am Intercity Istanbul Park an. Die zaghafte Schüchternheit ist Gelassenheit gewichen. Vier WM-Titel, 53 Grand-Prix-Siege und 57 Polepositionen liegen zwischen einem Vettel vor den ersten Kilometern einer Weltkarriere und einem Vettel auf den letzten Kilometern einer Weltkarriere.

So einiges hat sich verändert im Laufe der Jahre. Seit seinem Wechsel von Ferrari zu Aston Martin hatte Vettel nun zwei deutliche Lichtblicke. Anfang Juni feierte er in Baku als Zweiter sein Comeback auf dem Podest, Anfang August kostete ihn in Budapest zu wenig Treibstoff im Tank Position zwei. In den vergangenen acht Rennen kam Vettel aber nur noch einmal in die Punkte.

»Wir waren einfach nicht gut darin, die kleinen Gelegenheiten zu nutzen. Da steht uns immer etwas im Weg«, sagte Vettel, der auf der offiziellen Pressekonferenz lässig in kurzen Hosen erschien. Die Schwächen bei Aston Martin seien vor dem Großen Preis der Türkei am Sonntag (14.00 Uhr/Sky) die Auftritte in der Qualifikation. »Ich fühle mich viel mehr zu Hause im Auto«, bemerkte Vettel jedoch. »Ich spüre, dass gute Dinge geschehen werden.«

2011 gewann Vettel sogar in Istanbul, 2020 wurde er im Ferrari Dritter. Und an 2006, als BMW Sauber nach der Entlassung des früheren Weltmeisters Jacques Villeneuve auf einmal ein Cockpit frei hatte, denkt der mittlerweile 34-Jährige sowieso gerne zurück. »Ich habe es hier immer gemocht«, sagte Vettel. »Es ist eine schöne Strecke und schön, wieder hier zu sein.«

2010 leistete sich Vettel aber mit seinem Red-Bull-Stallrivalen Mark Webber auch einen folgenschweren Crash, der das Binnenklima nachhaltig vergiftete. Webber fühlte sich danach intern benachteiligt und vergab in jenem Jahr seine beste WM-Chance. Vettel holte dagegen viermal am Stück den Titel.

Engagement für den Umweltschutz

Vom WM-Zweikampf ist er meilenweit entfernt. Bei Aston Martin leistet Vettel Aufbauarbeit. »Wir haben viele Dinge auf unserer To-Do-Liste«, räumte der Hesse ein. Auf seiner persönlichen Agenda sind über die Jahre Themen wie Diversität und Umweltschutz hinzugekommen. »Es ist Zeit zum Handeln«, sagte Grünen-Wähler Vettel mit Blick auf die künftige Bundesregierung.

»Ich bin unglaublich stolz auf ihn«, lobte Mercedes-Mann Lewis Hamilton das soziale Engagement seines einstigen WM-Rivalen. »Er hat Dinge für sich entdeckt, für die er brennt und weicht nicht davor zurück.«

Vettel spricht sich inzwischen für ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen aus. »Jedes Leben zählt. Ich fühle mich auch nicht in meiner Freiheit beschnitten, wenn ich in die Türkei, in die USA oder nach Großbritannien komme«, sagte er: »Ich fahre gerne schnell, sonst hätte ich einen anderen Beruf ergriffen. Aber wenn man das tun möchte, sollte man es auf einer Rennstrecke tun.«

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