Wieder nichts: Frankfurts Goncalo Paciencia hat mal wieder eine Torchance vergeben. FOTO: DPA
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Wieder nichts: Frankfurts Goncalo Paciencia hat mal wieder eine Torchance vergeben. FOTO: DPA

Auf und ab, die nächste Folge

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Die nächste Enttäuschung: Nach dem Sieg in der Europa League gegen Salzburg zeigt die Frankfurter Eintracht ihren fast schon obligatorischen Rückfall in die Lustlosigkeit. Diesmal profitiert Union Berlin als 2:1-Sieger.

Daniel Herzog ist ein weit gereister und eifrig um die Welt getingelter Mann. Der TV-Reporter mit dem Alex-Meier-Gedächtnis-Zopf fühlte schon Basketballstars wie Dirk Nowitzki oder LeBron James auf den Zahn, war bei den NBA-Finals in San Francisco und Cleveland dabei, seine große Leidenschaft aber gehört der Kickerei. Für den Streamingdienst Dazn bereitet der ausgebildete Redakteur mit Oliver Kahn die "Kahnalyse" auf, er ist als findiger Fieldreporter in der Königsklasse zu Hause genauso wie in der Europa League und in der Bundesliga.

Herzog ist selbst ein passabler Fußballer, zurzeit kickt der 34-Jährige ein bisschen in der Soma des FC Unterföhring, früher war er sogar mal Torwart, zwei Jahre in der D-Jugend beim TSV 1891 Rinklingen, einem Ortsteil Brettens in Baden-Württemberg, 2280 Einwohner. Das hat er jetzt, am späten Montagabend, dem Frankfurter Schlussmann Kevin Trapp offenbart. Der Eintracht-Keeper war nämlich nicht so ganz amüsiert über die bohrenden Einlassungen des Fragestellers, der ihm eine Mitschuld an den beiden Toren von Union Berlin unterstellte. Fand der Trapper gar nicht so lustig.

Das erste, klar, sei ein klassisches Missverständnis gewesen, aber was er beim 0:2 besser hätte machen sollen, erschloss sich ihm nicht. "Waren Sie mal im Tor?", fragte der 29-Jährige also den verdutzten Daniel Herzog, der aber cool antwortete: "Ich war früher mal im Tor, ja. Aber nie in der Bundesliga." Trapp, angesäuert, entfuhr ein knappes "also" und die direkte Frage des Reporters: "Torwartfehler ja, nein?", schloss er kurz und bündig ab: "Nein." Ende der Durchsage.

Eine gewisse Gereiztheit im Frankfurter Lager ließ sich nicht wegdiskutieren, diese 1:2-Pleite gegen den Neuling aus Köpenick war ein Schlag ins Kontor. Denn mit einiger Sicherheit lässt sich nun vorhersagen, dass die Eintracht zumindest über den Bundesliga-Wettbewerb kein internationales Ticket ergattern wird, sondern sich eher darum kümmern muss, den Abstand nach unten nicht schrumpfen zu lassen. Das war mal anders geplant.

Diese Frankfurter Mannschaft ist in ihrer Zusammenstellung und Inkonsequenz nicht dafür gemacht, einen Angriff auf die Europa-League-Startplätze zu initiieren. Dazu ist sie zu wankelmütig und zu wenig konstant. Die Hochs und Tiefs wechseln sich in kurzen Intervallen ab, Glanzlichter wie gegen RB Leipzig, FC Augsburg oder FC Salzburg stehen fast schon desolaten Auftritten gegen Düsseldorf, Dortmund und jetzt Union Berlin gegenüber. "Wir sind nicht so weit, wie ich mir das vorstelle", analysierte Trainer Adi Hütter.

Makoto Hasebe, der erfahrene Spielleiter, wirkt gar ein wenig besorgt ob der Achterbahnfahrt. Die Partie gegen den Aufsteiger aus der Hauptstadt sei ein Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten gewesen, findet der Japaner. "Das war wie die letzten sechs Wochen in der Hinrunde." Da gab es in zehn Pflichtspielen nur einen Sieg (2:1 bei Arsenal London), aber acht Niederlagen, in der Bundesliga einen Punkt (2:2 gegen Hertha) aus sieben Begegnungen.

Für Hasebe sind die Ausschläge eine Frage der Einstellung. "Die Emotionen haben gefehlt", urteiltete der 36-Jährige und empfahl pauschal: "Wir müssen unsere Mentalität verändern." Das sollte aufhorchen lassen, galt die Eintracht in den vergangenen Jahren als Mannschaft mit Herz, Behauptungswillen und innerer Bereitschaft, kurzweg: Mentalitätsmonster.

Gerade Akteure wie Filip Kostic oder auch Goncalo Paciencia fielen gegen Berlin mit ihrer Körpersprache auf: Kostic, zweifellos der wertvollste und gefährlichste Spieler, bog zwar 16 Flanken hinein, fiel aber auch häufig durch abfällige Handbewegungen auf. Und Paciencias fast schon divenhaftes Gehabe ist für das Gesamtgefüge eher kontraproduktiv.

Die Spieler rätseln ob ihrer immer wiederkehrenden Schwächephasen. "Wir wollten aggressiv ins Spiel gehen", berichtete Timothy Chandler nach der Niederlage gegen Berlin. "Aber das hat gar nicht funktioniert. Union musste ja nicht mal viel machen, um zu gewinnen."

Coach Hütter hat sich aufgrund des Einbruchs im Endspurt der vergangenen Saison dazu entschieden, häufiger zu rotieren. Nicht immer mit dem gewünschten Ertrag, gegen Berlin ging es, wie der Österreicher einräumt, "in die Hose". Ein Spieler wie Erik Durm, am zwölften Spieltag zuletzt in der Startelf, enttäuschte dabei auf ganzer Linie. Für die Männer aus dem zweiten Glied ist es aber auch nicht leicht, wenn man nur sporadisch zum Einsatz kommt und dann auf den Punkt und ohne Spielpraxis voll da sein soll. Morgen in Salzburg, wenn es auf europäischer Ebene um alles oder nichts geht, wird sicher die erste Elf aufgeboten - mal sehen, welches Gesicht sie zeigen wird.

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