Fußball / Bundesliga

Nach der Pause dominiert Bayern legt vor, BVB zieht nach

Die Frankfurter Eintracht setzt sich mit 3:0 in Hannover durch und damit ihren Höhenflug fort. Dadurch versetzt das Team von Adi Hütter dem Gastgeber den nächsten Tiefschlag im Abstiegskampf.

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung . Vom Roman (Eric Malpass, 1967) blieb nur der Titel in Erinnerung. Also früh ans Werk, um diese "Montagsthemen" rechtzeitig zu beenden, denn am Nachmittag geht es Schlag auf Schlag. Alle vier Vereine, die im eigenen Ranking einträchtig vorne stehen wie damals die Songs der Beatles in der US-Hitparade, spielen dann fast gleichzeitig. Zwölf Punkte sind möglich für Eintracht, BVB, Klopp und Gießen. Ich gehe mit gutem Beispiel voran und hake schon vorher zwölf Punkte ab.

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Erster Punkt. Didi Hamann liegt richtig mit seiner Kritik. Das Lamentieren, das Abwinken, jetzt noch die miese Schauspielerei, die Hertha den Punkt kostete – Lewandowski scheint mit den Gedanken mehr bei sich und anderen Klubs als bei dem eigenen. Die Bayern schimpfen auf Hamann und wissen, er hat recht. Aber Lewandowski ist leider gut. Auch gut hat recht.

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Kovac-Beton gefällt zwar nicht allen, aber er hält. Apropos Beton: Windräder müssen nach gut 20 Jahren recycelt werden. Doch von den mächtigen Betonfundamenten, bis zu 30 Meter tief in den Boden gerammt und laut Gesetz komplett abbaupflichtig, werden angeblich zumeist nur etwa zwei Meter abgetragen. Und so können wir späteren Archäologen ein Rätsel hinterlassen, mysteriöser als Stonehenge oder die Steinskulpturen der Osterinseln. Welche Kultur hat nach Stein-, Bronze- und Eisenzeit als einzige Spur von sich viele tausend gewaltige, tief im Erdboden vergrabene Betonquader hinterlassen? Teufelskult der Betonklotz-Zeit?

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Einzigartiger WM-Doppelsieg der deutschen Skispringer. Am Ende der Saison medial aber vergleichsweise schwach gewichtet. Zu viel, zu lange, zu satt von der Fernseh-Völlerei. Bei der Vierschanzentournee war mehr Lametta.

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Auch im Fernsehen führt die Quote in die Irre. Im Ranking der HörZu steht das Football-Finale weit oben. "Noch um drei Uhr nachts fieberten 1,3 Millionen Zuschauer mit. ProSieben freute sich über mehr als 50 Prozent Marktanteil." – Was in aller Welt guckten die anderen knapp 1,3 Millionen mitten in der Nacht?

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Bewusste Irreführung. Neudeutsch Framing. In diesem Rahmen (= Frame) muss man fiese Wörter wie "Zwangsgebühren" aufhübschen zu "Rundfunkkapital der Bürger", und schon zahlt der Zuschauer freiwillig und am liebsten noch viel mehr. Bis auch noch der letzte Rodler öffentlich-rechtlich den Berg runtergerutscht ist.

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"Keine Ahnung, wie viel ich wert bin", sagt Skisprung-Legende Jens Weißflog im Spiegel- Interview. Ist der alte Ossi immer noch nicht im Westen angekommen? Doch. Aber der Spiegel verkürzt verfälschend die Aussage, der im Text ein "Ich hatte ..." vorausgeht. Und zwar hatte Weißflog während der Wende keine Ahnung vom Kapitalismus und ließ sich von West-Kollege Thoma schon vor drei Jahrzehnten aufklären. Übrigens: Um solche irreführenden Verkürzungen zu vermeiden, kennzeichnen wir jede auch nur kleinste Auslassung in der (auch morgigen) "Ohne weitere Worte"-Kolumne mit den störenden, aber wichtigen drei Pünktchen: (...).

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Mit der Kaskade von Lagerfeld-Sprüchen, die jetzt überall zu lesen waren, kann unsere OWW-Kolumne nicht mithalten. "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Und "Leute, die Sport treiben, sind einer Gehirnwäsche unterzogen worden". Dennoch designte Lagerfeld Jogginghosen, und in jungen Pariser Tagen trug er stolz einen Körper zur Schau, der offensichtlich bodybuilding-trainiert war. Widersprüchlich? Nicht für ihn.

