Negativrekord als Identität

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(sid). Am Pulverfass Schalke 04 zischt die Zündschnur. Im Training soll es mächtig zwischen Naldo und Vedad Ibisevic gekracht haben, die Mannschaft schleppt sich leblos von Spiel zu Spiel - und inzwischen zittert bei jeder neuen Episode der königsblauen Horrorserie sogar Tasmania Berlin mit.

"Wir wollen unseren Rekord nicht verlieren. Ich glaube auch nicht daran", sagte Almir Numic, Vorstandsvorsitzender des schlechtesten Klubs in 57 Jahren Bundesligageschichte, am Montag: "Das ist seit Jahrzehnten unser Rekord. Der gehört zur Tasmania-Identität."

31 Spiele lang war Tasmania (1973 neu gegründet) in seiner einzigen Bundesliga-Saison 1965/66 sieglos geblieben, es ist ein Stück immer wieder gern erzählte Historie. Schalke aber, 24 Spiele ohne Sieg, ist ein unerbittlicher Jäger wider Willen und gefährdet beim Oberliga-Tabellenführer damit sogar einen Teil des Geschäftsmodells. So weit ist es schon gekommen.

"Jeder kennt Tasmania. Zu Saisonbeginn wird in der Sportschau immer über uns gesprochen. Da stehen wir gratis in der Presse", sagte der Unternehmer Numic: "Da brauchen wir keine Werbekampagne. Es wäre schön, wenn das weiterhin so wäre."

Leider Gottes: Es sieht nicht sonderlich gut aus. Das 0:2 gegen den VfL Wolfsburg am Samstag wäre zutiefst erschütternd gewesen (Mark Uth: "Man will nur noch weinen"), wären derlei Alibi-Leistungen nicht längst Normalität.

Am Sonntag soll es dann beinahe zur Explosion gekommen sein. Laut "Bild" und Sky wurde das Training der Reservisten nach einem Handgemenge zwischen Co-Trainer Naldo und Ibisevic abgebrochen. Der Verein äußerte sich auf Anfrage dazu nicht. Spielt Schalke so weiter, ist der Tasmania-Rekord am 9. Januar erreicht - und der vierte Abstieg in der Vereinsgeschichte wohl unausweichlich.

Sportvorstand Jochen Schneider will dies mit Macht verhindern, auch deshalb wird er sich Amine Harit noch einmal vorknöpfen. Der technisch veranlagte Marokkaner war nach seiner Auswechslung durch den hilflos wirkenden Trainer Manuel Baum in der 39. Minute sofort in der Kabine verschwunden. "Wie er vom Platz gegangen ist, ist nicht akzeptabel. Darüber werde ich mit ihm selbstverständlich sprechen", kündigte Schneider via "Ruhr Nachrichten" an.

Er sei "nicht verzweifelt", hinterlegte Schneider zudem, allerdings herrsche um den Verein große Unruhe, die schwer in den Griff zu bekommen sei. "Wir müssen uns noch mehr auf das Wesentliche konzentrieren", betonte Schneider, und er klagte: "Wenn ich Revue passieren lasse, mit welchen Themen wir uns in den letzten Wochen beschäftigen mussten, das spottet jeder Beschreibung."

Aufstellungsfehler, schlechte Außendarstellung, Probleme in der Mannschaft, schwacher Umgang mit verdienten Mitarbeitern: Die Schalker können derzeit nur zwischen den vielen Feuerchen tanzen, ausgetreten bekommen sie die Brandherde nicht.

Wie in Mönchengladbach und gegen Leverkusen der erlösende Sieg herkommen soll? Nichts spricht dafür, dass er für die Königsblauen gelingt. Außer dem Gesetz der Serie. Aber das ist auf Schalke ausgehebelt - sehr zum Leidwesen der Tasmania.

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