Karl Geiger und Markus Eisenbichler wollen jetzt bei der Tournee angreifen. FOTO: AFP
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Karl Geiger und Markus Eisenbichler wollen jetzt bei der Tournee angreifen. FOTO: AFP

Nach der WM ist vor der Tournee

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(sid). Der frischgebackene Weltmeister Karl Geiger eilte aus dem tief verschneiten Planica zu seiner hochschwangeren Frau Franziska nach Oberstdorf, Markus Eisenbichler verabschiedete sich zur kurzen Winterfrische ins heimische Siegsdorf. Die deutschen Skisprungstars hatten nach einer grandiosen Flug-WM je zwei Medaillen, eine Monsterform und die nächsten großen Ziele im Gepäck: Die Chancen auf den ersten Heimsieg bei der Vierschanzentournee seit fast zwei Jahrzehnten scheinen groß wie nie.

"Es war hervorragend hier in Planica, ich bin sehr, sehr zufrieden. Jetzt sind wir aber müde und müssen uns erst mal ein wenig ausruhen", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher und gab seinen Adlern zwei Tage frei: "Am Mittwoch geht es wieder ins Krafttraining. Und am Donnerstag schon nach Engelberg."

In der Schweiz findet die traditionelle Tournee-Generalprobe statt, ehe es nach der kurzen Weihnachtspause beim Auftakt am 28. und 29. Dezember vor Geigers Oberstdorfer Haustür ernst wird. "Ich bin hier tief verwurzelt, das ist Heimat für mich", sagt er über seinen Lebensmittelpunkt.

Dort erlebte er am Montag aber zunächst etwas weitaus Größeres als bei der WM, seine Tochter kam zur Welt. "Das war dann wohl diese perfekte Woche, von der immer erzählt wird!", schrieb Geiger auf Facebook und postete ein Bild seiner Tochter Luisa. "Danke, dass du und deine Mama auf mich gewartet habt. Ich bin unglaublich stolz auf euch."

Die Zeit mit seiner Tochter wird er nun auskosten, denn schon bald kehrt der junge Vater auf die Schanze zurück.

In Oberstdorf muss Geiger zwar bei der Tournee auf die geliebte "brutale Atmosphäre" an der Schattenbergschanze verzichten, wo keine Zuschauer zugelassen sind - seinen betrübten Oberstdorfern will er mit dem ersten deutschen Heimsieg seit Severin Freund 2015 aber ein Trostpflaster schenken.

Dass er und Eisenbichler das Zeug dazu haben, auch als erster Deutscher seit Sven Hannawald 2001/02 den Gesamtsieg zu holen, ist seit Planica offenkundig. Dass es am Sonntag hinter Erzrivale Norwegen nur Teamsilber wurde, war dann auch mehr Motivation als Dämpfer.

"Ein bisserl enttäuscht und traurig", sei Eisenbichler gewesen, und wer ihn kennt, weiß, dass ihn das wurmen und antreiben wird. "Das Sportleben ist halt so, dass es bergauf und bergab geht. Damit muss man leben. Wenn man das nicht kann, gerät man in einen extremen Strudel nach unten", sagte der 29-Jährige.

Planica zeigte aber auch, dass sich die Kräfteverhältnisse im Team verschoben haben. Geiger und Eisenbichler sind die einzigen Arrivierten, die fest gesetzt sind. Dahinter aber haben sich Spätstarter Pius Paschke und Youngster Constantin Schmid aus dem Planica-Silberteam und Aufsteiger Martin Hamann als feste Größen etabliert. Für ein Quartett aus Olympiasiegern und früheren Weltmeistern ist kaum Platz.

Altmeister Severin Freund muss um seinen Platz kämpfen, dem nach seinem Kreuzbandriss formschwachen Andreas Wellinger verordnete Horngacher eine Pause. Für ihn rückt David Siegel, auch er ein Rekonvaleszent, in Engelberg ins Team. Teamweltmeister Stephan Leyhe (Kreuzbandriss) fällt die gesamte Saison aus. Sorgenkind Richard Freitag ist im B-Kader verschollen, kann sich mangels Wettkämpfen nicht einmal im Continental Cup anbieten. "Bei der Tournee ist er aber in der nationalen Gruppe eine Bank", sagt Horngacher.

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