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Wichtiger Tag der Sportgeschichte. Bei der Anhörung in Lausanne hatte Caster Semenya am Freitag das letzte Wort. Urteil am 26. März. Es geht um Athletinnen mit "Differences of Sexual Development" (DSD), die ihren Testosteronwert künstlich senken sollen. Eine vielschichtige und menschlich tiefgehende Gemengelage, aber mit dem sportlichen Knackpunkt, die Chancengleichheit zu wahren. Denkt man das Problem zu Ende ... wäre der Frauensport am Ende.

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Neunter Punkt. Egal ob Männlein, Weiblein oder irgendetwas dazwischen, es gibt eine Sportart, in der die Weißen bis in alle Ewigkeit bevorteilt bleiben: Schach. Aber nur, weil die Schwarzen erst nach ihnen starten dürfen.

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In diesem Jahr laden Putin und Lukaschenko die Jugend der Welt zu den Europaspielen nach Minsk ein. Bei diesen "Dynamic New Athletics" (DNA) gibt es neben Sprints mit Bremsfallschirmen oder Medizinballschleppen auch eine gemischte 4x400-m-Staffel, die sogar als Qualifikation für Tokio 2020 zählt, denn diese Staffel wird dann olympisch. Warum auch nicht?! Die "Dynamic New Athletics" tragen eindeutig die DNA des Sports im 21. Jahrhundert.

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Vorschlag für eine neue olympische Sportart auf der Höhe der Zeit: Selbstversenkung. Schon sehr angesagt, mit Meditation, Kontemplation, östlichen Erweckungsmythen und sonstiger Bhagwanisierung in neuem Gewand. Mir gefällt die Selbstversenkung vor allem als Homonym, als ein Wort mit zwei Bedeutungen à la "Bauer" (für Landwirt und Vogelkäfig). Sind wir auf dem Weg in die Selbstversenkung?

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Der zwölfte Punkt. Auflösung der Beatles-Frage. 1964 waren nicht vier, sondern sogar fünf Hits bei Billboard vorne: Can’t Buy Me Love, Twist And Shout, She Loves You, I Want To Hold Your Hand und Please Please Me.

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Und jetzt, Wenn schon süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft (ebenfalls Malpass), wie viele Punkte haben meine Klubs geholt? Sieben.l Na ja. Zu Ehren von Gus Backus, zwei Tage nach Lagerfeld gestorben, singt der alte Häuptling der Indianer das Schlusswort: Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf. Uff! Uff! Uff! (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

Nach 45 Minuten ist der Frankfurter Trainer Adi Hütter ein bisschen deutlicher geworden, er musste es auch werden. Denn das, was sein Team bis dato bei den arg im Abstiegssumpf steckenden Hannoveranern zuwege gebracht hatte, sei "alles andere als zufriedenstellend" und "sehr, sehr wenig" gewesen, senkte auch Torwart Kevin Trapp den Daumen. 0:0 hat es da noch gestanden und "wir hatten in einigen Szenen Glück gehabt". Also bat der 49 Jahre alte Fußballlehrer seine Spieler in der Kabine um Ruhe und fand in der Pause klare Worte: Wenn man oben weiter mitspielen wolle, dann müsse hier gewonnen werden, "auch wenn es schwer fällt". Er habe eine Reaktion sehen wollen von seiner Mannschaft.

Gesagt, getan. Eintracht Frankfurt hat in der Tat in der zweiten Halbzeit ein anderes Gesicht gezeigt und letzten Endes gegen ein komplett verunsichertes Team von Hannover 96 einen ziemlich "souveränen Sieg" nach Hause gefahren. Ante Rebic (54.), Luka Jovic (63.) mit seinem 15. Treffer und schließlich Filip Kostic, der in der 90. Minute den Schlusspunkt setzte, münzten die spielerische Überlegenheit der Hessen schließlich in drei schöne Tore um. Es war der fünfte Frankfurter Erfolg in der Fremde. Selbst 96-Trainer Thomas Doll, eingangs der 1990er Jahre selbst einmal bei der Eintracht am Ball, lobte: "Die Eintracht ist eine Mannschaft, die in fantastischer Form ist." Hannover 96 freilich spielte wiederum aber auch genau ihrem Tabellenplatz entsprechend. Der Vorletzte im Klassement blieb weitgehend harmlos, hatte keine echte gefährliche Torchance und wirkte, wie Trapp treffend fand, "komplett ohne Selbstbewusstsein". Am Ende verhöhnte selbst die mal wieder wenig leidenschaftliche Anhängerschaft die eigene Mannschaft von den Rängen.

Sportdirektor Bruno Hübner sprach in einer ersten Reaktion sogar von "einer glanzvollen zweiten Hälfte". Er hob besonders hervor, dass Eintracht Frankfurt immerhin vom Donnerstagabend noch eine kräftezehrende Europa-League-Partie in den Knochen hatte, die viel Substanz gekostet habe. Und dann so eine zweite Halbzeit abgeliefert zu haben, "richtig gut Fußball gespielt" zu haben, das sei aller Ehren wert. "Hier 3:0 zu gewinnen ist ein Schritt, der mich stolz macht". Von Ermüdungserscheinungen war nichts zu spüren, und das, obwohl Adi Hütter einzig David Abraham und Mijat Gacinovic eine Pause gegeben hatte. Für sie kam Winterneuzugang Almamy Touré zu seinem Bundesligadebüt von Anfang an, zudem stand Rebic in der Startelf.

Eintracht Frankfurt bleibt damit in 2019 ungeschlagen. Sechs Spiele in der Bundesliga haben sie nicht mehr verloren, gegen Bremen, Dortmund, Leipzig und Mönchengladbach Remis gespielt sowie gegen Freiburg und jetzt Hannover gewonnen. Dazu haben sie mit phänomenalen Spielen gegen Schachtjor Donezk das Achtelfinale in der Europa League erreicht. "Es ist eigentlich unfassbar, wie wir spielen", wunderte sich Kevin Trapp ein bisschen. Von ihm aus könne es so weiter gehen – und Spiele alle drei Tage "machen doch einfach nur Spa?. Vor allem dann, wenn man gewinnt.

Fußball-Rekordmeister Bayern München hatte am 23. Spieltag zunächst zu Tabellenführer Borussia Dortmund in der Bundesliga-Tabelle nach Punkten aufgeschlossen. Der Titelverteidiger gewann das Heimspiel gegen Hertha BSC mit 1:0 (0:0). Am Sonntag allerdings setzten sich die Dortmunder mit 3:2 (2:1) gegen Bayer Leverkusen durch und stellten den alten Dreipunkte-Abstand wieder her.

Der Tabellendritte Borussia Mönchengladbach musste einen herben Dämpfer hinnehmen. Im Verfolgerduell verloren die Fohlen mit 0:3 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg, der sich auf den fünften Tabellenplatz verbesserte. Yannick Gerhardt (38.) erzielte das Führungstor für die Wölfe, Admir Mehmedi (68./83.) machte alles klar. Zuletzt hatten die Gladbacher schon 0:3 im Borussia-Park gegen Hertha BSC verloren.

Vizemeister Schalke 04 verlor beim FSV Mainz 05 ebenfalls glatt mit 0:3 (0:1) und befindet sich weiterhin knapp oberhalb der Abstiegsränge. Allerdings beträgt der Vorsprung der Königsblauen auf einen Abstiegsplatz neun Punkte. S04-Sportvorstand Christian Heidel kündigte seinen Rückzug an. Karim Onisiwo (18./84.) zeichnete für zwei Tore der Rheinhessen verantwortlich, Jean-Philippe Mateta (73.) erhöhte per Kopf auf 2:0. Der SC Freiburg feierte gegen den FC Augsburg einen 5:1 (3:0)-Kantersieg. Fortuna Düsseldorf setzte sich mit 2:1 (0:1) gegen Tabellenschlusslicht 1. FC Nürnberg durch, der Club ist damit seit 17 Spielen ohne Sieg. Die Frankfurter Eintracht kam nach einer Steigerung in der zweiten Hälfte zu einem 3:0 (0:0) bei Hannover 96. Den Spieltag beschließen am heutigen Montag RB Leipzig und 1899 Hoffenheim, die um 20.30 Uhr aufeinandertreffen.

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